Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 35 (31.8.1928)
- Date
- 1928-08-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 "»wnitniHiHtnwimnmnfflumimimnaminnfflnmnii iiiimiiiüniiiiüiiiiiniiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiüi.iiii pi£ WAHRHEI1 zugeselle. Nun aber hat das Judentum später und namentlich auch in dem letzten Jahrhundert sich mächtig durchgebildet, es hat sich im geschichtlichen Prozesse zu einer Stufe der Erkenntnis emporgearbeitet, auf welcher weit weniger Wert gelegt wird auf äußere Werke als auf jene fundamentale Ueberzeugung von der Einheit Gottes. Was der und jener noch als für sich verbindlich erachtet, das macht nicht das Wesen des Judentums aus; das geistige Band, welches gegenwärtig alle seine Bekenner umschlingt, der Gedanke, der im deutschen Judentume immer mehr seine Anerkennung erringt, das ist sein Wesen, das macht zum Juden. Und dieses Band besteht eben in dem reinen Gottesbegriffe, in der Betätigung dieses Glaubens eine reiche und ehrwürdige Geschichte hindurch. So sind .auch Sie ein Jude; diesem Judentume verdanken Sie in Erziehung und Herzenseigenschaften vieles, das Ihnen zur innersten Natur geworden, ohne zu fühlen, daß es ein schönes Geschenk des Judentums ist. Weil Sie sich von dem Zeremonialgesetz losgesagt haben, deshalb geben Sie vor, kein Jude zu sein? Das Judentum auf seinem gegenwärtigen geschichtlich errungenen Standpunkte gibt Ihnen vieles davon preis; über anderes ist eine Diskussion eröffnet, über einiges behält sich die Geschichte ihr Endurteil noch vor, und wieder anderes wird bei einer tieferen Erfassung als Geist und Gemüt erhebend, als lebenskräftig sich erweisen. Doch das sind Konsequenzen; Grundlage bleibt der Glaube, den Sie teilen, der das Eigentum Ihrer und meiner Vorfahren war, der die Menschheit erzieht und erhebt. Und Sie wollen so leichthin sagen, Sie seien kein Jude? Sie sind ein Jude, sind aber kein Christ und werden es nie und nimmer werden. Gerade über diesen Punkt, den ich in meiner Anfrage besonders zu betonen mir erlaube, finde ich in Ihrem geehrten Schreiben eine auffallende Zurückhaltung, die mich eben in meiner Vermutung, daß Sie dem Kirchenglauben nicht huldigen, aufs Entschiedenste bestärkt. Das Christentum verlangt nun einmal aufs Bestimmteste einen Glauben, der dem als Juden geborenen schwer anzunehmen bleibt, und verkennen wir es nicht, das Christentum nimmt es, so oft auch der Anlauf zur Verflüchtigung seiner Grunddogmen genommen wurde, immer entschiedener und ernster mit denselben. Das beweist, daß es aufhören wüfrde Christentum zu sein, daß es sich seines wahren Wesens entkleiden würde, wenn es diese Glaubenssätze, namentlich an die Gottheit Jesu und alles, was damit zusammenhängt, abschwächte oder gar aufgäbe. Das ist eine Tatsache, zu deren Erhärtung Sie sich nicht eines theologischen Studiums zu befleißigen haben, die in allen öffentlichen Blättern so nahe vor die Augen gerückt wird, daß sie nicht übersehen werden kann. Lesen Sie alle amtlichen Erlasse, lesen Sie die Verhandlungen der evangelischen Allianz, einer Versammlung, die den Herren Hengstenberg und Stahl bei weitem noch nicht vollwichtig gegenug ist, die Referate aus den Kirchentagen usw., und es kann Ihnen nicht entgehen, was man unter den Grundlagen des Christentums versteht und welchen Glauben man verlangt, und gleichzeitig werden Sie sich bekennen müssen: diesen Glauben habe ich nicht, ich werde ihn auch selbst nach einem äußerlichen Uebertritte nicht erlangen. Und wenn Sie zu einem gläubigen christlichen Geistlichen hintreten mit dem Verlangen, in die Christengemeinde aufgenommen zu werden, so müßte ein solcher, selbst wenn er nicht zur schroffen Richtung der Hengstenberg, Harleß, Kliefoth usw. gehörte, sondern den Gemäßigteren, einem Nitzsch, Müller und dergleichen sich anschlösse, so müßte ein solcher Sie aufs Entschiedenste abweisen, er wird zu Ihnen sagen: „Ich bedauere Sie wegen Ihres Unglaubens, Ihrer Herzenshärtigkeit, Verstocktheit, Verblendung; aber mit solchen Gesinnungen können Sie in den Schoß des Christentums nicht eintreten, darf ich Sie nicht aufnehmen. Beten Sie, daß die Gnade Sie erleuchte, und dann kommen Sie wieder; bis dahin aber würde ich selbst meinen Glauben verraten, wenn ich Sie, den Ungläubigen, als durch das äußerliche Bad der Taufe gereinigt hielte, Sie aber würden der schmählichsten Lüge sich zeihen, wenn Sie mit dem Munde bekennten, durch die Tat etwas vorgäben, was Sie im Inneren Ihres Herzens verwerfen, Sie würden den Leib des Herrn, wie Luther sagt, zu Ihrem eigenen Verderben essen." So wird, so muß ein gläubiger Christ sprechen, und ein jeder gewissenhafte Mann wird ihm Beifall schenken. Diese Zwiespältigkeit "in äußerlichem Bekenntnisse und innerer Gesinnung ziemt wahrlich dem ehrenhaften Charakter nicht; das sieht einem Spiele mit der Religion, entweder völliger Gottesleugnung oder dem Götzendienste gar zu ähnlich. Einer solchen Frivolität halte ich Sie nicht für fähig. Sie erwidern vielleicht, es gebe ja so viele Christen, die Ihre religiösen Ansichten teilten. Ich kann dies nicht so genau untersuchen, ich möchte fast glauben, daß der geborene Christ immer noch etwas mehr als die welthistorische Bedeutung des Christentums, die auch ich ohne Bedenken zugebe, anerkennt, daß doch noch ganz andere Regungen in ihm leben bei Namen und Gebräuchen, sei es durch die Erziehung, sei es durch den Umgang und allmähliche Gewöhnung, als in dem Juden, welcher erst im reifen Alter zum Christentume übertritt. Aber abgesehen auch davon, werden Sie doch den Unterschied nicht verkennen zwischen dem geborenen Mitgliede einer Genossenschaft und dem erst zu ihr Uebertretenden. Jenes lebt darin, ohne daß es einer Erklärung seinerseits bedürfte, es hat die Berechtigung, seine noch so abweichenden Ansichten in ihr geltend zu machen — solange es nicht aus ihr ausgeschlossen wird —, es darf sich der Hoffnung hingeben, seine Ueberzeugungen werden die Herrschaft erlangen, sollten sie auch im Augenblicke noch so entschieden abgewiesen werden, noch so wenig Aussicht auf Anerkennung haben. Ganz anders steht es mit dem Uebertretenden. Sie müssen sich zu den geltenden Grundsätzen der Genossenschaft bekennen, wenn Ihnn deren Pforten geöffnet werden sollen, und Sie würden mit einer nimmer zu rechtfertigenden Lüge eintreten, falls Sie ein im Herzen nicht geteiltes Bekenntnis ablegen, Sie haben kein Recht, sich einer Gemeinde anzuschließen mit der Absicht, deren Fundament zu erschüttern, was Sie als gewissenhafter Mann tun müßten, Sie haben nicht die geringste Veranlassung zu der Hoffnung, daß Ihre abweichenden Meinungen je eine Geltung erlangen könnten. Und in solchem vollkommenen Widerspruche wollen Sie, der Ehrenmann, einen hochwichtigen religiösen Schritt tun; das soll die Weihe sein, mit der Sie als einen Gläubigen sich bekennen? Wäre ich ein Christ, ich sagte Ihnen: Bleiben Sie lieber ein gewissenhafter Ungläubiger, als daß Sie ein gewissenloser Gläubiger werden! (Fortsetzung folgt.) HkibdsJbcnn&Umfiu-Dk fflakckeii! I I I I I I I I I I I ■ Srielteramurlc Station: Feldbach-Bad Oleicnenberg Kurzeit: Mai—Oktober Heilbad Gleidienbcrgj ■ i i ■ ■ ■ i ■ i ■ HellaitMlgent Luftröhre, Bronchial- und Lungenspitzenkatarrhe, Asthma, Emphysem, Herzmuskelerkrankungen, Nervenleiden usw. Kurmittel i Natürliche Kohlensäurebäder, pneumatische Kammern, Quellsole- und Fichtennadel-Inhalationen, Kaltwasserkuren, Sonnenbäder, elektrische Lichtbäder, künstliche Höhensonne Berühmte Heilquellen Konstantin- und Emmaquelle Ausgezeichnetes Tafelwasser: Johannisbrunnen Oute VerpflegungI Mildes Klima! Auskünfte durch die Kurkommission Jüdische Familie aus Ungarn, Eyör (Raab) sucht ihre 17jährige Tochter zwecks Vervollkommnung in der deutschen Sprache in einem gut jüdischen Hause gegen ¥oiMS€fm für ein Mädchen oder einen Jungen auf 6 Monate unterzubringen. Auskunft bei Isidor Weinberger, Wien XIV., Braunhirschengasse 50, Telephon R 35-9-43. m