Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1928-09-14 · Heft 37-38 (14.9.1928) · page 29

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 37-38 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
– (sequence 29)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064248-3064284--16583-3089341
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE WAHRHEIT UlinillllHIlHlllilllllllllll» Seite 29 kammer der Wissenschaft von der Geschichte des Judentums, und zu zeigen, daß alle Fragen und Probleme, welche die Kultusgemeinde zu behandeln hat, wie namentlich der obligatorische Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen und innerhalb desselben der Unterricht im Hebräischen nur vom traditionellreligiösen Gesichtspunkte zu lösen sind, nicht aber im Sinne des von den „Nationalen" ausgegebenen Schlagwortes einer „hebraisierenden Renaissance" der modernen jüdischen Jugend. Unsere moderne jüdische Jugend braucht eine religiöse Renaissance, eine Wiedererweckung der Begeisterung für die erhabenen, heiligen, religiösen Güter und Werte des vieltausendjährigen Judentums, ohne jedes Liebäugeln mit den noch ganz ungeklärten Fragen des „Aufbaues" Palästinas im Sinne des politischen „Zionismus", unsere Jugend braucht Erweckung der Frömmigkeit und Glaubenstreue durch die Kenntnis der heiligen hebräischen Gebete und unserer Bibel und Literatur in der heiligenhebräischen Ursprache. Die „Union" muß ihre Agitation in die b r e i t e n Massen derWiener Judenheit tragen, sie muß ihre Agitation in die jüdisch-akademische Jugend tragen, muß diese den Fangarmen des national-politischen „Zionismus" endlich entreißen, muß sie für die h e i 1 i g e n religiösen Ideale des Judentums begeistern. Die „Union" im Verein mit der Orthodoxie hat die Aufgabe, den Charakter der Kultusgemeinde als einer heiligen Gemeinde, Kehillo kedauscho, zu bewahren, was sie immer durch alle Jahrhunderte, namentlich des Mittelalters, gewesen ist, ein Schutz- und Bollwerk der heiligen Religion des Judentums. Die Kultusgemeinde darf sich nicht dazu mißbrauchen lassen, durch eine von den ..Nationalen" angestrebte Umwandlung in eine ..Volksgemeinde" ihres Heiligkeitscharakters beraubt zu werden, herabgewürdigt zu werden zum Tummelplatz für die nationalistischen Bestrebungen des politischen „Zionismus", welche der geschichtlich überlieferten Religion des Judentums unermeßlichen Schaden zufügen, die Ehre und den Ruf des Judentums als einer rein religiösen Gemeinschaft. vor der nichtiüdischen Welt herabsetzen. Die alternative Frage, die an die Spitze dieser Ausführungen gestellt wurde: Volksgemeinde oder Religionsgemeinde?, kann daher selbstverständlich nur im Sinne der Religionsgemeinde beantwortet werden. Es muß in alle Zukunft als Leitgedanke festgehalten werden das Gotteswort der Bibel: „Ihr sollt mir ein Reich von Priestern sein und ein heiliges Volk" und die Grundforderung: ,.Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott." Man muß dem national-politischen Zionismus mit Energie zurufen: Hände weg von dem Heiligtum unserer Kultus- und Religionsgemeinde, nie und nimmer darf sie zu einer sogenannten „jüdischen Volksgemeinde" herabgewürdigt und entweiht werden, sie soll und muß bleiben, was sie durch Jahrhunderte immer war, eine heilige Gemeinde! TUV&ktxuWxJic Aufruf des deutschen Rabbinerverbandes zu den hoben Feiertagen. Der Vorstand des Rabbinerverbandes in Deutschland veröffentlicht wieder, wie schon im Vorjahre, aus Anlaß der kommenden Feiertage einen Aufruf „An die deutschen Juden", in welchem es u. a. heißt: „Bald werden wieder Rosch Haschonoh und Jörn Hakippurim zum Gotteshause rufen und zu stiller Feier in den jüdischen Häusern. Unsere Verantwortung, unsere Sorge bewegt uns deutsche Rabbiner zu einem ernsten Wort an die deutschen Juden. Genug des Leides, das so vielen von uns der Sabbath, dieser Quellpunkt unseres Familienlebens, die Wurzel der edelsten Tugenden unserer Gemeinschaft, der Tag unserer Seele, das Wahrzeichen unseres Glaubens, verloren gegangen ist. Sollen nun auch die ehrfurchtgebietenden Tage dem Materialismus mehr und mehr zum Opfer fallen? . . . Möchte jeder jüdische Geschäftsinhaber seine Angestellten von jeder Arbeit an den hohen Tagen befreien. Möchten die Treuesten der Treuen, denen es ein tiefes Bedürfnis ihres Herzens ist, der religiösen Pflicht gemäß Sabbath und Feste zu feiern, weitherziges Verständnis bei allen in Betracht kommenden jüdischen Persönlichkeiten finden. Die Treue zum Judentum fordert Opfer." Der Aufruf schließt: „Im Geiste eng mit euch allen verbunden, wünschen wir euch den Segen der heiligen Tage. Möge alle Sorge von euch weichen; die Freude an Gott bleibe die Quelle eurer Kraft!" II Hüi< nisdu s Königlich! Seit vielen Jahren das anerkannt beste M^-nötw Man achte auf die ges. gesell. Marke fHygien. Könlgslknt* und Name Schulz Fabrik und Büro; Wien XIV., Braunhlrschengasse 3 Telephon R 33-1-87

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.