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Die Wahrheit · 1928-09-07 · Heft 36 (7.9.1928) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 36 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT inwiitnninM^ gelte Ii „ Schir Zion" und Franz Schubert. Von M. Langfelder. Gar wenige der Millionen Verehrer des größten deutschen Liederfürsten werden es wissen, daß ihn einst die treueste Freundschaft mit einem hochgebildeten Juden verband, daß der Oberkantor der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, einer der ersten Interpreten und Sänger der Lieder von Franz Schubert war. Der herrliche Bariton Solomon S ul z e r s konnte sich so recht in den Tonschöpfungen Franz Schuberts ausleben. Einer der feinsten Musikkenner des damaligen Wien, ein virtuoser Geiger, der unglückliche Dichter Nikolaus Lenau schrieb an seinen Freund Ludwig August Fr an kl: „So hörte ich heute abends den Vorsänger der hiesigen Synagoge, Sulzer, der wahrscheinlich die schönste Stimme in ganz Deutschland hat!" Auch Erzbischof P y r k e r, der feinsinnige Dichter der „Rudolfias", schätzte den glänzenden Bariton Sulzer über alles. Oft und oft verbarg eine Säule des Seitenstettentempels den lauschenden Kirchenfürsten. Und mehr als einmal geschah es dann, daß der Erzbischof den Raum und alles vergaß und den Sänger stürmisch umarmte. Als Salomon S u 1 z e r sein unvergängliches, minumentales Werk „Schir Z i o n" schuf, das alle gottesdienstlichen Gesänge der Israeliten vereinte, da war es der junge Schullehrer vom Aisergrund. Franz Schubert, der Sulzer helfend zur Seite stand. Einen herrlichen Psalm, den 92., komponierte Franz Schubert für „Schir Zion" und widmete ihn in dankbarer Anerkennung für den unvergeßlichen Vortrag Schubertscher Lieder dem Oberkantor Salomon Sulzer. So wurde dieser Psalm nicht nur ein kunsthistorisches Denkmal, sondern auch ein historischer Beweis, daß es einst treue Freundschaft zwischen Juden und Christen gab. In dem Jahresbericht des Wiener Männer- Gesangvereines von 1873 heißt es: „Am 31. März feierte der Oberkantor der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Herr S. Sulzer, sein 70. Geburtsfest. Sulzer, ein Zeitgenosse Franz Schuberts, brachte dessen Lieder, lang ehe sie Gemeingut geworden, durch seinen vorzüglichen Vortrag zur Geltung!" Und als Salomon Sulzer sein vierzigjähriges Amtsjubiläum feierte, da sprach die Burgtheater- Schauspielerin Zerline G a b i 11 o n ein von S. H. M o s e n t h a 1 verfaßtes Huldigungsgedicht: Wer gab wie er Franz Schuberts Weisen wieder, Der nur durch ihn so deutungsvoll erklang! Den „Morgengruß" sang er zum Säugling nieder! „Wohin" rief er dem Jüngling bang? Der Braut sang er „Rastlose Liebe" - Lieder, Den Greis einlullend sang er „Schwanengesang", Des Freundes Grab selbst schmückten seine Töne Dort sang er leis' dem „Wanderer" die Töne. ItbMutonreB&v Der 70. Geburtstag des Bundespräsidenten. Der Kabinettsdirektor des Bundespräsidenten Dr. Michael H a in i s ch hat in dessen Auftrag an das Präsidium der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde folgendes herzliche Dankschreiben für deren Glückwünsche gerichtet: Sehr geehrter Herr Präsident! Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat den Herrn Bundespräsidenten anläßlich seines 70. Geburtstages eine künstlerisch ausgeführte und besonders vornehm ausgestattete Glückwunschadresse gewidmet, über die sich der Herr Bundespräsident besonders gefreut hat. Ihr Vorstand hat überaus herzliche Worte gefunden, um dem österreichischen Staatsoberhaupt neuerlich die Treue der Wiener .Tudenschaft zur österreichischen Republik und ihre loyale Gesinnung zum Ausdruck zu bringen. Der Herr Bundespräsident hat mich beauftragt. Ihnen für diesen Beweis Ihrer Anhänglichkeit an das Vaterland und Ihres Interesses für seine Person seinen aufrichtigtsen und verbindlichsten Dank zu übermitteln. Insbesondere hat es den Herrn Bundespräsidenten erfreut, daß Sie auch seiner von ihm so sehr verehrten Mutter in Ihrer Adresse Erwähnung getan haben. Der Herr Bundespräsident wird Ihre Glückwunfcchadresse als ein dauerndes Zeichen der Erinnerung an seinen 70. Geburtstag, der infolge der vielen Aufmerksamkeiten, die Ihm erwiesen worden sind, wirklich ein Freudentag für ihn war, stets in Ehren halten. Empfangen Sie, sehr geehrter Herr Präsident, den Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung Ihr stets sehr ergebener Löwenthal m. p. Die Religion im Meldezettel. Wiederholt wurde bereits, insbesondere von Ausländern, darüber Beschwerde geführt, daß bei Ausfüllung des Meldezettels in den österreichischen Hotels die Rubrik „Religion" merkwürdig berühre. Von dem zuständigen Polizeireferenten wird hierzu der „Wiener Mittags-Zeitung" folgendes mitgeteilt: „Es ist wohl richtig, daß der Meldezettel noch die Rubrik „Religion" enthält, doch ist dies beispielsweise damit begründet, daß man b e i einem etwaigenplötzlichenAbleben des Fremden se ine Re Ii gi on für die Disposition für das Begräbnis kennen m u ß. Die Kriminalbeamten machen aber nie eine Affäre daraus, wenn ein Hotelgast die Rubrik „Religion" überhaupt nicht oder falsch ausfüllt. Der Tatbestand des gerichtlich zu ahndenden Deliktes der Falschmeldung ist in einem solchen Falle wohl zweifellos gegeben, doch erstattet die Polizei keine .! I Dr. med. Ernst Adler Dr. phil. Regine Adler geb. Kapeller empfehlen sich als Vermählte Wien, im September 1928 IL, Heinestraße 34

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