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Die Wahrheit · 1928-09-07 · Heft 36 (7.9.1928) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 36 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DIE WAHRHEIT luuuiuuuuuuuuioinn«^ Seite 13 «t***"' T&mrt und Literatiu? Im Carl-Theater (Direktor Emil Bierisch) gastiert zurzeit das bekannte Moskauer Jüdisch-Akademische Theater unter Leitung von Alois Granowsky. Als Eröffnungsvorstellung wurde die musikalische Komödie „200.000", frei nach S c h o 1 e m A1 e i c h e m, gewählt. Das Ensemble überrascht durch seine Eigenart. Es wäre verfehlt, diese als jüdisch zu bezeichnen, es sind mehr russische Vorbilder, am die sich Granowsky, wenn auch aus ESgenem vD&l hinzugebend, anlehnt. Insbesondere an Tairoffs Truppe wird man erinnert, wenn man diese 40 Menschen mit einer nervösen Hast agkiren sieht, die den Zuschauer oft irritiert. Dennoch, gibt es in diesem ganz aufeinander eingestellten Ensemble Künstler, die über das alltägliche Maß' hinaulsredchen!. Micihofls und Suskin geV hören dazu. Alle anderen stechen weniiger hervor, was nicht Wunder nimmt, denn hier Ist nicht der Einzeldarsteller Mittelpunkt der Handlung, sondern die Masse, die eifrig mitarbeitet, wenn der Einzelne spricht, sängt oder tanzt. Dadurch wird das Auge und Ohr vom Einzelnen abgelenkt und nur der Gesamteindruck bleibt. Besonders hervorzuheben Dät die hübsche Musik von Leo Pulver, die besonders in ilhren Anklängen an jüdische Volkslieder sehr schön wirkt. Alles in allem, ein Ensemble, das vielleicht durch die Uebertriebenheit der Darsts'lung und Regie befrcmdelt, aber doch auch dem Wiener Publikum manches zu bieten weiß, was gefallen kann. O. H. R. T. Herford. Die Pharisäer, übersetzt von W. F i s c h e 1, Leipzig 1928, Gust. Engel. Das Buch zeigt alle Vorzüge der früheren Arbeiten des Verfassers. Tief eindringende Beherrschung des Stoffes, übersichtliche Darstellung, durch Antithesen scharf herausgearbeitete Unterscheidung zwischen Judentum und Christentum, strenge Objektivität. Den Zeitpunkt, in dem sich Pharisäer und Sadduzäer von einander schieden, sucht Herford hier genauer zu bestimmen. Die ersteren waren keine politische Partei, sondern die Fortbildncr der Thora. die den Geist über den Buchstaben stellten. Durch die Taufe hätten die Juden von weltlichem Gesichtspunkte aus alles, vom geistigen nichts gewonnen. Das Judentum stellt die Erfüllung des göttlichen Willens dem Glauben voraus, das Christentum umgekehrt. Wenn die Kirche mit Sündern so verfahren wäre wie mit Ketzern, wäre ihre Geschichte eine ganz andere geworden. Nichts hat für den Aufschwung der Menschheit so viel geleistet wie die Synagoge, die im babylonischen Exil entstanden sein dürfte. Alles berührt die Hs^gada, ohne je obszön zu werden. Beides, Judentum und Christentum, ist der Menschheit unentbehrlich. Die Welt wird einst für diese Erkenntnis reif werden. G. Studies in ancient and modern Judaism (Studium zum alten und modernen Judentum), New York 1928, George Dobsevage. Ein liebenswürdiger Mensch, ein großer Gelehrter, Kanzelredner und Menschenfreund gibt sich uns in diesen gesammelten Aufsätzen zu erkennen. Rabbi Isidor Kaiisch (1816—1886). ihr Verfasser, hat seine Ausbildung in Deutschland erhalten, sprach und schrieb mit Vorliebe deutsch, obzwar er früh nach Amerika versetzt wurde, wo er in mehreren Gemeinden Rabbiner war. Er war ganz der Reform ergeben, für die er mit aller Macht der Ueberzeugung eintrat, und Ueberzeugung war bei ihm kein bloßes Wort, denn er war eine wirklich gläubige Seele und konnte den Unglauben, der sich in der Maske der Reform verbarg, fanatisch verfolgen. Er hielt die talmudischen Satzungen nicht für verbindlich, aber den Talmud selbt hielt er für ein großartiges Erzeugnis des jüdischen Geistes, für das er mit aller Macht eintrat: so sind auch im vorliegenden Bande nicht weniger als vier Aufsätze der Verteidigung des Talmuds gewidmet. Er konnte es auch nicht dulden, daß man das Christentum über das Judentum stellte. Er ging in seinem edlen Kampfe für das Judentum so weit, daß er 1858 den Präsidenten der Vereinigten Staaten, der sich in einer Begrüßung der Königin Viktoria von England der Wendung „alle Nationen des Christentums" bediente, brieflich zur Rede stellte und den Präsidenten quasi veranlaßte, den Ausdruck zu entschuldigen. Sehr gerühmt wird sein 1853 erschienenes Werk „Wegweiser für rationelle Forschungen in den Biblischen Schriften", das mehrere Auflagen erlebte und .auch ins Englische übersetzt wurde. Das alles und weit mehr erfahren wir aus der f>0 Seiten starken Biographie, die dem Bande vorangeht und die von dem Sohne des längst Dahingeschiedenen in pietätvoller Erinnerung geschrieben wurde; der Sohn, Samuel Kaiisch, ist Richter am obersten Gerichtshof eines Staates der Union, und man sieht aus dem Buche, daß der Sohn des Reformrabbi dem Judentum ebenso treu dient als seinerzeit der Vater. Das Vorwort rührt von Josua Bloch her, der der Chef der jüdischen Abteilung der öffentlichen Bibliothek in New York ist. Zu Wien hatte Rabbi Kalischer insoferne Beziehungen, als er einige Artikel hebräisch in dem Wiener „Beth Talmud" erscheinen ließ. In all den Zügen, die hier vorgebracht wurden, erinnert der Mann lebhaft an Abraham Geiger, und es hätte nicht geschadet, dies noch in dem Buche zu vermerken. Samuel Krauß. K. Kornitzer, Dr. Gerda Mertens. Leipzig 1928, Hesse und Becker, M. 4. Eine Tendenzschrift, aber eine von denen, die darum als solche wirken, weil sie auch ohne dieses praktische Ziel an sich als Kunstwerk zu fesseln wissen. Wer die Jugend, insbesondere die Mädchen der Nachkriegszeit verstehen und ihr gerecht werden will, wird zu dieser Lektüre zu greifen gut tun. Den Schluß bildet die Erkenntnis, d:'l'. tvcli allern bunten und wilden Stürmen und Dr.'iü^t •; die!;;»n'i■■■■um '■. auf ehrliche Neigung begründete Ehe doch die wahre Bestimmung für Mann wie Weib ist. So ist diese „Geschichte eines jungen Mädchens" die unserer Gegenwart mit trostreichem Ausblick in die Zukunft. G. Geschäftseröffnung. Freitag, den 31. August wurde das bestbekannte Restaurant Gustav Neugröschl, iL, Lilienbrunngasse 12 (Tel. R 44-2-87). nach vollständiger Neurenovierung wieder eröffnet. Das beliebte Restaurant, in dem Speisen nur ä la carte verabreicht werden, erfreut sich wegen seiner erstklassigen Küche und glänzenden Bedienung regen Zuspruches. Zu Rosch - Haschonoh gratulieren Sie allen Ihren Verwandten, Freunden, Bekannten, Kunden und Gästen in dei Neujahrstestnummei der WAHRHEIT if ff Sie ersparen damit Mühe. Porto und Zeitaufwand 1 Da im vorigen Jahre infolge verspäteten Einlangens viele Auttiäge keinen Raum mehr finden konnten, bitten wir, uns die geschätzten Aufträge sofort zu erteilen. Muster: Anläßlich des Rosch-Haschonoh-Festes entbieten hier, mit ihren Verwandten und Freunden die herzlichsten Glückwünsche (Einfaches Feld) Eugen Rottmaiiit und Familie III., Marxergasse 6 Ausschneiden! Bestellschein An die Administration „DIE WAHRHEIT", Wien I!., Heinestraße 13 Ich bestelle hiermit einen Rosch-Haschonoh-Glückwunsch a) Einfaches Feld zum Preise von S 6"— b) Doppelfeld zum Preise von S 12 — Textangabe:................................................................... Unterschrift feil

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