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Die Wahrheit · 1928-09-07 · Heft 36 (7.9.1928) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 36 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite Z WAHRHEIT mittelbaren die mittelbare Demokratie getreten, die Mehrheit der gewählten Delegierten, die dem Treiben unverantwortlicher Elemente ein Ende bereitete... Programmatische Grundsätze, die in vier Jahren einer Organisationsarbeit nie gegensätzlich wurden, können nicht mit einem Male so viel Explosivstoff gewinnen, um eine Organisation zu sprengen... Daß sohin alle programmatischen Schwierigkeiten künstlich heraufbeschworen sind, war auch dem politisch noch so Unerfahrenen klar. Von den Personenfragen hat die Oeffentlichkeit unserer Vereinigung zunächst den Kernpunkt sehr schnell erfaßt. Man kann einer Bewegung nichit zumuten, daß sie miit einem Male ihre geistigen Führer austauscht, bloß weil irgendwelche Personen da sind, die die Führer werden möchten... Ideen, die organisationserneuernd wirken, sind keine da, Situationen, in denen es zu Entscheidungen kommen könnte, ergeben sich nicht und geistiger Nachwuchs, aus dem ein Drang zu neuem Führertum 'entstehen könnte, ist nicht vorhanden ... Daß diese Minderheit geistig m a u s t o t ist, ist die unerschütterliche Uebcrzeugung jedes einzelnen, der in der Vereinigung geistig gelebt hat. mit ansah, wie das Leben in der Vereinigung entstand, wie Menschen verschiedener intellektueller Kreise für die Organisation gewonnen wurden- Erwägungen, wie sie die Minderheit jetzt anzustellen vortäuscht, haben damals nie eine Rolle gespielt, die neuen „Führer" waren damals nie zu sehen und sind bis heute mit der Parteiöffentlichkeit nur lose verbunden... Hat nun die Minderheit keinen Zugang zur Demokratie, mußte sie sich vom Delegiertentag auf eine jedermann gleich verständliche wie lächerliche Art absentieren, so muß alles, was diese Minderheit gegen die erklärte, faktische, jederzeit aktionsbereite Mehrheit im Verborgenen, ohne an den Willen unserer Oeffentlichkeit zu appellieren, unternimmt, als eine Verfehlung gegen die unwandelbaren demokratischen Prinzipien unseres öffentlichen Lebens, als eine Verfälschung der wahren Wirklichkeit gebrandmarkt werden. Es ist eine Fälschung, wenn die im offenen Kampf der Aufklärung von den meisten abgelehnten Personen nun behaupten, irgendetwas in unserer Vereinigung zu repräsentieren; es ist eine Fälschung, wenn sie den Namen der werktätigen Juden noch gebrauchen, die „Jüdische Volkszeitung" noch miR"rauchen und es wird und muß alles getan werden, tun den Fälschern ihr Handwerk zu leisen." Sbnllletci Aus derjüdischen Sagen- und Märchenwelt. Von Binjamin Segel. (Fortsetzung.) Der König und seine vier Söhne. In einem fernen, fernen Lande war einmal ein König, der hatte vier Söhne. Als er alt wurde und fühlte, daß ihm kein langes Leben mehr beschieden war, ließ er seine Söhne um sich versammeln und sprach zu ihnen folgendes: ..Meine lieben Kinder, Ihr sehet, daß ich nicht mehr jung bin, meine Zeit ist bald abgelaufen, nicht lange dauert es noch und ich werde gerufen. Wenn ich nicht mehr hier bin, fürchte ich, könnten Streit und Hader unter euch entstehen, wer meine Krone und mein Reich erben solle. Seht, um dem vorzubeugen, habe ich beschlossen, euch auf die Probe zu stellen, wer der Tüchtigste ist. Ihr sollt alle vier in die Welt hinaus, ein jeder nach einer anderen Richtung, ein Jahr lang sollt ihr umherwandern, allerlei Menschen und Dinge sehen und euch durchschlagen, so gut ihr es könnt. Daheim ist ein jeder schön, sagt ein Sprichwort. Das ist keine Kunst, geschickt und tüchtig zu sein, wenn einer beim Vater hinterm Ofen sitzt und es warm hat. Versuchers mal aber draußen, wie es euch ergehen wird. Besser ein Narr, der gewandert ist, als ein Kluger, der immer Wahrlich, der Sozialist Dr. Rudolf Glanz sagt seinen feindlichen Brüdern bitterere Wahrheiten, als es jemals die vielgeschmähte „W a h rh e i t" tun konnte. Und da kommt nun die „J üdische Volkszeitung" mit der Dichtung, daß „die Gegner es im Wahlkampf mit einer festgefügten geschlossenen Vereinigung werktätiger Juden zu tun haben werden, die unbarmherzig und rücksichtslos der jüdischen Bevölkerung die Fehler und Unterlassungen des gegenwärtigen Regimes vor Augen führen und durch ihr klares f e s t u mschriebenes Programm den Weg zeigen wird, der im Interesse der Gesundung und Konsolidierung der jüdischen Gemeinde betreten werden muß". Um diese Einheit muß es sehr schlecht bestellt sein, wenn Dr. Glanz dem von uns seinerzeit wiedercegebenen Ukas seines sozialistischen Widerparts Dr. Bader folgende Notiz „Eine bewußte Irreführung" entgegenstellt: ..Einige vom Deilegiertentag ganz unzweideutig abgelehnte Leute versuchen, in der „Jüdischen Volkszeitung" sich selbständig zu machen und eüne Nebenexekutive zu etablieren, indem sie sich als die alte Exekutive ausgeben, die bis zu einem — von den paar Leuten ja nie einzuberufenden — Delegiententag dm Amte bleiben soll. Hurtig wurden an Stelle der acht ExekutivmitgJieder der vorigen Wahlperiode, die dieses Treiben unter Berufung auf die stattgefundene Neuwahl auf dem Delegierftentag abgelehnt haben, neue, zum Teil gänzlich unbekannte Leute „kooptiert". Es wird hiemit allen Genossen zur Kenntnis gebracht, daß hier eine bewußte Irreführung versucht wird. Sonach ist alles, was die Leute unter sich reden, beschließen, „kooptieren", aufteilen, ein leeres Geschwätz und hat keine wie immer geartete Bedeutung für die Vereinigung werktätiger Juden, die einzig und allein durch die satzungsgemäß auf dem Delegieütentag gewählte neue Exekutive vertreten wird. Der Schwindel ist viel zu plump, als daß irgend jemand aufsitzen könnte. Jedenfalls reibt er sich würdig an das, was sonst von den paar Leuten noch gesprochen oder geschrieben wird." zu Hause sitzt. Wer von euch also nach einem Jahre zurückkommt und mittlerweile die größte Siegestat vollbracht hat, der soll mein Königreich erben. Gold und Edelsteine gebe ich einem jeden von euch, so viel er tragen kann, doch dürfet ihr von diesen Schätzen nur in der äußersten Not Gebrauch machen." Gesagt, getan. Man sattelte den vier Prinzen die besten Pferde. Dann nahmen sie sich alles Nötige mit und zogen hinaus in die weite Welt, ein jeder nach einer anderen Richtung, wie es der alte König anbefohlen hatte. Ein Jahr lang ließen die vier Prinzen nichts von sich hören, und den alten Vater fing es schon an zu gereuen, daß er seine Kinder so in die Fremde hinausgejagt hatte, denn er dachte bei sich, Gott weiß, was ihnen widerfahren "sehr kann. Aber gerade als der Tag ihres Abschieds sich jährte, trafen sie alle vier, jeder aus einer anderen Weltgegend kommend, im Vaterhause ein. Nun könnt ihr euch ja selber die Freude des alten Königs ausmalen, als er wieder die Kinder um sich beisammen hatte: er fing an, sie auszufragen, wie es ihnen ergangen war all die lange Zeit. Der Aelteste trat vor und erzählte, was ihm passiert war: „Ich wanderte und wanderte lange Zeit, kam durch viele Städte und Länder und es passierte mir nichts besonderes. Endlich traf ich eine Stadt, die soeben abgebrannt war, die Menschen jammerten und klagten, daß sie alles verloren hatten und wußten nicht, was sie anfangen sollten. Da gab ich ihnen alle meine Schätze hin, und da ich ein Baumeister bin" — ihr müßt nämlich wissen, daß ein jeder Sohn des Königs immer irgend ein Handwerk erlernen muß, um sich in der äußersten Not, wenn er sein Reich verliert, redlich ernähren zu können; und dann versteht er dadurch, wie es unter gewissen Leuten zugeht, versteht ihre Sorgen und was sie alles anstellen müssen, um leben zu können; daher wird er nicht hochmütig und weiß, wie

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