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Die Wahrheit · 1928-08-31 · Heft 35 (31.8.1928) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 35 (31.8.1928)
Date
1928-08-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Dank der „Reichspost" werden die antisemitischen Blätter in Zukunft in der Lage sein, zur Revanche Geschichten von armen kleinen russischen Pogromisten zu erzählen, die unter jüdischen Namen ihr Brot erschleichen mußten. * * * Der Verfasser des Artikels über die Juden in Rußland begnügt sich nicht damit, die gehässigsten Lügen gegen die Juden aufzuwärmen, er macht auch nebenbei den nicht minder in giftiger Tücke ersonnenen Versuch, den Schein der Objektivität zu erwecken, die seine Glaubwürdigkeit bezeugen soll. Natürlich bleibt auch er dabei, daß die Juden in den. Tagen des bolschewistischen Umsturzes eine sehr große, „ja entscheidende Rolle spielten". „Aber," fährt er mit schlechtgespielter Treuherzigkeit fort, „ich möchte damit nicht sagen — wie man das vielfach in Europa hören kann — daß vornehmlich die Juden die Wegbereiter des Umsturzes und die geistigen Träger des Umsturzgedankens waren. Aber als die Revolution die lang vorhergesagte Wirklichkeit geworden war, da stellte sich ein Großteil der Juden kraft der ihrem Stamme eigentümlichen Anpassungsfähigkeit sofort auf den Boden der geänderten Tatsachen usw." Welche Objektivität! Also nicht wie alle antisemitischen Lügner behaupteten, „vornehmlich" die Juden waren die Wegbereiter des Umsturzes, sondern sie spielten nur in den „Tagen des Umsturzes die entscheidende Rolle". Der „objektive" Kritiker gestattet sich freilich für dieses milde Zugeständnis sofort eine hübsche Genugtuung. Er stimmt nämlich herzlich jenen bei, die den Juden, die nicht die „Wegbereiter", des Umsturzes waren, sondern sich nur mit ihm abfanden, „den Vorwurf der Charakter- und Gesinnungslosigkeit" machen. Die Art, in der der Mann in der „Reichspost" die Juden gegen eine „oft in Europa gehörte" Beschuldigung verteidigt, erinnert an den plumpen Rechtsanwalt, der einen Milderungsgrund für seinen Klienten anführt, der dessen Charakter beschmutzt, ohne seine Schuld zu verringern. * * * Graf Bethlen erfährt wegen seines Planes, den Abgeordneten Gömbös als Staatssekretär in sein Kabinett zu nehmen, heftige Angriffe. Gömbös hat bis vor kurzem als Führer der Rassenschützler und Bekämpfer der Legitimisten eine Rolle gespielt und so kann der Siebenbürger Staatsmann, der gegenwärtig die Geschicke Ungarns lenkt, den Liberalen versichern, daß die Ernennung Gömbös dermalen einen Streich gegen die Legitimisten bedeutet, während er den Legitimisten mit der gleichen Aufrichtigkeit erklären darf, daß er gelegentlich Gömbös gegen die Liberalen auszuspielen gedenkt. -s * * Als Weltsieger im Säbelfechten ist aus den olympischen Spielen in Amsterdam der Ungar Attila Petschauer hervorgegangen. Anstatt jubelnd Freudenfeste ob dieses Ungarns Ruhm verkündenden Erfolges zu veranstalten, müssen die ungarischen Rassenschützler Trauerfahnen hissen. Was nützt der stolze Vorname Attila? Petschauer ist doch Jude! Ja sogar ein glaubenstreuer, auf sein Judentum stolzer Jude, den sein glühender magyarischer Patriotismus — wie er selbst vor einem Interviewer bekannte — nicht hinderte, am Versöhnungstage zu fasten! Attila Petschauers Triumph läßt den Antisemiten nur einen mageren Trost übrig: man kann ihn als einen neuen Beweis für die Vordringlichkeit der Juden ausschroten. Ego. Ueber den Austritt aus dem Judentum. Ein Briefwechsel von Abraham Geiger. (Fortsetzung.) Antwort. Geehrter Herr! Nehmen Sie vor allem meinen besten Dank an für die unumwundene Offenheit, mit der Sie sich gegen mich ausgesprochen haben; so ziemt es dem Manne, und ich habe es so von Ihnen erwartet. Jedoch ich gehe zur Sache selbst. Denn wenn Sie mir die Anfrage nicht verargt haben, so werden Sie auch an der Prüfung Ihrer Gründe Ihnen gegenüber keinen Anstoß nehmen; ja, Sie werden wohl selbst vermutet haben, daß die Anfrage nur die Vorbereitung zur Prüfung sein sollte. Sie seien kein Jude, so beginnen Sie Ihre Motivierung, seien kaum je ein solcher gewesen, und Sie betrachten dies als eine so zugestandene Tatsache, daß Sie dieselbe auch bei aller weiteren Erörterung als unumstößlich voraussetzen. Aber ist das eine wirklich so ausgemachte Wahrheit? Sie sind ein Jude, indem Sie an den einzigen, heiligen, lebendigen Gott glauben. Dieser Glaube war immer der Grundgedanke des Judentums, für den seine Bekenner gekämpft und gelitten, an dem sie sich erquickt und getröstet haben. Selbst zu einer Zeit, da die Masse des Zeremonialgesetzes in weit höherer Achtung stand, als weit verbindlicher betrachtet wurde, sagten die alten Lehrer, der heiße in Wahrheit ein Jude, wer den Götzendienst abweise, dem einzigen Gott keine andere Macht S 19 jähriges S * in jüdischem Heim erzogenes religiöses J g Mädchen sucht Stellung zu Kindern. 5 ■ Zuschriften erbeten an die Verwaltung unseres Blattes ■ g unter „Gold". g

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