Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 35 (31.8.1928)
- Date
- 1928-08-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seit« 11 IDeäukeUmrcmlage „Christusgläubige Juden". Christusgläubige Juden! Die Bewegung ist nicht neu in Ungarn. Schon vor vielen Jahren hörte man, daß eifrige Bekehrer bestrebt seien, die Juden auf einem bequemen, das Gewissen nicht zu Stack belastenden Umwege zum Abfall von ihrer Religion zu bewegen: Ihr könnt, sagte man ihnen, ruhig Juden bleiben, euiren Ritus pflegen und zu eurem angestammten Gott beten: nur an Christus sollt ihr glauben, an Christus als Messias, nicht einmal als Gott oder Gottessohn. Ihr habt aus euren Glaubensbüchern nur die Stellen zu streichen, die vom Messias als von einem Kommenden sprechen, alles andere kann unverändert bleiben. Dafür werdet ihr dann von uns, den Angehörigen des weltbeherrschenden Glaubens, als Vollmenschen anerkannt, ja, als unsere Brüder! Viel Erfolg hatte die Bewegung bis jetzt nicht. Von Zeit zu Zeit flammt sie aber immer wieder mit auffallender Energie auf . . ., wenn neues Geld aus England und Amerika gekommen ist, wo ihre Begründer und Finanzierer sitzen. Jetzt ist eine kräftige Organisationstätigkeit in der Provinz im Zuge, deren Mittelpunkt Miskolc ist, eine Stadt in Oberungarn mit zahlreicher jüdischer Bevölkerung. Die Leitung ist paritätisch unter Juden und Christen verteilt. Der christliche Leiter ist Julius Röck, ein allbekannter — Spiritist, der jüdische ein Privatbeamter namens Artur S z i g e t i. Filialen sollen demnächst in anderen Judenstädten, vor allem in Nyiregyhäza gegründet werden. „Christusgläubige Juden" nennen sich nicht nur die jüdischen Angehörigen dieser merkwürdigen Brüderschaft, sondern auch ihre christlichen. Kein übler Trick: Ihr könnt ruhig kommen, ihr Juden, denn es handelt sich nicht darum, euch der angestammten Religion abspenstig zu machen, ihr seht, das Gegenteil geschieht, wie Christen nehmen den Namen Jude an! Herr Röck gibt die Zahl der „christusgläubigen Juden" christlichen Glaubens in Miskolc mit einigen Hundert an, während sich aus den Reihen der Miskolcer Juden etwa zwanzig der Brüderschaft angeschlossen haben. Auch Frau Julius Röck nimmt aktiv an der Bewegung teil. Einem Journalisten sagte sie: „Die Christenheit selbst ist Israel, denn es gibt keine Juden und Christen, es gibt nur Juden und bekehrte Juden..." Hinsichtlich der Zugehörigkeit der „christusgläubigen Juden" beider Religionen sagt Herr Röck: „Niemand braucht Angst zu haben. Die christusgläubigen Juden gehen für ihre Stammreligion nicht verloren. Sie zahlen ihre Kultussteuer weiter, nur ihre Gedankenwelt und ihre Weltanschauung ändert sich. Wir verhindern allerdings den G1aubenswechse 1 nicht, aber wir fördern ihn auch nicht. Herr Artur Szigeti, der „jüdische" Leiter der „christusgläubigen Juden", läßt sich folgendermaßen vernehmen: „Ich gehöre auch jetzt noch zur jüdischen Konfession und b 1 e i fo e a u c h J u d e. Ich stehe nicht auf ritueller Grundlage, denn in der Suche nach der Wahrheit darf uns das Dogma nicht behindern. Ich stehe auf der Grundlage der seelischen Anbetung, das Wort ist nur Äeußerlichkeit. Die christusgläubigen Juden haben keine Feste, jeder kann nach eigenem Gefallen den Sabbat oder den Sonntag feiern. Die Seele, die Seele ist alles und die Stärkung des Lagers der chnstusgläubigen Juden wird zum seelischen Frieden führen." Ein weiterer Kommentar zu diesen wirren, aber in ihren Zielen nur zu durchsichtigen „Glaubenssätzen". „Weltanschauungen", „Seelentheorien" und „wissenschaftlichen Studien" erübrigt sich wohl. Auch ein Kultur-Verein! InMichalovce, Slowakei, veranstaltete am 12. August der den Namen „Achad Haara" tragende zionistische „Kultur"-Verein ein Fest, dessen offizielles Programm hier zur Belehrung weiterer Kreise über die Geisteskultur, die in den orthodoxen Gemeinden der Ostslowakei zur Verherrlichung Achad Haams verbreitet wird, vollständig wiedergegeben sei. Vormittags: Autoblumenkorso, Fußballmatch, Kegelwettspiel, Ping-Pong-Konkurrenz. Nachmittags: Fischerhütte, Tombola, Tombola mit LuftbaMontanz, amerikanische Lizitation, Kinderschönheitskonkurrenz, Krankenhütte, Glücksrad, Wadenschönheitskonkurrenz. Abends: Tanz bis zum Morgen, Schönheitskonkurrenz, Tanzkonkurrenz. Armer, armer Achad Haam! So hast du wohl selber deine von den Fesseln der Thora befreite national-jüdische „Kultur" nicht gemeint .... Armer deutscher Kronprinz! Die völkische „Mecklenburger Warte" befaßt sich in einer ihrer letzten Nummern mit der Zukunft der deutschen Monarchie und lehnt den früheren Kronprinzen als zukünftigen Monarchen wegen seiner „Verjudung" ab. Sie schreibt: Unser Kaisertum zerbrach an fremden Einflüssen. Es mangelte der rassisch bewußte Seherblick der Verantwortlichen. Und doch wieder Monarchie? Ja, aber die „völkische Monarchie."! Der urdeutsche Herzogsgedanke soll Taterscheinung werden, mit seinen Paladinen soll er einziehen durch das Brandenburger Tor, und die Weltgeschichte soll ihren verlorenen Sinn wiedergewinnen! Ein Fürstensohn, dem der Jude als Mitverfasser seiner Denkwürdigkeiten die Feder führt (gemeint ist Karl R o s n e r), hat die geistige Niederlage des Deutschtums im verlorenen Weltkriege noch nicht erkannt und steht noch fern der völkischen Erkenntnis. Die jüdische „Gefahr". Die römische Jesuitenzeitschrift „Civiltä C a 11 o 1 i c a" bringt folgende befremdlichen Ausführungen zur Judenfrage, aus denen hervorgeht, wie irrsinnig das antisemitische Märchen von der engen freundschaftlichen Verbindung zwischen Juden und Jesuiten ist: Die jüdische Gefahr bedroht die ganze Welt durch verderbliche jüdische Einflüsse oder verabscheuenswerte Einmischungen, besonders bei den christlichen Völkern und noch mehr bei den katholischen und lateinischen, wo die Blindheit des alten Liberalismus die Juden besonders stark begünstigt hat, während sie die Katholiken und vor allem die Orden verfolgte. Die Gefahr wird von Tag zu Tag größer... Wenn wir auch nicht, wie einige,, allzu leicht geneigt sind, den Juden jede Schuld für die Uebel, die die moderne Gesellschaft, besonders Europa betroffen haben, aufzubürden, so haben wir doch, z. B. in der Frage des Bolschewismus, versucht, klarzustellen, welche Schuld und welch überwiegender Einfluß das irregeleitete Volk der Juden bei der russischen Revolution trifft, wie ja auch schon in der französischen (!!) und neuerdings in der ungarischen Revolution mit all ihren Uebeln, Grausamkeiten und wilden Schrecken... Die jüdische Propaganda steht zum Teil in engster Verbindung mit der freimaurerischen und bolschewistischen. Man versteht nicht, wie sie von Regierungen, die doch zeigen, daß sie die Frei- Der Vorstand des Prater Bethausvereines Tefilath Jeschurun gibt schmerzbewegt Nachricht von dem Ableben seines langjährigen, überaus verdienstvollen Tempelvorstehers, des Herrn S. L BERGMANN Seine überaus großen Leistungen für unseren Verein, seine Begeisterung für unser Gotteshaus gewähren ihm für ewige Zeiten ein ehrendes Andenken und unsere Dankbarkeit! Für den Vorstand: Heinrich Edelstien, Obmann.