Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 39 (28.9.1928)
- Date
- 1928-09-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WAHRHEIT Seiteft er&fiei%tlichitn&et% det Unidt deuteclvcstevveicKiecKev JulcIm* ^ibstspavkawnhai^Mc.^Ö^ Wien I/. %QV<^asfa k TeUfe*.: 19-2-77 Unsere Wahlvorbereitungen^ Mit der in der letzten Nummer unseres Blattes ausführlich gemeldeten Konstituierung des Großen Kultuswahlkomitees der „U n i o n", der schon intensive Vorarbeiten vorangegangen waren, ist die „Union deutschösterreichischer Juden" in den eigentlichen Kultuswahlkampi eingetreten, der diesmal ein besonders harter zu werden scheint. Um nun unsere Wahlparolen, die überall mit größter Begeisterung aufgenommen werden, in weitesten Kreisen des Wiener Judentums zu verbreiten, ist die „Union" darangegangen, eine Reihe von S p e z i a lk o m i t e e s zu konstituieren, die bereits seit geraumer Zeit eifrig arbeiten und schon auf manche Erfolge hinzuweisen vermögen. Neben dieser Arbeit, die vornehmlich in der Zentrale (IX., Berggasse 4, Tel, A. 19-2-77) geleistet wird, läuft die Agitation in den einzelnen Bezirken, mit der ebenfalls bisher sehr gute Erfahrungen gemacht wurden. Um diese Bezirksagitation möglichst intensiv zu gestalten, wurden sunon in den meisten bezirken Bezirkswahlkomitees konstituiert, die unter dem Präsidium erfahrener Vertrauensmänner der einzelnen Bezirke ihre Tätigkeit bereits aufgenommen haben und in täglich stattfindenden Sitzungen die Art der Werbearbeit eingehend beraten. An alle unsere Freunde und Anhänger muß nun der dringende Appell ergehen, an dieser Agitation der Zentrale und der Bezirke sich werktätig zu beteiligen und uns in unserer Arbeit auf jede nur mögliche Weise zu unterstützen. Wir sind insbesondere jenen unserer Gesinnungsfreunde zu Dank verpachtet, die in diesen schweren Tagen ihre Mithilfe den einzelnen Komitees, namentlich den Bezirkskomitees zur Verfügung stellen, und bitten, sich diesfalls bei der Zentrale meiden zu wollen. Auch wird es unsere Werbearbeit besonders fördern, wenn uns Namen und Adressen von Bekannten und Freunden unserer Parteigänger bekanntgegeben werden, an die wir uns, mit Berufung auf dieselben, wegen Mitarbeit wenden können. Unser Wahlprogramm, das an anderer Stelle dieser Nummer zum Abdruck gelangt ünd das überall mit größter Begeisterung aufgenommen wurde, wird an all jene Personen versendet, deren Anschriften uns gemeldet werden, und diese Art der Agitation hat sich bisher als sehr erfolgreich erwiesen. Wenn jeder unserer Freunde und Anhänger eifrig mittut, wird es bei dieser Wahl, bei der es ums Ganze geht, gelingen, unsere altehrwürdige Kultusgemeinde in dem gleich erhabenen Sinne zu erhalten, wie sie bisher von den Männern unseres Vertrauens geführt wurde. Es halte sich jeder vor Augen, daß Bestrebungen im Gange sind, um die Kultusgemeinde zu einem Tummelplatz politischer Leidenschaften herabzuwürdigen; wer diese große Gefahr bannen will, der muß und wird uns in diesen Tagen mithelfen, um unsere Sache zum Erfolg zu tühren. So wie bereits seit mehreren Wochen in der Zentrale und in den Bezirken intensiv gearbeitet wird, so muß auch der Einzelne, dessen Mitarbeit uns stets willkommen ist, unermüdlich am Werk sein! Wahlmiszellen. in der „Stimm e" vom 13. September findet es ein „religiöser Jude", der wahrscheinlich in der Redaktion des zionistischen Blattes selbst zu Hause ist, für angebracht, der „Union" Ratschläge für ihr Wahlprogramm zu erteilen. Das sind wir nachgerade schon gewöhnt; erst unlängst hat uns ja das Organ der „Werktätigen Juden" empfohlen, nur ja die „Tradition" als unsere Wahlforderung aufzustellen. Während aber der Artikelschreiber der „Volkszeitung" uns wenigstens einen positiven Vorschlag machte, belehrt uns der „religiöse Jude" der „Stimme" negativ, nämlich: „Der Wahrheit entsprechend können sie (die Herren der „Union") in allen Tonarten verkünden, daß sie Gegner des Zionismus und der Zionisten sind, daß sie Gegner der Sozialdemokraten sind, daß sie verhindern wollen, daß diese zwei Gruppen in die Gemeindestube einziehen, alles können und sollen sie sagen, nur die R e 1 i g i o n, die jüdische Religion, mit der sie es nicht ernst meinen können, da sie deren fundamentale Satzungen für sich und ihre Kinder als nicht bindend betrachten, die mögen sie außer Spiel lassen!" Werter Herr „religiöser Jude"! Verschonen Sie gefälligst uns und die Ihren iürderhin mit solchen Ratschlägen, die zugleich eine dreiste Unwahrheit enthalten; denn von den Männern, die seit Jahren mustergültig und ehrlich dafür sorgen, daß die altehrwürdige Wiener Kultusgerneinde in dem gleich erhabenen religiösen Sinn wie bisher geführt werde, zu behaupten, „sie nehmen es mit der Religion nicht ernst", widerspricht der Forderung, die Sie selbst an die Spitze Ihres Aufsatzes stellten! Diese Forderung lautet: „Aufrichtigkeit!" Es wäre gut, wenn Sie und Ihre Partei sich künftighin besser an diese schöne Forderung halten würden. * * * Verbürgten Nachrichten zufolge haben sich die „gemäßigten" und „radikalen" Zionisten zum Zwecke gemeinsamer Wahlarbeit geeignigt. Das erinnert an ein Sprichwort, in dem vom Schlagen und Vertragen die Rede ist. Haben sich nun die „Radikalen" gemäßigt oder die „Gemäßigten" radikalisiert? Wir glauben nach allen Voranzeichen an das letztere. »' d.