Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 36 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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esiismuf- '&fi&MZiM±iit&r«*i wfe Seite $ flllliniiMHliiinitfflllH'«™'™^^ nimiiouiiiiHu DIE WAHRH£f1 jüdischen Massen unter der verhängnisvollen Zweiteilung in Orthodoxie und Atheismus schmachten. Interessant ist die Feststellung, daß zwischen der politischen und religiösen Einstellung der polnischen Juden ein gewisser Parallelismus besteht: die strenggläubigen Orthodoxen sind vollkommen unpolitisch und regierungstreu, während die Bundisten" (jüdische Sozialdemokraten) und Kommunisten, deren Reihen in den Großstädten infolge der fortschreitenden Proletarisierung der jüdischen Massen sich immer dichter füllen, fast ausschließlich ihren politischen Zielen leben und die Religion als störenden, überwundenen Ballast immer mehr zur Seite schieben; eine schwache, mittlere Linie zwischen Orthodoxie und Atheismus finden wir sporadisch bei gewissen Kreisen einer dünnen Oberschichte von wohlhabenden Bürgern, Großkaufleuten, Industriellen und höheren Beamten, bei denen man zuweilen einem gewissen Bedürfnis und Verständnis für religiös-liberale Betätigung und Lebensweise begegnet. Die politische Gruppe der „Volkisten" (Volkspartei) und der „Demokratischen Volkspartei", die sich vorwiegend auf Wilna, Warschau und Lodz verteilen, bagatellisieren fast durchwegs die Religion zugunsten der von ihnen propagierten jüdischen, eigentlich „jiddischen" Kultur auf Grundlage des Jargons, ja, sie sind zum größten Teil atheistisch. Die Zionisten, die sich aus allen Volksschichten zusammensetzen, werden von den ihnen zahlenmäßig weit überlegenen Orthodoxen heftig bekämpft. Die in Polen sehr starken Organisationen der Agudah erblicken mit Recht in dem von den Zionisten betonten Vorrang des Nationalistischen gegenüber dem Religiösen eine große Gefahr für die Erhaltung des Judentums als Träger eines Religionsgedankens. Alles in allem: Polen, das größte Reservoir des zum Teil noch stark urwüchsigen Judentums ganz Europas, zeigt in religiöser Hinsicht ein Zerrbild trostloser Zerrissenheit und krassester Gegensätze: auf der einen Seite noch mittelalterliche religiöse Formen, ja bisweilen Fanatismus, Aufklärungs- und Bildungsfeindlichkeit, und auf der anderen Seite ein völliger Verfall des religiösen Lebens, ja Antireligiosität, wie sie insbesondere Bundisten und Kommunisten eigen ist. Diese zwei Richtungen leben ohne gegenseitiges Verständnis nebeneinander und gegeneinander. Die mittlere Linie fehlt und das kleine, völlig desorganisierte Häuflein neologer Richtung segelt zwischen Scylla und Charybdis und spielt lediglich die Rolle eines Predigers in der Wüste. Diese religiösen Abnormitäten bergen große Gefahren für das Judentum Polens in sich und hier einzugreifen, wäre höchste Pflicht aller Freunde der Erhaltung der Religion — aber auch höchste Zeit. Auf Schlesien als Spezialthema übergehend, würdigt dann der Referent die dort herrschenden bedeutend erfreulicheren religiösen Verhältnisse, die durch einen traditionsreichen, ja geradezu konservativ erstarrten Liberallismus charakterisiert sind; an Hand einer anschaulichen Schilderung der hochkulturellen religiösen Lebensformen und religiös-sozialen Institutionen wird veranschaulicht, daß Schlesien und insbesondere Bielitz, das im alten Oesterreich Wegweiser im religiösen Liberalismus war, sozusagen eine kleine Oase in der großen polnischen Wüste des Atheismus und der Orthodoxie bilde. Hinsichtlich Posens und Westpreußens führt der interessante Bericht aus: „Ein trauriges Los hat die Juden Posens und Westpreußens ereilt. Mit dem Umsturz im Jahre 1918 setzte für das Posener und westpreußische Judentum eine Epoche ständigen Niederganges ein. Das ganze Posener Land, früher die mächtigste Kraftquelle, aus der das geistige und religiöse Judentum Deutschlands schöpfte — Posen hat den deutschen Juden die hervorragendsten Persönlichkeiten auf dem Gebiete der Wissenschaft und Wirtschaft und die größten Geister geschenkt — stellt einen einzigen großen Trümmerhaufen dar, unter dem die einst so blühenden religiösen und geistigen Pflegestätten und Einrichtungen begraben liegen. Altehrwürdige Gemeinden — man denke nur an Posen- Stadt, Kempen, Hohensalzä u. a. m. — sind so gut wie von Juden entblößt, die Synagogen zum größten Teil geschlossen, die jüdischen Gemeinden teils aufgelöst, teils noch in Liquidation. Für dieses einst so judenreiche Gebiet fungiert ein einziger Rabbiner mit dem Sitz in Posen-Stadt, dem die traurige Rolle des Liquidators der jüdischen Gemeinwesen zufällt. An die Stelle der westlich orientierten bodenständigen Juden, die fast ganz nach Deutschland abgewandert sind, rücken jetzt immer mehr Ostjuden aus Kongreßpolen und Galizien nach, die die religiösen Lebens- und Betätigungsformen ihrer östlichen Heimatländer dorthin verpflanzen. Die winzige Schar zurückgebliebener bodenständiger Juden gehört durchwegs der liberalen Richtung an, doch kommt diese verschwindend kleine Minorität überhaupt nicht zur Geltung. In Kürze werden diese Gebiete zur völligen Bedeutungslosigkeit für das geistige und religiöse Leben des Judentums in Polen herabgesunken sein. Der Schwerpunkt künftiger religiöser Strömungen und Entwicklungen bleibt in Kongreßpolen und Galizien. SEM ME RING \ Pension Hirsch, Fürstenhof s auch während der hohen Feiertage geöffnet B Minjan Im Hause ■ ^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■HaBBBBBBB| 8 KleiderkreditZahlbar £££alb clneB " ■ Sämtliche Herren« und Damenkleider m Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. 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