Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 36 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT iiiiiiriiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiniiiiw S^ite 3 CENTRALKINO Wien II., TaborstraBe 8 - Tel. R 42-3-41 URAUFFÜHRUNG Fritz Längs größter Film SPIONE Beginn der Vorstellungen: 5, 7 und 9 Uhr Und noch lustiger ist das, was Dr. G1 a n z über den Exodus vom famosen „D e 1 e g i e r t e n t a g" zu sagen weiß. Hier wird die variierte Gretchenfrage: „Wie habt Ihr's mit der Majorität?" aufgeworfen, die auch wir letzthin angeschnitten haben. Hören wir dazu einmal Dr. Glanz: „Wie vollzog sich der Abzug? Mit klingendem Spiel, behauptet die „Jüdische Volkszeiltung". „Der Vorsitzenide, das gesamte Präsidium und der größte Teil der Delegierten verhießen nach der Vertagung den Delegier tem.tag." Aber abgesehen davon, daß das „gesamte Präsidium" vom Gewaltstreich Dr. Baders vorher nichts wußte, zum größten Teil auch zurückblieb, wo in aller Welt ist ein Delegiertentag deswegen auseinandergegangen, wieil Shn „der größte Teil der Delegierten" verließ? Der größte Teil der Delegierten wählt ja bekanntlich die neue Leitung und wenn er nicht einmal „der größte Teil" ist, sondern nur die einfache Majorität, so w ä h 11 er eben und gehtnichtauseinander. Das Zugeständnis, daß sie weggelaufen sind, ist eben das Eingeständnis ihrer beschämenden Minderheit, sie konnten nicht wählen, sondern nur mehr die Tagung verlassen." Da will uns die „Jüdische Volkszeitung" mit dem „klaren, festumschriebenen Programm" drohen? Sie meint natürlich das ihres Genossen Leo Rath. Auch dieser Herr muß an die Empörung des Dr. Glanz glau ben, der über Rath und sein „Werk" folgendes schreibt: „Der Unbeteiligte könnte glauben, daß da wirklich eine eigene Arbeit vorliegt Es ist aber nur die Arbeit des Kiebitz. Er gibt einige Ratschläge, die wohlfeil sind wie Brombeeren — der Kiebitz hat immer Eizeß — und schreit dann: Mein Programmentwurf! Mein Programm! Genosse Singer hat einen Programmentwurf ausgearbeitet, der der Exekutive vorgelegt wurde, und diese beschloß einstimmig, dem Delegiertentag dessen Annahme zu empfehlen. Nach Monaten erscheint der „Möiht a dabei sein" auf dem Plan, versucht natürlich nicht, die Grundlagen, den Aufbau oder auch nur einzelne Abschnitte zu ändern, aber hie und da streut er ein Wort ein. das ebensogut stehen, wie fehlen kann und nun habt Ihr Sein Programm, Seinen Programmentwurf. Dort oben möge er stehen neben dem Singerischen Entwurf, damit jeder er die Leute zu richten hat, wenn sie zu ihm kommen. Der Aelteste war also Baumeister, er gab den Abgebrannten all sein Gold und baute ihnen die Stadt wieder auf. Dann wollten sie ihn noch zum König machen und baten und flehten ihn an, er solle bei ihnen bleiben. Aber er wollte just sein väterliches Reich erben, daher widerstand er ihren Bitten und eilte nach Hause, um zum richtigen Termine einzutreffen. So erzählte der älteste Sohn, der Vater aber sprach: „Das hast du gut gemacht, mein Sohn. Nun wollen wir hören, wie es deinen Brüdern ergangen ist." Der Zweitälteste Sohn trat vor und erzählte: „Ich wanderte und wanderte lange Zeit, kam durch verschiedene Städte und Länder und mir war nichts besonderes passiert. Endlich gelang es mir, meinen ärgsten Feind zu besiegen. Einmal kam ich nämlich in eine ferne Stadt, da herrschte großer Jubel. Ich fragte, was da los wäre, und man erklärte mir, heute soll der neue König gekrönt werden. Ich fragte: Wie heißt denn euer König? Da nannte man mir den Namen meines ärgsten Feindes, der mir das Schlimmste in der Welt zugefügt hatte. Ich fing an, den Leuten zuzureden: Solch einen König habt ihr bekommen? Der ist ja gar nicht würdig, König zu sein, und noch dergleichen mehr, sagte ich, was endlich dem neugewählten König zu Ohren kam. Er ließ mich rufen und stellte mich zur Rede, ich aber forderte ihn zum Zweikampfe heraus, besiegte ihn und so mußte er beschämt das Feld räumen, gerade an dem Tage, der sein Freudentag werden sollte. Die Bewohner der Stadt wollten mich als König aufnehmen, aber ich wollte das Reich meines Vaters erben, daher beeilte ich mich, um richtig zum Termin anzulangen." .,Und was habt ihr vollbracht?" sagte der König zu seinen beiden jüngsten Söhnen. Der Dritte trat vor und sagte: „Mein Herr Vater und König, mir ist leider während der ganzen Wanderschaft nichts passiert, wo ich Gelegenheit gehabt hätte, meine Kraft zu Desmine Leistung erkenne... Ach, wir werien dein Kiebitz nicht vor. daß er lange bei den Kommunisten war. aber zu jener Zeit, als dies der Fall war, haben die Kommunisten, wenn sie gegen uns Sozialdemokraten schon nichts vorzubringen wußten, doch eines versucht: überlizittieren. Sie haben immer mehr geboten, mehr verlangt. Nun, hier ist das nicht gut möglich! Also überbietet der großzügige Politiker mit Ausdrücken wie nur, mit eng usw. Und dann weist er stolz auf suin Werk hin. denn es ist sein Programm, wo nichts davon auf seinem Mist gewachsen ist." Genug für heute der diesmal der „Jüdischen Volkszeitung" gewiß besonders unangenehmen „Aneinanderreihung und Auslegung von Zeitungsberichten der gegnerischen Presse". Sie wird unbeschadet dieser Unannehmlichkeiten gewiß auch weiterhin ihre stolze Sprache führen, bis eben der Wahltag kommt, der diesmal hoffentlich — sozialistisch gesprochen — Zahltag werden soll. Sie wird gewiß auch weiterhin unbeirrt verkünden : „Die Ziffern der letzten National- und Gemeinderats wählen sprechen eine beredte Sprache." Auf diese ihre „Erfolge", die in Wirklichkeit, wie wir schon oft hier ausgeführt, ganz tätigen und eine Siegestat zu vollbringen. Ich bringe nichts, ich komme wie ich gegangen bin." Doch die anderen fingen an. ihm zuzureden, er möge nur alles erzählen, was ihm passiert, wäre, auch das kleinste Ereignis solle er nicht verschweigen, dann werde man schon sehen. Der Dritte besann sich und schließlich erzählte er folgendes: „Einmal führte mich mein Weg an einem tiefen Wasser vorbei. Ich sah hin und bemerkte, daß dicht am Wasser ein Mensch schlief. Das Ufer war steil und der Schlafende brauchte sich nur umzuwenden, um hineinzufallen, dann war er unrettbar verloren, denn dort war das Wasser gerade am tiefsten. Ich eilte hinzu, und ihr könnt euch leicht meine Ueberraschung ausmalen, als ich sah, daß der Schlafende mein ärgster Feind war, der mir das Schlimmste in der Welt zugefügt hatte. Der Jezer hara1) flüsterte mir zu, ich solle nur ruhig meines Weges gehen und den Schlafenden schlafen lassen. Das dauerte eine Weile, dann besann ich mich, packte den Schlafenden beim Kragen und schleppte ihn rasch fort, dann eilte ich von dannen, um nicht erkannt zu werden. Das ist alles." Der alte König aber sprach: Du hast Größeres vollbracht als deine beiden älteren Brüder, mein Sohn. Es steht ja geschrieben2), man solle auch des Feindes Esel oder Ochsen beistehen, wenn er unter der schweren Last keucht, um wieviel mehr dem Feinde selber, und erst, wenn es um sein Leben geht. Und du, mein jüngster Sohn, was hast du in der Welt vollbracht?" Der Jüngste trat vor und hub an: „Als ich durch ein großes Stück Welt gekommen war, ohne etwas besonderes erlebt zu haben, traf ich einmal in einer fernen Stadt ein, wo große Bestürzung unter den Ein- *) Böser Trieb. 2) Gemeint ist Nummer XXIil, 1415,