Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 39 (28.9.1928)
- Date
- 1928-09-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 fiiMMM^ die WAHRHEIT Comraons noch im House of Lords einen Juden geben, würde nicht die Liberale Partei seinerzeit gegen die Konservativen, zu denen sich Melchett ietzt zählt, die Judenemanzipation erkämpft haben. Die Liberalen waren es, die für die Verleihung des Stimmrechtes an die Juden und auch für die Wählbarkeit von Juden eingetreten waren. Lloyd George nennt Sir Alfred Mond einen ausgesprochenen Scharlatan und gibt ihn der offenen Verachtung preis. Seine Liebe zum Zionismus entlarvt sich allmählich, wie die englischen Blätter schreiben, als eine reine Gescbäftsangeiegenheit. Mond ist bekanntlich Präsident des größten englischen Trust, und als solcher an der Exploitierung der Salze des Toten Meeres (von übrigens sehr fraglicher Qualität) lebhaft interessiert und bewirbt sich schon seit langem um die Konzession bei der Regierung. Um zu seinem Ziel zu gelangen, leistet er der englischen Regierung verschiedentliche Dienste und letztens wurde er Vertrauensmann der Regierung für jüdische Palästina-Angelegenheiten, Was Wunder also, wenn Mond die Werbetrommel rührt, um die Opferwilligkeii der Juden der Welt neuerdings für Palästina aufzurütteln? Dem Engländer können Investitionen in Palästina, sobald sie nicht aus seiner Tasche gehen, durchaus recht sein. So ist es erklärlich, daß Sir Alfred Mond seinerzeit einen Bericht über Palästina vom Stapel ließ, der selbst in zionistischen Kreisen Kopfschütteln hervorrief, da man den peinlichen Eindruck und den nachherigen Rückschlag fürchtete, der unvermeidlich sei, wenn man der Welt, wie es Sir Alfred Mond tat, erzählt, daß es lächerlich sei, auch nur von der leisesten Wirtschaftskrise in Palästina zu sprechen, daß eine solche überhaupt niemals zu. verzeichnen gewesen ist und dergleichen mehr. Uns interessiert noch lebhaft das Judentum Sir Alfred Monds und über diese Frage gibt die Londoner „Jewish World" aufschlußreiche Aufklärung. Anläßlich der Erhebung Sir Alfred Monds in die Pairschaft bringt die Londoner „Jewish W o r 1 d" einen Artikel, aus dem hervorgeht, daß es mit dem Judentum des neuen Lords, so eine eigene Sache sei. Seine aktive Verbindung mit dem Judentum datiere erst seit der Zeit der Balfourdekiaration. „Seine Erziehung war in keinem Sinne jüdisch", sagt die „Je\vish World", „und als er vor einigen Jahren in einem Prozeß als Zeuge auftrat, erklärte er, er sei ,kein Sohn des Alten Bundes'. Er heiratete eine Christin, war nicht Mitglied einer jüdischen Gemeinde, und seine Kinder, von denen eine dem Viscount Erleigh, dem Sohn Lord Readings, in der Kirche angetraut wurde, wurden als Christen erzogen. Es gab einige Üeberraschung, als Sir Alfred Mond 25.000 Pfund für den jüdischen Nationalfonds stiftete, mehr als einmal nach Palästina reiste, dort Grundeigentum erwarb und ein Haus erbaute. Sein Zionismus war aber immer zweifelhafter Natur. Es ist fraglich, ob die jüdische nationale Bewegung ihn so stark beeinflußte, wie das z. B. bei anderen, die sich weit vom Judentum entfernt, hatten und die der Zionismus zurückführte, bei Männern wie Herzl und Nordau der Fall war. Es schien mir immer, als ob Lord Melchett in einem Palästina unter britischer Kontrolle nur eine gute Sache sah und sich daher entschloß, .dabei zu sein'. Ich glaube, man irrt nicht, wenn man annimmt, daß dies das Motiv seiner Annäherung an die zionistische Bewegung ist — viel mehr als irgend ein Gemeinschaftsgefühl mit den jüdischen nationalen Bestrebungen. Die neue Pairschaft wird wahrscheinlich nicht dauernd — selbst wenn man dies Wort in dem sehr begrenzten Sinne gebraucht, in welchem es in diesem Zusammenhang mit einigem Recht allein angewandt werden kann — eine jüdische bleiben, noch weniger als das Marquisat Reading, dessen Erbe Viscount Erleigh ist . . ." Die „Jewish World" scheint ihren Mann gut zu kennen. (Jüd.-dem. Wochenschrift, Bielitz.) JAC. MAYER Kleider» und Gummimäntel-Industrie Export oaefa alles Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkenoaSSe 24 Tel. R48-4-79 Die verdummende und korrumpierende Macht des Antisemitismus. Von Dr. J. Staniek. Wir haben in Nr. 33 der „Wahrheit" in dem Artikel „Schuldige Achtung" auf einen von Haß gegen die deutschen Staatslenker strotzenden Artikel eines Herrn Dr. H u b e r im Grazer „Michel" hingewiesen. Mit diesem Aufsatz beschäftigen sich auch die folgenden Ausführungen, die wir den Berliner „A b w e h r b l ä 11 e r n" entnehmen. D.?Red. An der Ermordung Rathenaus trug bekanntlich in erster Linie die unerhörte antisemitische Hetze schuld, die damals namentlich in den sogenannten gebildeten Kreisen besonders auf der Grundlage der Schwindelberichte der „Geheimnisse der Weisen von Zion" betrieben wurde. Mit vollem Recht sind in dem Prozeß, der vor dem Reichsgericht in Leipzig gegen die am Leben gebliebenen Mörder Rathenaus geführt wurde, die Geheimnisse „die Bibel der Rathenau-Mörder" genannt worden. Und ebenso treffend hat unmittelbar nach der Mordtat der jetzige Kurator der Universität Frankfurt a. M., Dr. R i e z 1 e r, in einem Artikel der demokratischen Zeitschrift „Die deutsche Nation" (August 1922) unter dem Titel: „Die Schuld der Oberschicht" darauf hingewiesen, welche verhängnisvollen Folgen das Grassieren des Antisemitismus, „dieser unfruchtbarsten und subalternsten aller Einstellungen des Geistes und Gemütes", in dieser „Oberschicht" auf unser Vaterland heraufbeschworen hat. In einem ausgezeichneten Artikel hat ferner der Professor an der Technischen Hochschule in Berlin, Geh. Reg.-Rat Dr. Holde in den „A b w e h r b 1 ä 11 e r n" zwei besonders signifikante Fälle angeführt, in denen er feststellte, daß zwei als geistig hochstehende Persönlichkeiten geltende Männer, ein Professor an dieser Hochschule und der mit ihr Beziehungen unterhaltende Generaldirektor eines Werkes von Weltruf, ganz im Banne der in Rede stehenden Schwindelberichte standen und in diesem Sinne namentlich in Professorenkreisen zu agitieren versuchten, obwohl doch der dort verzapfte Unsinn jeden vernünftigen Menschen von vornherein stutzig machen muß. An diese Ausführungen des Professors Dr. Holde wurden wir erinnert, als uns dieser Tage der Artikel eines Dr. Wilhelm H u b e r, „Auslieferung", in der Nummer des in Graz und Wien erscheinenden völkischen Wochenblattes „Michel" vom 5. August d. J. zu Gesicht kam. Darin werden gegen den Reichskanzler Müller und gegen den Außenminister Stresemann, namentlich aber gegen den Reichspräsidenten v. Hindenburg wegen des von ihnen angeblich verschuldeten „nationalen Ausverkaufs Deutschlands" die schärfsten Angriffe erhoben. Die gehässigsten Anwürfe richten sich gegen Hindenburg. „jenen vom deutschen Volke einst mit Recht gefeiertsten Heerführer, den die Weltgeschichte zum machtlosen Oberhaupt der internationalistisch und friedensduslerisch verseuchten deutschen Republik gemacht" habe. Dann heißt es weiter: „Der Kern der Sache ist, daß die Regierungen sowohl in Oesterreich als auch in Deutschland nichts anderes mehr sind als Schauspieler, Drahtpuppen und Vollzieher des Willens der jüdischen Machthaber. Falls uns die Wirklichkeit und die neudeutsche Politik darüber nicht handgreifliche Beweise genug gibt, so klären uns zur Genüge die „Zionistischen Protokolle" auf. Im zehnten Protokoll heißt es: „An die Stelle des Monarchen setzen (Von uns fett gesetzt. Red.) wir die Karikatur eines Herrschers, einen Präsidenten. Auch Detail verkauf zu Fabrikspreisen! Herrenanzug nach Maß auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ „ „ „ 150.— Herrenhose „ „ „ „ „ 48.— feinst ausgeführt Zeitgemäße Zahlungsbedingungen! Kein Kaufzwang! Freie Besichtigung!