Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 39 (28.9.1928)
- Date
- 1928-09-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Mllüinilllllll Seite 18 als Polizeiarzt in mehreren Wiener Bezirken, sowie als Schularzt im II. Bezirk verdienstlich sich betätigte. Sein aufrechter Charakter, seine streng militärische Auffassung von Pflicht und Dienst, seine Korrektheit und Verläßlichkeit nicht zuletzt <=^"ne, trotz aller militärischen Schärfe nie versagende Güte und Hilfsbereitschaft im Dienste der Leidenden, haben ihm hohe Achtung und Wertschätzung in weiten Kreisen gesichert. Mit reichem jüdischem Wissen ausgestattet und sich der Bedeutung seiner Abstammung wohl bewußt, war er nicht nur ein aufrechter Ji'de. s^idern er hat a"oh dem jüdischen Namen durch sein Wirken Ehre gemacht. Das zeigte sich bei der am 12. d. stattgehabten Bestattung. Unter den übeiaus zahlreich Erschienenen befanden sich Hofrat Dr. M e r t a und Hofrat Kaiser in Vertretung der Polizeidirektion. General Wächter, Präsident Generalstnh^rzt D. Prif. Dr. Pick. Vizenräsid^nt Dr. J. Ornstein, Börserat J. Glück, Abordnungen der Sicherheitswache, Realgymnasialdirektor Reg.-Rat Doktor Montzka, der gewesene Reichsratsabgeordnete Dr. von Löwenstein u. v. a. Rabbiner Dr. Taglicht und General Wächter (im Namen der Schlaraffia) hielten dem Verstorbenen tief empfundene Nachrufe. — Ein kluger, charaktervoller Mann, voll Eifer für jüdische Angelegenheiten, ist von uns gegangen. Dienstag, den 18. September, wurde der Oberlehrer i. P. der Gemeinde Wien und Religionsprofessor der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Jakob Kappelmacher im 78. Lebensjahre zu Grabe getragen. Seit dem Jahre 1874 städtischer Lehrer, wurde er unter der Aegide Luegers zum Oberlehrer ernannt und erhielt unter dem Bürgermeister Weiskirchner die goldene Verdienstmedaille für 40jährige verdienstvolle Tätigkeit. Als Religionsprofessor wirkte er bis Ende des Schuljahres 1927/28 am Mädchengymnasium Hollnndstraße und wurde von seinen Schülern stets hoch verehrt. Der Verblichene war ein sehr bescheidener Mann, der Ehrungen stets aus dem Wege ging. Es war sein letzter Wille, daß sein Leichenbegängnis in aller Stille stattfinden möge, und wünschte er nur, daß sein Sarg amPazmanitentempel, zu dessen treuen Anhängern er zählte, vorbeigetragen werde, welchem Wunsche seine Familie Rechnung trug. An der Bahre trauern die Söhne Universitätsprofessor Dr. Alfred Kappelmacher, Rechtsanwalt Dr. ■' Adolf Kappelmacher, Emil Kappelmacher und. Dr. Oskar Kappelmacher (Kapp), Kapellmeister in Bern. Schwiegertöchter und Enkelkinder, sowie seine zahlreichen Freunde, die ihm ein ehrendes Andenken bewahren werden. — Samstag, den 15. September, verschied nach kurzem schweren Leiden Herr Julius Fr an kl, Vorsteher des Tempelvereines „Aeschel Awrohom", im 69. Lebensjahre. Der Verstorbene erfreute sich wegen seines trefflichen echt jüdischen Charakters wohlverdienter Achtung und trauern um ihn nicht nur seine Gattin Flora und sein einziger Sohn Kurt, sondern auch seine vielen Freunde. Das Leichenbegängnis fand Mittwoch, den 19. d. M. unter großer Teilnahme statt. Unter den Anwesenden bemerkte man den Vorstand des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" und eine croße Anzahl Mitglieder unter Führung des Obmannes Oskar Schrämek, sowie zahlreiche Vertreter von Korporationen, denen der Verblichene als Mitglied angehörte. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald in einer tiefempfundenen Rede die Persönlichkeit des Dahingeschiedenen gewürdigt hatte, dankte namens des Vorstandes des Pazmanitentempels Chefredakteur Ludwig Hirschfeld dem Verblichenen für dessen hingebungsvolle Tätigkeit im Dienste des Temnelvereines und versicherte, daß der Verein seine stete Hilfsr"»rp?t«:r*"ft "nd «Hne liervorrporendpn T eistnncen immpf in ehrenvoller Erinnerung behalten werde. Am offenen Grabe sprach Rechtsanwalt Dr. Egon M e i d e r für die Familie des Dahingeschiedenen tief empfundene Worte des Dankes. — Am 23. d. M. verschied nach einer durch Verwundung im Weltkriege notwendig gewordenen neuerlichen Operation nach langem, schweren, mit Engelsgeduld ertragenen Leiden der Papierfabrikant Franz D e u t s c h im 43. Lebensjahre. Bescheiden und liebenswürdig als Mensch, treu und hilfsbereit als Freund, hat er sich die Liebe weiter Kreise, die Hochachtung und Verehrung aller, die ihm im Leben nahe gestanden sind, erworben. Diese Beliebtheit kam auch bei seinem Leichenbegängnisse, das Dienstag, den 25. d. M., vom Trauerhause, IT. ^ncVHnctrafle 6 stattfand, zum Abdrucke. Eine ungemein große Gemeinde von Freunden und Verehrern scharte sich um den schlichten Sare. Nachdem Oberkantor J. Müller einen Trauerpsalm rezitiert hatte, wurde der Sarg von den Freunden des Verstorbenen zum Fourgon getragen. — Am Zentralriedhofe hielt dem Verblichenen Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald einen ergreifenden Nachruf. Er schilderte in beredten Worten die Verdienste des bescheidenen, edlen Mannes, der keinem Menschen je Unrecht oder nur die geringste Kränkung zugefügt, deshalb auch keinen Feind und nur lauter Freunde zurückgelassen. Musterhaft war auch sein Familienleben, das ganz in der Liebe zu seiner Frau und seinen Geschwistern aufeintr. Um den Dahineeeancenen trauern seine untröstliche Gattin Irma, geborene Politzer, seine Schwestern Ida Schönherz, Ella Nagel und Paula Bauer, seine Schwiegermutter Fritzi Politzer, seine Schwägerin Lily Schopf und seine Schwäger J. Schönherz, M. Nagel, D. Schorr und F. P a u e r. Der gänzlich zusammengebrochenen Gattin, die bis knapp vor Eintritt der Katastrophe noch immer auf Genesung ihre innigstgeliebten Gatten gehofft hatte, wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. — Die kantoralen Funktionen auf dem neuen Friedhofe versah ebenfalls Herr Oberkantor J. Müller. Am offenen Grabe hielt I. Kantor A. Stift im Namen des Leopoldstädter Tempelvereines „Aeschel Awrohom", zu dessen verdienstvollen Mitgliedern der Verblichene zählte, ein El mole rachamim. Der gramgebeugten Fnmilie rnfto-p, zu™ Tröste dienen, daß cfcr Verstorbene eine Zierde jüdischer Männer war und als Vorbild im steten Angedenken weiter leben wird. Friede seiner Asche! Bethausverein „Montefiore". Sonntag, den 9. September, am ersten Slichothtag, veranstaltete der Bethausverein „M o n t e f i o r e", IL, Taborstraße 38. anläßlich der Renovierung seines Bethauses vor der Abendandacht eine Feier. Zu dieser erschienen in Vertretung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Kultusvorsteher D. D o h a n, ferner die Kultusvorsteher Wolf Pappen heim und A. Breuer, in Vertretung der „Adas Jisroel" Vorstandsmitglied A. Stern, für das ..Beth Hamidrasch" I. Frommer, sowie der frühere Rabbiner des Bethauses Dr. Joel Pollak, u. a. m. Revisor und Vorstsndsmitelied Sigmund Steiner berichtete über Beginn und Vollendung der Renovierungs- und Adaptierungsarbeiten. Er schilderte, mit welcher innigen Begeisterung die Mitglieder des Bethausvereines ihr Schärflein zur Verschönerung ihrer „Montefiore-Schul" beitrugen, und hob dankend hervor, daß d?e Vollendung des Werkes nur durch die tatkräftige Unterstützung des Kultusvorstandes möglich war. Er gedachte auch der eifrigen Mitwirkung des Gründers und Ehrenmitgliedes des Bethausvereines, Jakob Weiß, der des Obmannes Max Löwenstein und des Obmannstellvertreters Rosenzweig, ferner der Tätigkeit des Schriftführers Fischer, des Arbeitsleiters Hirschberg, der Brüder Weiß, Schischa und Löwenstein ir. und dankte besonders dem Kustos Hirsch sowie allen Vereinsmitgliedern, die zum schönen Werke beigetragen haben. Kultusvorsteher D. Dohan dankte im Namen der Kultusgemeinde dem Veroinsvorstande für seine zielbewußte Tätieke't und e»b die Erklärung ab, daß der Kultusvorstand die edlen Bestrebungen des Vereines n«ch Möglichkeit unterstützen werde, was allseits dankbare Anerkennung hervorrief. Sodann hielt Herr Ver^ einsrabbiner Jakob Haberfeld eine Ansprache, in der er in geistreicher Weise die Bedeutung des Festes würdigte, und löste die ausgezeichnete Rede des jungen ehrwürdigen Rabbiners allgemeine Befriedigung aus. Das hierauf von Oberkantor E. Frankel, unterstützt von seinen Sängern unter Leitung des bekannten Dirigenten I. Milet, vorgetragene Maariw-Gebet fand ungeteilte Bewunderung. In gehobener Stimmung verließen die Festgäste das Bethaus. FLEISCHHAUER ElW SIEGMUND KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilung für Koscherfleisch IX., Bergaasse IS und XVIII., BähTingmtraBe 97 unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates derlsr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen