Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 36 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DHE WAHRHEIT ili!lillliii!lli!lll!l!iliilllMIHIIIIIUIUfM Seite 1 zu verzögern, aber die feste Absicht nicht erschüttern konnten, mit allen Krähen dem berechtigten Verlangen der Gemeindemditglieder nach endlichem Ausbau des neuen Friedhofes in würdiger und zweckdienlicher Form ehestmöglich zu entsprechen. In detr Plenarsitzung vom 6. Mai 1926 konnte der Obmann des SpezialkomJtees, Baurat Ing. Wilhelm K e m p 1 e r, nachdem er einen Ueberblick über die chronologische Entwicklung der ganzen Angelegenheit seit dem Jahre 1911 und den derzeitigen Stand des Projektes gegeben haltte, berichten, daß nach neuerlichen Prüfungen der Gesamitauf wand für die Durchführung S 1,800.000.— erfordern werde, daß aus dem seit Jahren gesammelten „Friedhoferwerbungis- und ErweJterungsfond" samt Zinsen nunmehr 'eine Gesamtsumme von S 925.000.— zur Verfügung stünde, welcher Beitrag im Laufe der zirka zweijährigen Bauzeit durch weitere Dotierungen aus den Einnahmen für Graft- und Grabstellen eine Erhöhung um etwas S 300.000.— erfahren werde, so daß sich noch ein Fehlbetrag bis ungefähr S 500.000— bis S 600.000.— ergebe. Wegen Erlangung dieses Betrages im Wege eines Kredites bei der „Zentralsparkasse der Stadt Wien" seien aussichtsreiche Verhandlungen geführt worden, so daß nunmehr das Projekt in finanzieller Beziehung gesichert erscheine. Im Einvernehmen mit der Spezialkommision und der Finanzkommission stellte der Referent den Antrag, den Bau nunmehr im Sinne des Beschlusses des Ventreterkollegiums vom 15. Jänner 1926 zur Durchführung zu bringen. Mit den Stimmen sämtlicher anwesenden 35 Mitglieder des Kultusvorstandes wurdic der Referentenantrag zum Beschlüsse erhoben. Der Vorsitzende, Präsident Professor Dr. Alois Pick, knüpfte an diesen Beschluß folgende Ausführungen: „Mit diesem Beschlüsse schreiten wir an die Ausführung eines Werkes, dessen Notwendigkeit schon seit langem bekannt war. Jeder, der die Verhältnisse auf dem Neuen Friedhofe kennt, wird zugeben, daß die Lokalitäten dortselbt vollkommen ungeeignet sind und Gefühle der Pietät verletzt werden, durch die derzeit dort herrschenden Zustände. Wir gehen daran, ein Werk zu schaffen, das nicht nur für uns alle, sondern auch für die Nachkommen von höchster Bedeutung sein wird, zum Nutzen und Frommen unserer Gemeinde. Ich erfülle eine angenehme Pflicht, wenn ich all jenen Herren des Kultusvorstandes, die in den Kommissionen in so hervorragender Weise an dem Zustandekommen des Projektes bisher so erfolgreich mitgewirkt haben, insbesondere den Herren Baurait Kempler, Baurat Doktor Kar plus und dem Finanzreferenten Regierungsrat Doktor Oppenheim, den besten, wärmsten Dank schon heute für ihre bisherige Mitwirkung zum Ausdruck bringen. Wir wollen 'Hoffen und wünschen, daß das Werk auch zu einem schönen Ende gebracht wird." Allgemeiner Beifall schloß sich diesen Worten an. Auf ürur.d der vorgelegten Pläne und der' stattgehabten Kommissionierungen war die Baubewilligung seitens des Magistrates der Stadt Wien berabgelangt. Das Technische Amlt der israelitischen Kultusgemeiinde, welches die umfangreichen und mühevollen Detailarbeiten für die Ausschreibung und Vergebung der einzelnen Herstellungen und Lieferungen geleistet hatte, wurde mit der Bauleitung betraut und in der Person des Herrn Ing. Franz Bohdan e t z k y ein örtlicher Bauleiter bestellt. Der Vizepräsident der Kultusgemetinde, Dr. Jakob Ornstein, hatte es übernommen, jeden einzelnen der vielen Vertragsentwürfe in juristischer Beziehung zu approbieren, während der Obmann der Spezialkornmissiion, Baurat Ing. Wilhelm Kempler und in dessen zeitweiliger Vertretung, das Kommissiionsmitglted, Baurat Dr. techn. Arnold K a r p 1 u s, die Prüfung und Anweisung aller vom technischen Amte zur Liquidierung vorgelegten, auf den Bau bezüglichen Abrechnungen übernahmen. Am 21. Juni 1926 wurde mit dem Bau begonnen. Am 22. Dezember 1926 war die Dachgleiche erreicht. In der herkömmlichen Weise hat die Israelitische Kultusgemeinde als Bauherr an diesem Tage sämtliche auf dem Bau beschäftigten Organe und Arbeiter mit Remunerationen bedacht Während der ganzen Dauer der Bauführung war keinerlei Unfall zu verzeichnen, durch welchen Menschenleben zu Schaden gekommen oder auch nur gefährdet gewesen wären. Ohne irgend welche Unstimmigkeiten zwischen Arbedlgebern und Arbeitnehmern wurde das Werk, zu dessen Gelingen beizutragen sich alle Beteiligten mit ganzer Kraft und bestem Willen bemühten, zu einem glücklichen Ende gebracht. * .j. * Die feierliche Eröffnung der neuen Zeremonienhalle, zu der aus Raumgründen nur die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, sowie der jüdischen Organisationen geladen werden konnten, findet Sonntag, den 9. September ...................................... : Streng orthodox m Gefliiselhnndluns \ ■ unter Aufsicht des Ehrw.Rabbinates Adas Israel(Schiffschul) 5 | Zu jeder Tageszeit j > frisch gebratene Gansl s B Ungarisches MastgeflUgel von bester Qualität! ■ [ Emanuel Schlesinger | ■ Wien II., Große Schiffgasse 5 ■ ■ Tel. R 40-5-90 Tel. R 40 5-90 £ ^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■«■n 1928. vormittags, statt. Vom Montag, den 10. bis Freitag, den 14. September finden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags Führungen unter sachkundiger Leitung für alle interessierten Gemeindemitglieder statt Die religiösen Verhältnisse bei den Juden Polens. Der Stand des religiösen Liberalismus. Von Dr. Fritz S e i f t e r. Berlin-Bielitz, Ende Ausust. Auf der letztens in Berlin stattgefundenen zweiten Weltkonferenz liberaler Juden hat der ehrenamtliche Sekretär der „Union demokratischer Juden Polnisch-Schlesiens", Herr Dr. Fritz S e i f t e r aus Bielitz, einen mit großem Interesse und starkem Beifall aufgenommenen Vortrag über obiges Thema unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse Westpolens gehalten; wir entnehmen diesem von der Exekutive des Weltverbandes in deutscher und englischer Sprache abgedruckten Bericht nachstehende interessante Stellen. Die Red. Mit fast drei Millionen jüdischer Einwohner ist Polen das judenreichste Land ganz Europas (Rußland hat nur 2,8 Millionen). Es leuchtet daher auf den ersten Blick ein, daß die religiösen Verhältnisse gerade dieses Staates die größte Beachtung verdienen, da hier in Zukunft voraussichtlich der Schwerpunkt religiöser Entwicklungen und Kämpfe liegen dürfte. In Polen hat die Orthodoxie ihre stärkste Position inne und der hier unausbleibliche Wandlungsprozeß wird für die Zukunftsgestaltung der jüdischen Religion von größter Bedeutung sein. Die religiösen Verhältnisse bei den Juden in den drei Teilgebieten, die infolge ihrer früheren Zugehörigkeit zu verschiedenen Staaten schon an sich stark divergierende Kulturen aufweisen, werden zwangsläufig auch durch krasse Gegensätze in ihren religiösen Anschauungen und Lebensformen charakterisiert. Der kongreßpolnische Jude ist durchschnittlich entweder ein im Dunkel des Sohar und Kabbalah herumtastender religiöser Schwärmer, respektive in etwas gemilderter Form, starrer Orthodoxe oder — er huldigt dem Atheismus; dieselben Erscheinungen treffen in großen Zügen auch für die Juden Oaliziens zu, während in Polnisch- Schlesien und Posen, soweit die fortschrittlichbodenständige Judenschaft in Frage kommt, religiöser Liberalismus vorherrschend ist. Allerdings verteilt sich gerade auf diese von westeuropäischem Geiste durchhauchten Gebiete nur ein geringer Bruchteil des gesamten polnischen Judentums (etwa 1 Prozent, das sind 30.000), während die großen