Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 37-38 (14.9.1928)
- Date
- 1928-09-14
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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/ Seite 30 Rabb. Dr. Baeck- Sachverständiger für jüdische Angelegenheiten im preußischen Kultusministerium. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat an Stelle des verstorbenen Justizrates L i 1 i e n t h a 1 zum Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten den Rabbiner Dr. Baeck, Berlin, bestellt. Minister Bokanowski war Jude. Der auf so tragische Weise umgekommene französische Handelsminister Bokanowskiwar Jude und hat bei verschiedenen Gelegenheiten — so auch vor einigen Monaten in einem Interview mit dem ITA-Vertreter anläßlich seiner Reise nach Algier — zum Ausdruck gebracht, daß er treu dem jüdischen Glauben anhängt und stolz sei, von einer Gemeinschaft abzustammen und ihr anzugehören, die der Welt so hohe ethische Werte vermittelt hat. Judenpogrom in Litauen. Nach Blättermeldungen aus Kowno fand am 6. d. M. in der kleinen litauischen Stadt W i 1 k o w y s z k i ein Judenpogrom statt. Die ganze Aktion wurde von der f a scisti sehen Organisation „Eiserner Wolf" (R i 11 e r b r i g a d e) durchgeführt. Die Pogromisten unter der Führung des Oberst Grigolunas-Glowacki überfielen nachts die dortige jüdische Bevölkerung, schändeten die Frauen und schlugen blind auf die Passanten ein. Das dortige' Spital ist mit Schwer verwundeten überfüllt. Die Polizei hat jede Intervention unterlassen. Festgottesdienst. Der Leopoldstädter Krankenunterstützungsverein „Nächstenliebe" (II., Große Stadtgutgasse 34), veranstaltet zugunsten seiner humanitären Institutionen, wie alljährlich, auch heuer anläßlich der hohen Feiertage im „Bayrischen Hof". Wien II., Obere Augartenstraße 5, einen feierlichen Gottesdienst. Der Verkauf der restlichen Karten findet im Bethause statt. Trauung. Sonntag, den 9. September, fand im festlich beleuchteten Seitenstettentempel die Trauung des Fräulein Lisi Löwy, Tochter des Herrn Kommerzialrat Gustav Löwy und seiner Gattin Else, mit Herrn Hermann K n o 11 unter großer Beteiligung der zahlreichen Freunde und Verehrer der beiden Häuser statt. Unter den Anwesenden bemerkte man den Präsidenten der „Union deutschösterreichischen Juden" Dr. Jakob O r n s t e i n, für die Bürgerlich-Demokratische Partei die Herren Bezirksrat Dr. Koloman F r e u d e r und Oberstleutnant Rudolf B r u n n e r, zahlreiche Vorstandsmitglieder der Ortsgruppe Leopoldstadt der Partei, ferner Dr. Rudolf Schwarz-Hiller u. v. a. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. J. M. Bach, der die hervorragenden jüdischen Tugenden der Elternhäuser in treffender Weise hervorhob. Die kantorale Funktion versah Oberkantor H. Fischer. Silberne Hochzeit Herr Johann Hof bau er, Baden bei bei Wien, feierte vor kurzem im engsten Familienkreise mit seiner Gattin Bertha, geb. Deutsch, die silberne Hochzeit. Amtsjubiläum, Am 15. September werden es 35 Jahre, seitdem Herr Markus Stengel in den Diensten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde als Religionslehrer eingetreten ist. Stengel ist nicht bloß ein ausgezeichneter Pädagoge, sondern auch der Schöpfer der in Wien und zahlreichen Städten eingeführten hebräischen Fibel und wurde hierdurch der Wegweiser aller jüdischen Kinder, die in die für die Verhältnis der Großstadt so schwere Disziplin des hebräischen Unterrichtes eingeführt werden sollen. Schon vor vielen Jahren haben wir uns an den Blüten seiner Poesie erfreut, und hat uns der Jubilar mit einer Anzahl ganz ausge- Bei Stuhlverstopfung, Verdauungsstörungen. Magenbrennen, Wallungen, Kopfschmerzen, allgemeinem Unbehagen nehme man früh nüchtern ein Glas natürliches ..Franz-Josef"- Bitterwasser. Nach den an den Kliniken für innere Krankheiten gesammelten Erfahrungen ist das Franz-Josef-Wasser ein äußerst wohltuendes Abführmittel. (Entgeltlich.) Illllllllllllüllllillllül! DIE WAHRHEIT zeichneter Gedichte beschenkt. Die Jugendfrische, Agilität des jugendlichen Jubilars bestärkt uns in der Hoffnung, daß er sich noch viele Jahre in ungetrübter Gesundheit dem jüdischen Erziehungswerke widmen wird. Seinem bescheidenen Wesen entspricht der Wunsch, dieses Jubiläum in aller Stille zu begehen; doch können weder seine Vorgesetzten noch seine Kollegen, die in der Fachsektion der Religionslehrer der Kultusgemeinde mit ihm vereinigt sind, es unterlassen, ihm an diesem Tage zu sagen, wie sehr sie ihn hochschätzen und wie sehr sie an seiner Freude teilnehmen. 70. Geburtstag. Die im weitesten Kreise, namentlich aber in den westlichen Bezirken Mariahilf und Neubau, bekannte und beliebte Religionslehrerin Frau Mathilde Popper feiert am 12. September ihren 70. Geburtstag, in geistiger und körperlicher Frische. Viele Generationen verdanken dieser ausgezeichneten Lehrerin ihre religiöse Erziehung und vereinigen sich sicherlich mit uns an diesem Tage in den herzlichen Wunsch, daß eine gütige Vorsehung ihr noch viele viele Jahre ihre Lebensfreude in ungeschwächtem Maße erhalten möge. „Jüdische Frechheit." In der Ortschaft Darabani (Rumänien) fand vor kurzem ein Fest statt, dessen Reinerträgnis der dortigen Volksschule zufiel. Da die jüdische Bevölkerung von Darabani zum materiellen Erträgnis des Festes in hohem Maße beitrug, hielt es der Direktor der Schule für geboten, den Juden aus diesem Anlaß besonderen Dank auszusprechen. Dies paßte aber den Cuzisten nicht in den Kram und so bezeichnete eine cuzistische Zeitschrift dieses Vorgehen der Juden als unerhörte Frechheit. Nationalsozialisten bitten Juden um Entschuldigung. Vor einigen Tagen wurde in dem Städtchen Fulnek in Mähren eine Tagung der deutschen nationalsozialistischen Partei in der Tschechoslowakei1 abgehalten, zu der auch als Vertreter Hitlers der Abgeordnete Strasser aus München erschienen war. Am Abend des Eröffnungstages fand ein Umzug statt. Da einige Häuser der Stadt, in denen jüdische Familien wohnen, nicht illuminiert waren, wurden aus der Mitte des Festzuges gegen die jüdische Bevölkerung die pöbelhaftesten Beschimpfungen geschleudert. Zu erwähnen ist. daß die nationalsozialistische Partei zuvor bei den Juden der Stadt Geld für ihre Veranstaltung gesammelt hatte! Um die unter der Judenschaft der Stadt wegen der nationalsozialistischen Pöbeleien herrschende Empörung zu beschwichtigen, richtete der Bürgermeister der Stadt, der Nationalsozialist Schubert, ein Schreiben an die. Judenschaft, in dem er feststellt, daß die Partei den Vorkommnissen vollkommen fernstehe, sie nicht billigt und bei der Leitung des Jugendbundes Beschwerde erhoben hat. „Ich brauche erst nicht zu betonen", heißt es in dem Schreiben weiter, „daß ich die Ereignisse bedaurc und in aller Form um Entschuldigung bitte." Ein jüdischer Kandidat für den Gouverneurposten in New York. Innerhalb der demokratischen Partei des Staates New York ist man entschlossen, für den Fall, daß der jetzige populäre Gouverneur von New York AI Smith zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird, den Obersten Herbert Lehmann als Kandidaten der demokratischen Partei für den Gouverneurposten des Staates New York zu nominieren. Herbert Lehmann, 1878 in New York geboren, ist einer der Führer der. jiMischen sozialen Hilfstätigkeit in Amerika, er ist einer der Vizepräsidenten des Joint Distribution Committee, Vorstandsmitglied des Komitees für Kinderfürsorge und führendes Mitglied zahlreicher anderer jüdischer Wohlfahrtsorganisationen. Er besuchte das Williams College, erhielt 1899 Offiziersrang, wurde im Kriege 1917 Major und nahm als Oberst Abschied vom Heere. Äie näcfiste Hummer unseres föfattes erscheint wegen der £eierfa£e ffreirfog, den 28. September 3>ic vorliegende Doppefnummer ist 32 Letten stmfi mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmammmmm