Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 36 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 a;iiiii;iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiitiiiiiiiiiiiw QI£ WAHRHEH alles geschieht in allseitigem Einverständnis. Was liegt auch daran? Nicht das Unter- oder Nebeneinanderbegrabenwerden wird den Friedenstempel aufrichten, indem eine Religion, die Liebe, alle Menschen vereint und das Psalmwort verwirklicht: „Siehe, wie schön und wie lieblich ist es. wenn Brüder zusammenwohnen!" Lassen wir denn alles, was jetzt die Menschen mehr als je entzweit, Haß, Feindschaft und Krieg auf den alten Friedhöfen für immer begraben sein und weihen wir diesen neuen mit dem Ausdruck der Hoffnung ein, daß die heißersehnte Zukunft allgemeinen Friedens bald zur Gegenwart werde, dann werden wir mit den Schlußworten des Weihepsalms ausrufen können: „Du hat meine Trauer in Fröhlichkeit verwandelt, du hast mein härenes Gewand gelöst und mich mit Freude umgürtet." Amen. Weiter währte der Krieg und als er zu Ende ging, folgten die schweren Jahre der großen wirtschaftlichen Not, welche sich in unserer Gemeinde und ihren Institutionen auf das empfindlichste auswirkte. Von Jahr zu Jahr mußte die Kultusgemeinde, deren Mittel durch ihre Aktionen für Kriegsopfer und Notleidende in höchstem Maße in Anspruch genommen waren, ansehnliche Beträge dafür aufwenden, um auf dem neuen israelitischen Friedhofe jeweilig die für das nächste Jahr unbedingt erforderlichen Begräbnisflächen zu erschließen, denn die Mittel für eine rationelle und umfangreichere Durchführung waren nicht aufzubringen. Aber als die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse und damit auch die finanzielle Lage der Kultusgemeinde sich zu bessern begann, hat es der Vorstand der Kultusgemeinde als unabweisbare Pflicht empfunden, die Ausgestaltung des Neuen Israelitischen Friedhofes und ganz besonders die Errichtung der seinerzeit für denselben vorgesehenen Baulichkeiten zur Durchführung zu bringen. Freilich konnte angesichts der geänderten Zeitverhältnisse und der voraussichtlich aufbringbaren Geldmittel nicht mehr an die Ausführung jenes Projektes gedacht werden, welches seinerzeit vom Preisrichterkollegium mit dem ersten Preise bedacht worden war. So wurde denn über Antrag des Mitgliedes des Vertreterkollegiums, Baurat Ing. Wilhelm K e m p 1 e r, in der Sitzung des Vertreterkollegiums vom 7. Februar 1924 beschlossen, ein entsprechend reduziertes Programm für die Errichtung des Zeremoniengebäudes und der Nebenanlagen auf dem Neuen Israelitischen Friedhofe auszuarbeiten, und mittels des Plenarbeschlusses vom 27. März 1924 wurde die Ausschreibung eines Wettbewerbes zwecks Erlangung eines geeigneten Projektes beschlossen. Als Preise wurden ausgesetzt: I. Preis K 20,000.000.—. II. Preis K 15,000.000.— III. Preis K 10,000.000.—. Das Preisrichterkollegium wählte Herrn Architekten Robert O e r 1 e y zu seinem Vorsitzenden. An 92 Architekten war die Einladung zur Teilnahme am Wettbewerbe ergangen. Bis zum Ablauf des Einreichungstermines waren insgesamt 15 Wettbewerbsarbeiten eingelangt. Nach sorgfältiger Prüfung konnte das Preisrichterkollegium zu folgenden einhelligen Beschlüssen gelangen: Der I. Preis von K 20,000.000.— wurde dem Projekte unter dem Kennworte „Beth Hachaim XI", Verfasser Architekt Ignaz Reiser, Wien, der II. Preis von K 15,000.000.— dem Projekte „Am Ende", Verfasser Architekt Wilhelm Oberländer, Wien, Mitarbeiter Architekt Rudolf Sowa, Wien, der III. Preis von K 10,000.000.— dem Projekte „Kultbau". Variante B, Verfasser Architekt Ing. Sigmund Katz. Wien, zuerkannt. Ferner hat das Preisrichterkollegium einhellig beschlossen, dem Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde Wien zu empfehlen, die unter dem Kennworte „Regina" und „5684" eingereichten Projekte (Verfasser Architekt Oblatt, bzw. Architekt Ing. Fritz Reich!) um den Betrag von je K 5,000.000.— anzukaufen. Die Anträge des Preisrichterkollegiums wurden vom Kultusvorstande unter Dankeskundgebungen für die Preisrichter in der Plenarsitzung vom 3. Juli 1924 genehmigt. Ueber Beschluß des Vertreterkollegiums vom 9. Oktober 1924. welchen das Plenum des JAC. MAYER Kleider- und Gummimäntel-Industrie Export nach allen Ländern Zentrale: Wien IL, GlOCkengaSSe 24Tel.R48-4-79 Kultusvorstandes in seiner Sitzung vom 11. Dezember 1924 genehmigte, wurde dem Träger des I. Preises im Wettbewerbe, Herrn Architekten Ignaz Reiser, die Projektverfassung für den Neubau des Zeremoniengebäudes am Neuen Israelitischen Friedhofe übertragen. Schon in seiner ersten nach der Konstituierung abgehaltenen Sitzung — am 26. Jänner 1925 — beschäftigte sich das Plenum des am 9. November 1924 neugewählten Kultusvorstandes in Erkenntnis der Wichtigkeit und Dringlichkeit der Angelegenheit mit dem Neubau des Zeremoniengebäudes auf dem neuen Friedhofe und setzte ein Spezialkomitee ein, welchem die weiteren Durchführungsarbeiten im Rahmen der jeweiligen Beschlüsse des Gesamtvorstandes übertragen wurden. Bei seiner Konstituierung wählte das Komitee Herrn Baurat Ing. Wilhelm K e m p 1 e r zum Vorsitzenden. Unverzüglich nahm das Komitee seine Arbeiten auf und konnte auf Grund seiner vom Vertreterkollegium und Plenum des Kultusvorstandes genehmigten Beschlüsse vom 14. März 1925 Herrn Architekten Reiser zur sofortigen Ausführung der Einreichungspläne gemäß den ihm inzwischen im Sinne der Anträge des Preisrichterkollegiums und unter Bedachtnahme auf finanzielle Erwägungen erteilten Weisungen und zur Vorlage der Pläne an den Kultus vorstand beauftragen. Da die Bauführung in eine Zeit fiel, in welcher die große Arbeitslosigkeit die Massen des Volkes arg bedrängte und die Regierung durch ein besonderes Gesetz bemüht war, die produktive Arbeitslosenfürsorge durch Gewährung von Beiträgen aus Staatsmitteln zu fördern, hatte gemäß den Anträgen des Baukomitees der Kultusvorstand beschlossen, an das Bundes minist erium für soziale Fürsorge wegen Gewährung einer Beihilfe aus dem „Fonds für produktive Arbeitslosenfürsorge" heranzutreten. In der Sitzung vom 4. November 1925 sprach sich das Vertreterkollegdum der Israelitischen Kultusgemeinde auf Grund der Anträge des Spezialkomitee« •und der Finanzkommission grundsätzlich für diie Diirchfüihrung dies Baues des Zeremoniengebäudes mit einem Gesamtkosteniaufwande von S 1,800.000.— aus. Nach den Grundsätzen, welche vom Bundesmiiwsteriuin für soziaile Fürsorge bei den Bewegungen von Beiträgen aus dem „Fonde für produktive Arbeitslosenfürsorgie" gehandhabt zu werden pflegten, wurde auf ein Darlehen von S 750.000.— aus diesem Fonde gegen niedrige Zinsen gerechnet. Die restliche Bausumme sollte aus dem bestehenden und alljährlich aus dem Erlös verkaufter Gruft- und Grabplätze dotierten „Friedhoferwerbuings- und Erweiterungsfond", der damals einschließlich der Zinsen einen Stand von zirka S 750.000.— aufwies, besträttten werden. Die Erwartungen des Kultusvorstandes in bezug auf das Darlehen aus dem „Fond für produktive ATbeitslosenfürsorge" wurden nicht erfüllt: Obwohl der Kultusvorstand bei allen hiefür in Betracht kommenden Instanzen und auch bei dem Herrn Bundesminister für soziale Fürsorge unter Darstellung der dringenden Notwendigkeit der beabsichtigten Bauten auch im öffentlichen Interesse, auf deren (jemiLiinnützigkeit und auch darauf hingewiesen hatte, daß in einer Zeit, in welcher mit Ausnahme der Wohnhausbauten der Gemeinde Wßen fast keine Bautätigkeit in Wien besteht, die Ausführung des beabsiohtiglten Bauwerkes einen sehr wesentlichen Faktor für die Linderung der herrschenden Arbeitslosigkeit bilde, wurde das Ansuchen der Kultusgemeinde abgelehnt. Wie bei all ihren Schöpfungen bis dahin sah sich nun neuerlich die Kultusgemeinde in die Lage versetzt, das begonnene Werk völlig durch eigene Kraft zur Durchführung bringen zu müssen. Im Kultusvorstande herrschte die e i n m ü t i g e Auffassung, daß die Kosten für die beabsichtigten Bauten die laufende Finanzgebarung der Gemeinde nicht berühren, daß insbesondere eine Einschränkung der kulturellen und karisativen Leistungen der Gemeinde aus dem Grunde der Bauführung auf dem neuen Friedhofe keinesfalls platzgreifen dürfe, und daß lediglich die Einnahmen für den Verkauf von Gräbern und Grüften zur Bedeckung der Bausumme dienen müssen. Wieder sah sich der Kultusvorstand vor Schwierigkeiten gestellt, die wohl geeignet waren, die Vollendung des Werkes Auch Detail verkauf zu Fabrikspreisen I Herrenanzug nach Mafi auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ „ „ „ 150.— Herrenhose „ „ „ „ „ 48.— feinst ausgeführt Zeitgemäße Zahlungsbedingungent Kein Kaufzwang I Freie Besichtigungl