Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 40 (5.10.1928)
- Date
- 1928-10-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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möge. Hierüber ist seitens der Landesregierung die folgende Erledigung ergangen: „Wie die amtlichen Erhebungen ergeben haben, wird die Geflügelschlachtstelle auf Grund des Statuts der israelitischen Kuitusgemeh de und durch deren Organe betrieben. Es handelt sich hierbei also um eine Kultuseinrichtung, nicht aber um einen gewerblichen Betrieb. Das Sonntagsruhegesetz erstreckt sich aber nur auf gewerbliche Betriebe und einige lim Gesetze vom 15. Mai 1919, St G. BL Nr. 232 aufgezählte der Gewerbe- Ordnung nicht unterliegende Unternehmungen und Anstalten. Die Bestimmungen des Sonntagsruhegesetzes kommen daher auf den Betrieb der oben genannten rituellen Geflügelschlachtstelle überhaupt nicht zur Anwendung; es ist das Offenhalten dieser Stelle am Sonntage an eine Genehmigung nach dem Sonntagsruhegesetze, bzw. nach der Gewerbe- Ordnung i »cht gebunden." Aus dem Kreise der Gemeindemitglieder wurde im Präsidium der Kultusgemeinde dagegen Vorstellung erhoben, daß von dem seinerzeit im Carl-Theater gastierenden „Moskauer jüdischen akademischen Theater" die Abschiedsvorstellung für den Kolnidre-Abend anberaumt war. Durch eine Intervention bei der Direktion des Carl-Theaters und der Leitung der genannten Künstlergruppe konnte bewirkt werden, daß diese bereits angekündigt gewesene Vorstellung abgesetzt wurde. (Schluß folgt.) Wahlmiszeilen. Der Herr „religiöse Jude", der unlängst in der „Stimme" seine „aufrichtige" Stimme erhob, möge sich, bevor er Kritik an dem Wahlprogramm der „Union", also einer ihm nicht genehmen Partei übt, lieber das Programm der ihm nahestehenden jüdischnationalen etwas gründlicher besehen, um zu konstatieren, ob dort nicht der Ruf nach „Aufrichtigkeit" besser am Platze ist. Wenn er so religiös und zionistisch empfindet, wie er vorgibt, warum fragt er dann nicht bei unseren Zionisten an, weshalb sie in ihrem von Herrn Dr. Desider Friedmann in der Sitzung der zionistischen Vertrauensmänner entwickelten Programm nach dem Berichte der „Stimme" mit keinem Worte Palästina erwähnen? Sind sie auf einmal so wenig zionistisch, daß sie ganz auf das Ziel ihres Strebens vergessen können? Sie haben ja auch bei ihren jüdischnationalen Forderungen so viel Wasser in ihren blauweißen Wein gegossen, daß sie nicht mehr von den famosen „M inderheitsre chten", sondern nur mehr von den „bürgerlichen Rechten" sprechen. Auch wurde in den Berichten der Tageszeitungen und der „Stimme" ihr von uns in richtiger Weise charakterisierter Wunsch nach der „Volk s- «■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■i SM orthodox Gßflü$ßlliandlun$ unter Aufsicht des Ehrw.RabbinatesAdas Israel (Schiff schul) Zu jeder Tageszeit frisch gebratene Gansl Ungarisches Mastgeflügel von bester Qualität! Emanuel Schlesinger Wien II., Große Schiffgasse 5 Tel. R 40-5-90 Tel. R 40 5-90 gemeinde" vollständig unterdrückt. Ist das alles „Aufrichtigkeit"? Anderswo nennt man das Wählerfang! Nur werden die Wähler gewiß auf diese Machinationen nicht hineinfallen. * * * Erst in der letzten Nummer der „Stimme" wurde die Aufklärung dafür gegeben, warum die Jüdischnationalen ihre schönen Schlagworte „V o 1 k s g em e i n de" und „nationale Minderheit" so rasch über Bord geworfen haben; man höre und staune: aus Entgegenkommen für die „Union!" „Wenn Ihr (die Union)", hieß es da in einem sonst sehr geistlosen Artikel, „Angst (!) habt vor der „Volksgemeinde",, vor der „nationalen Minderheit" — wir sind gerne bereit, sie Euch rückhaltlos zu opfern, um Eurer Angst vor dem Schlagwort entgegenzukomm e n." Wie großmütig! Aber wir danken für dieses Entgegenkommen, das ja nur dazu gut sein soll, um der jüdischen Wählerschaft Sand in die Augen zu streuen. Was würden übrigens die. neuen „radikalen" Freunde zu der „Opferung der Volksgemeinde und der nationalen Minderheit", dieser „Schlagworte" — das Eingeständnis ist zu köstlich! — sagen! Wir fürchten, die erst jüngst geleimte Freundschaft geht rasch wieder in Brüche. Und das ist doch die „Union" nicht wert. * * * Ein Pseudonymkollege von mir, r. d., schreibt in der letzten „Stimme": „Die Union mag Mandate erringen können — eine Zukunft hat sie und das Judentum, das sie repräsentiert, darum noch Kultuswähler I Sichert Euch Euer Wahlrecht! Die Reklamationsfrist beginnt am 8. Oktober. Die Wählerlisten liegen zur Einsichtnahme an folgenden Stellen auf: Für die Wahlberechtigten des I. Bezirkes: I., Seitenstettengasse 4; II. Bezirkes: II., Tempelgasse 3; III. und XI. Bezirkes: III., Untere Viaduktgasse 13; IV., V. und X. Bezirkes: V., Siebenbrunnengasse 1; VI. und VII. Bezirkes: VI., Schinalzhofgasse 3; VIII. und IX. Bezirkes: IX., Müllnergasse 21; XII. bis XV. Bezirkes: XV., Turnergasse Nr. 22; XVI. und XVII. Bezirkes: XVII., Hubergasse 8; XVIII. und XIX. Bezirkes: XVIII., Schopenhauerstraße 29; XX. Bezirkes: XX., Kluckygasse 11; XXI. Bezirkes: XXL, Holzmeistergasse 12. Reklamationen besorgt auf Wunsch das Sekre tariat der „Union" (IX. Berggasse 4, Tel. A 19-2-77) gegen Beibringung der erforderlichen Dokumente.