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Die Wahrheit · 1928-09-28 · Heft 39 (28.9.1928) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 39 (28.9.1928)
Date
1928-09-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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5eite 6 finn&nnnnii^^ der meist nationalistischen, freidenkenden, atheistischen Juden, die wohl dem Ghetto entstammen, aber Mitglieder der Maschinenkultur geworden sind." Die Ausdrücke „Rabbinismus", „Rabbinasmus" und „Cheskelhaß" sowie ihre „Definition" allein zeigen, zu welchen ungeheuerlichen Phantastereien sich Professor Passarge versteigt, die mit der Wirklichkeit nicht im geringsten in Einklang zu bringen sind. Um seine Mentalität und Eigenart wirklich kennenzulernen, ist es von Wichtigkeit, dem Wege nachzugehen, auf dem er zu den Ausdrücken „Rabbinismus" und „Cheskelhaß" gekommen ist. Im Jahre 1912 veröffentlichte der jetzige Reiseberichterstatter des „Berliner Tageblatt", Hans Klötzel, der ursprünglich jüdischer Elementarlehrer gewesen ist, im Alter von 20 Jahren in der Münchener Monatsschrift „Janus" (das Blatt, das kein jüdisches Blatt war, ist bald wieder von der Bildfläche verschwunden) einen Artikel „Das große Hassen", in dem er gegenüber dem antisemitischen Haß gegen alles Jüdische ein großes jüdisches Hassen gegen alles Nichtjüdische proklamierte. Dieser temperamentvolle jugendliche Ausbruch Klötzels, der den Artikel mit „Chaskel Zwi Klötzel" unterzeichnet hatte — in Kürschners Literaturkalender wird sein wirklicher Vorname Hans angegeben, er nennt sich aber als Schriftsteller immer noch C. Z. Klötzel — hatte einen u ngeahnten Erfolg. Die Antisemiten bemächtigten sich dieser Haßarie, sie machten Klötzel flugs zum Rabbiner (siehe Wilhelm Meister, Judas Schuldbuch, 4. Auflage, S. 130), und in der antisemitischen Literatur spielt seitdem der „Rabbiner Chaskel oder Cheskel Zwi Klötzel" mit seiner großen jüdischen Haßarie eine ganz hervorragende Rolle, bis ihn jetzt der ordentliche Professor der Geographie an der Universität Hamburg, Passarge, zum Repräsentanten des Rabbinismus und Cheskelhasses gestempelt hat, dem er den „atheistischen Rabbinasmus" gegenüberstellt. Namentlich in das Wort „Cheskelhaß" scheint sich Professor Passarge verliebt zu haben; er wiederholt es immer und immer wieder und ersetzt damit offenbar das im ersten Band bis zum Ueberdruß wiederholte, von dem lateinischen odi (ich hasse) abgeleitete Wort „Odisten" dessen Unsinnigkeit wir ihm dargelegt haben und das er im zweiten Bande auch nicht ein einziges Mal wieder vorbringt." Man sieht, wie ein nationaljüdischer Heißsporn durch unverantwortliches Geschreibsel den Antisemiten Material, das sie noch nach Jahrzehnten benützen, liefern kann. Wir brauchen wohl nicht zu sagen, daß die Propagierung eines großen jüdischen Hassens gegen die Feinde dies Judentums durchaus der jüdischen Lehre widerspricht. ..Gottes ist die Rache und die Vergeltung", so lehrt unsere Thora. Das Wort der heiligen Schrift „Du sollst den Aegypter nicht hassen, denn ein Fremdling warst du in seinem Lande", wird auf alle nichtjüdischen Völker angewendet. Die Antisemiten stürzten sich auf die von Herrn Klötzel im Jahre 1912 geir achten Redensarten mit Heißhunger und beförderter" ihn. der vom wirklichen Wesen des Judentums wMMMWMMMwmMMMMwmmi DIE WAHRHEIT offenbar keine Ahnung hat, sofort zum „Rabbiner". Passarge hat nun neuerdings den „Cheskelhaß1 unter Bezugnahme auf den Vornamen des Herrn Klötzel erfunden, dier von ihm auf die „orthodoxe Religion des Ghettos" ausgedehnt wird, obgleich gerade Klötzel alles weniger als „orthodox" ist. Q l crre #v. Ueber das Sukkoth-Fest und seine Bedeutung haben unsere alten Weisen herrliche Betrachtungen angestellt. Ein moderner Prediger könnte aber auch aktuelle Beziehungen dieses Festes zu den Folgen der Inflationszeit entdecken, die auch eine eindringliche Lehre über den Wandel der äußeren Verhältnisse gab. Wie so mancher zuerst Reiche mußte in unseren Tagen aus seiner prachtvollen Wohnung in eine Hütte ziehen, die kaum Raum für ein liebendes Paar, geschweige für eine kinderreiche Familie bietet. Die jüdischen Feste enthalten alle eine ergreifende Illustration zu dem Worte Hilleis, der, wie der Talmud berichtet, schon Jahrzehnte vor der Geburt des Stifters des Christentums im Sinne seiner Religion einem Heiden erklärte, die Hauptiehre der Thora ist die Nächstenliebe und alles übrige nur der Kommentar dazu. Mußte der Jörn Kippur nicht jeden Juden nebenbei auch daran mannen, wie das Hungern auch nur an einem Tage weh tut? Jörn Kippur und Sukkoth, sie führen eine beredte Sprache, um die Herzen der Besitzenden aufzurütteln, damit sie nach Möglichkeit den Armen und Elenden zu Hilfe kommen, die nicht nur vorübergehend mit Hunger und Wohnungselend zu kämpfen haben. * * * Ein Schrei des Entsetzens und des herzzerreißenden Mitgefühls geht durch die gesittete Welt ob der grauenhaften Brandkatastrophe, die Spanien in Trauer gestürzt hat. Zahlreiche Menschen, zerstampft, zertreten, eine Beute der verzehrenden Flammen .... Gibt es diesem Jammer gegenüber trostbringende Worte? Darf man vielleicht darauf hinweisen, daß fühlende Menschen selbst bei diesem furchtbaren Unglück sich sagen können, es sei durch eine Tücke des Zufalls oder infolge unzureichender Vorsicht entstanden und. nicht durch die Grausamkeit böswilliger, fanatischer, irregeleiteter Menschen ... Während das Spanien unserer Tage unter edlen, von erleuchteten Staatsmännern beratenen Fürsten jede religiöse Unduldsamkeit verdammt und die Bekenner aller Religionen gegen Verfolgung schützt, hat es in früheren Zeiten gar oft Schauspielen beigewohnt, bei denen tausende Menschen bei lebendigem Leibe dem Feuertode überliefert wurden. Tausende und Abertausende, deren Verbrechen in nichts anderem bestand, als daß sie den Glauben ihrer Richter und Henker nicht teilten. Die lodernden Scheiterhaufen bildeten die Bühne, auf der sich die Szenen abspielten, deren Schilderune unsere empfindloser gewordenen Nerven nicht vertragen, die aber das Publikum von damals, bedauernswerte, betörte, urteillose Menschen, zu rasenden Beifallsstürmen hinriß. Der berühmte Geschichtsschreiber der spanischen Inquisition J. A. Llorente, ein ge-

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