Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 40 (5.10.1928)
- Date
- 1928-10-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ba- ->»&.i'iii^ai«M!aES»^^ 59ite 2 itBBittiiniHKttiiniHn die WAHRHEIT dem leuchtenden Stern an dem Himmel ihrer Kinder zu werden befähigte." Dieselbe Schriftstellerin schreibt ein paar Seiten weiter: „Die jüdische Hausfrau war einst die treueste Gattin, die liebevollste Mutter, die gütigste Hausfrau. Ist sie es heute noch? Im allgemeinen vielleicht, aber nicht mehr so ausnahmslos wie früher.... Ihr fehlt der Kern des Lebens, der nur in der Religion gefunden wird." Diesen Frauen rufen wir zu: Zurück zum Judentum! Pfleget das Judentum in euren Häusern, bewahret den Glauben in euren Herzen, und erziehet eure Kinder im Sinne der Thora! Nehmet Teil am Feste der Thora und freuet euch an diesem Feste in euren Häusern und euren Familien mit euren Gatten und Kindern! Ein schwarzer Tag für Österreich. Der 7. Oktober. Zur Zeit, da diese Zeilen geschrieben werden, steht es noch immer nicht ganz fest, ob aller Vernunft zum Trotz das Unglaubliche wirklich Ereignis werden soll: In einer friedlichen Provinzstadt Oesterreichs soll Sonntag, den 7. Oktober der Aufmarsch zweier feindlicher politischer Gruppen erfolgen, der vermutlich trotz aller geplanten Vorkehrungen nicht reibungslos verlaufen dürfte. Alle jene, die es mit Oesterreichs Entwicklung ernst meinen, haben vor diesem gefährlichen Unternehmen 3e*Mii£&§GM% Wandel der Zeiten. Vier Testamente — vier aufeinanderfolgender Generationen. Von J. L. P e r e z. I. Nachdem Reb Elieser, Ben Haikels Sohn, in die Ewigkeit eingegangen war, fand man unter seinem Kopfpolster einen Zettel folgenden Inhaltes: „Nach meinem Willen geschehe es. daß meine Kinder zu gleichen Teilen von dem mir gehörigen Walde Besitz ergreifen. Nach meinem Ableben sollen sie um den Friedhof herum ein Gitter aufstellen und das Dach des Tempels ausbessern lassen. Die heiligen Bücher vermache ich meinem Sohn Benjamin, der noch unbeweibt ist, Gott schenke ihm ein langes Leben — die übrigen Söhne und Schwiegersöhne haben ihre Gebetbücher bereits erhalten als sie unter die Chuppe gingen. Mein Weib, Gott schenke ihr noch viele Tage, soll nach wie vor, von ihren Kindern unabhängig, weiter im Hause verbleiben; sie möge eine arme Waise zu sich nehmen, damit sie sich nicht einsam fühle. An den betreffenden Feiertagen möge sie die Broche über Wein und Brot machen. An Erbgut soll sie den anderen Erben gleichgestellt werden. Unabhängig davon..." Das Weitere war nicht zu entziffern. Augenscheinlich war der Zettel unter den Polster gesteckt worden, bevor die Tinte ausgetrocknet war und dadurch hatten sich die Schriftzeichen verwischt. II. Reb Benjamin, Ben Eliesers Sohn, hatte schon ausführliche Weisungen hinterlassen: ..Meine Stunde hat geschlagen, und in Bälde werde ich gewarnt, es hat aber bisher nichts genutzt, selbst der österreichische Bundeskanzler Prälat Dr. S e ip e 1, der Chef der christlichsozialen Partei, hat in unverständlicher Weise es nicht für notwendig gefunden, den Rüstungen Einhalt zu gebieten, und so soll es am Sonntag dazu kommen, daß auf einem sehr engen Terrain sich zwei politische Mächte begegnen sollen, die einander hassen und bis aufs Messer bekämpfen. Die sogenannten „Heimwehren" haben für diesen Tag einen Aufmarsch in Wiener- Neustadt angesagt, den die Sozialdemokraten als Provokation empfinden, da sie diese Industriestadt als ihre Domäne betrachten. Deshalb alarmierten sie für den gleichen Tag ihren „Republikanischen Schutzbund" zur Gegenkundgebung am gleichen Orte, und so wird wahrscheinlich die ruhige kleine Provinzstadt der Schauplatz von Zusammenstößen werden, die hoffentlich unblutig verlaufen werden. Denn noch ist uns allen der 15. Juli 1927 in trauriger Erinnerung, der für Oesterreich ein Tag des blutigen Schreckens war, und das Land in Unglück stürzte. Schon rühren sich wie damals wieder p o 1 i t ischeProvokateure auf beiden Seiten, die nun ihre Zeit gekommen glauben. Ueberall wird gehetzt und geschürt. Den sonst hier so bedeutungslosen Kommunisten auf der einen Seite stehen die H a k e n k r e u z 1 e r auf der anderen gegenüber, die ihre in letzter Zeit arg ramponierte politische Geltung wieder herstellen wollen, und zwar selbstverständlich nur auf die Weise, die immer wieder bei ihnen beliebt ist, mit Juden hetze. meine Seele dem, der sie mir einst verliehen, der Herr ist über alle Seelen, empfehlen." „Die Menschen erzittern vor Seinem heiligen Namen und vor Seinem Gericht, jedoch ich verlasse diese Welt, Gott behüte, ohne Furcht, erfüllt von einem tiefen Glauben in Seine Barmherzigkeit und erhoffe, daß Er mit mir nicht nach der ganzen Strenge des Gesetzes Moses verfahren wird, sondern so, wie es Seine große Barmherzigkeit erheischt. Denn ich bin mir dessen bewußt, daß ich des vollen Vertrauens Gottes unwürdig bin, denn meine Seele ist während ihres Wandels auf Erden nicht unberührt und unbefleckt geblieben." Wir übergehen die nachfolgende Beichte und die Ermahnungen an seine Kinder und lesen dann weiter: „Meine Füße erkalten, mein Bewußtsein trübt sich immer mehr und gestern widerfuhr mir etwas ganz Ungewöhnliches: in das Lesen der Heiligen Schrift vertieft, schlummerte ich ein, und da träumte ich Seltsames durcheinander und das Buch entfiel meinen Händen. Da erwachte ich und begriff sogleich, daß das ein Fingerzeig Gottes war, und daß ich abberufen werden sollte . . . Ueber meine wahren Verdienste auf dieser Welt will ich vorläufig Schweigen bewahren, das wird mir unser Herrgott nach hundertzwanzig Jahren lohnen. Die Früchte meiner Taten werde ich vor dem Antlitz Jehovas ernten. Sein Wille geschehe — amen!! . . . Niemals hielt ich für mein, was ich nicht mit mir herübernehme, und Gott sieht es, ich lasse alles ohne Bedauern zurück. Ich lasse auch gar keine Bestimmungen wegen der Erbteilung zurück, da ich davon überzeugt bin. daß meine Familie, Gott möge ihr noch ungezählte Tage schenken, in Frieden und Eintracht beisammen bleiben wird, andernfalls aber über das Erbe nach Gesetz und Recht verfügen und keiner den anderen, was Gott verhüten möge, übervorteilen wird. Ich verlange, daß meine Familie — mein Weib, meine Söhne und Schwiegersöhne, lang sollen sie leben — zwei Zehent ihrer Habe ausscheiden mögen. Sogleich nach meinem Ableben sollen sie eine genaue Aufstellung über alles beweg-