Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 35 (31.8.1928)
- Date
- 1928-08-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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^»mf^nmgpwaaiTM^^ Seite 6 amiiiiiiiiiiiiiiJiiiiiiJiiiiiiiiii DIE WAHRHEIT empfindet man es als besonders und als wichtig, daß die Tagung begrüßt und in dieser Form begrüßt wurde? Man hat zunächst ein Gefühl der Genugtuung darüber, daß in bezug auf die Wertung der iüdischen Religionsgemeinschaft als Religionsgemeinschaft im ganzen sich manches geändert hat. Wir haben nicht oft Gelegenheit gehabt, von außen und von verantwortungsvoller Seite her Worte zu hören, die, indem sie gesprochen werden, eine Anerkennung der Gleichberechtigung der jüdischen Religion inmitten der gesamten religiösen Gemeinschaft bedeuten. Unser Selbstgefühl liegt selbstverständlich in unserer eigenen Ueberzeugung und in unserem eigenen Bewußtsein dessen, was unser Dienst an der Welt und an der Menschheit ist. Es bedarf zur Hebung des Selbstgefühls keinerlei Anerkennung von außen, aber kommt sie zum Aufdruck, freut sie uns tief und ehrlich. Es ist aber noch ein anderes dabei, was uns an der Begrüßung wichtig und wertvoll war: In dem Kampf, der gegen uns geführt wird, spielt oft das Wort eine Rolle, daß der Jude international sei, und daß infolgedessen der deutschen Jude keinen vollen Beitrag zum Gedeihen des Deutschtums und des deutschen Landes leisten könne. Es ist hier nicht der Ort zu einer Auseinandersetzung hierüber, aber es darf von dem Gefühl der Genugtuung darüber gesprochen werden, daß in der Begrüßung zum Ausdruck kam. wie sehr man die internationalen Beziehungen, die auf dieser Tagung neu geknüpft wurden, als einen Reitrag zur resamten deutschen Leistung an dem Werk des Friedens und der Völkerverständigung schätzt. Auch hier wiederholen wir: die Pflege der gemeinsamen Beziehungen, die über die Grenzen hinaus uns mit den Juden der Welt verbinden, ist nicht nur ein Stück der besonderen Arbeit fütr die Religionsgemeinschaft, sondern vaterländische Arbeit im Dienste der Völkerverständigung. Nicht ein gemeinsames politisches Interesse kam hier zum Ausdruck sondern ein gemeinsames ideales und religiöses. Wenn man von dem Verlauf der Tagung besonders Eindrucksvolles herausheben will, so wäre von folgendem zu reden: Eine Herzerquickung war es, Claude G. Montef i o r e in die Augen zu sehen; die Persönlichkeit dieses kindlich reinen, wahrhaft adligen Menschen ergriff und riß fort, bei jeder Ehrung, die man ihm erwies, empfand man sich selbst als geehrt. Man empfand, was es für das Ansehen des Judentums in der Weit bedeutet, wenn Menschen solcher Art die Tiefe ihres religiösen Bewußtseins in all ihre Lebensarbeit hineinlegen. Derjenige, der die Londoner Tagung von 1926 mitgemacht hatte, konnte deutlich erkennen, welch anderes Gesicht die Tagung in Berlin hatte. In all1 ihrer Großartigkeit war die Londoner Tagung doch nur getragen von dem Interesse der besonderen liberalen Gemeinde Londons. Wenn man das Wort nicht zu wörtlich nimmt, könnte man sagen, ein wenig stand dort die Tagung im Schatten. Sie war eine Angelegenheit der religiös-liberalen Juden aller Welt, sie war getragen von dem lebhaften und aufopfernden Interesse der liberalen Gemeinde Londons und ihrer Mitglieder, aber die Gesamtheit der Londoner Juden nahm doch kaum eine Notiz von ihr. Keine Berührung mit den Kreisen, die nicht offiziell dem religiösen Liberalismus dienen, fand statt. Das ist natürlich keinerlei Vorwurf, das liegt im Charakter der Organisation der englischen Judenheit. Wie anders aber nun das Antlitz der Tagung in Berlin! Hier war die Tagung der Religiösliberalen getragen von dem Interesse und der Aufmerksamkeit der ganzen großen Berliner Gemeinde. Der erste Festgottesdienst fand statt in der Synagoge in der Oranienburger Straße, in einer Synagoge zwar von liberalem Ritus, aber doch nicht nur den Interessen der liberalen Juden dienend und auch nicht nur von liberalen Juden besucht, sondern eben in einer Synagoge, die der Ausdruck des frommen Gefühls aller ist. Die gesamte Berliner Gemeinde bewirtete am Samstagmittag die Erschienenen. Der erste Vorsitzende, Herr Kommerzienrat Gerson Simon, begrüßte die Versammlung, und es kam so deutlich zum Ausdruck, daß ein solcher Vorgang wie diese Tagung nicht nur Angelegen- JAC. MAYER Eigene l*laßaMelluii|g heit der liberalen Juden ist, sondern Angelegenheit der' Gesamtjudenheit. Es trat auf diese Weise ein wichtiger Punkt der Eigenart des deutschen Judentums mit besonderer Schärfe hervor.. Sein Wille, die Einheitsgemeinde in Berlin zu erhalten als Ausdruck der Pflicht aller Juden, für einander zu leben und für einander zu sorgen auch in ihren reMgiösen Bedürfnissen, mögen sie im einzelnen und in den Voraussetzungen und Richtungen noch so verschieden sein. So wurde also das äußere Angesicht der Tagung zu einer Bekundung der Gesamtrichtung des deutschen Judentums. Nicht gering darf angeschlagen werden, daß die Tagung Männer und Frauen verschiedenster religiöser Richtungen /innerhalb des deutschten Judentums zusammenführte. Bei der Schärfe des innerjüdischen Kampfes geschieht das nicht oft. Man sah in den beiden Gotteshäusern, in denen Festgottesdienste stattfanden, am Samstag in der Oranienburger Straße und am Sonntag im Tempel der Reformgemeinde, Menschen, die sonst immer nur das Gotteshaus ihrer Richtung und ihrer Kultusform besuchen und kennen. Alle hörten die Predigten des Friedens, die von den Kanzeln ertönten, und es war ein Stück Befriedung, das an diesen beiden Gottesdiensten gewirkt wurde. Jeder sah und konnte sehen, wie ernst und tief, wie ehrlich und wahr auch die Männer und Frauen der anderen Richtung um das Judentum ringen und nach ihm suchen. Wir sprachen schon davon, daß in der Internationale ätder Tagung ein großer und wichtiger Wert liegt. Es sei nochmals betont und wiederholt: Daß man sich über die Grenzen der Länder hinaus um religiöse Dinge mühte, daß Männer und Frauen aus aller Welt sich vereinigten, daß man dabei stets und. immer von der Entfaltung des Judentums in der ganzen Welt sprach als von einem Dienst, der an der Menschheit zu :eis;tn ist. So begründete man eine Internationalitä*, die im kleinen ein Bild des Weltfriedens darbot, um den die ganze Welt kämpft und ringt. Aber neben dieser Iniernaiionalität des gemeinsamen Ringens um das ideale jüdische Gut steht die Bedeutung dieser Tagung vom deutschen Gesichtspunkt aus. Es ist schon an und für sich nicht gering anzuschlagen, daß so viele Gelegenheit hatten, in dem neuen Deutschland sich umzutun, in der Reichshauptstadt zu weilen, das Ringen des neuen Deutschlands um die Erfüllung seiner sozialen Aufgaben zu sehen. Es ist nicht gering anzuschlagen, daß so viele Gelegenheit hatten, die Kulturschätze Deutschlands, die ganze geistige Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Ja, es war im Grunde die ganze Tagung eine große Huldigung, die dem deutschen Geist dargebracht wurde. Immer und immer wieder kam es in den Referaten und in den Diskussionsreden der auswärtigen Teilnehmer zum Ausdruck, wie viel, sie dem deutschen Geiste verdanken, wie er ein Teil ihres seelischen Benzes geworden ist. Auch das Gefühl der Dankbarkeit, das alle Redner von außerhalb gegenüber den Leistungen des deutschen Judentums bekundeten, war eine Huldigung, die der deutschen Geistigkeit dargebracht wurde. Jeder sprach davon, daß das liberale Judentum, wo immer es auf der Welt m die Erscheinung tritt, gleichsam ein Kind des deutschen religiösen Liberalismus ist. Jeder sprach davon, daß die Menschen, die im vorigen Jahrhundert in Deutschland den religiösen Liberalismus begründet und ausgebaut haben daneben zugleich Pioniere waren, deren Arbeit der Judenheit der gesamten Welt zugute kommt. Professor H. Elmrlicfl* erteilt in und außer Hause intfcrrldit Im Klavierspiel, Harmonielehre, Kontrapumhi and Insirumenlallon Wien 11., Krummbaumgasse 10/14 Kleideru. Gummimantel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkeitgaSSe 24 Tel.R48-4-79 Für Kultusbeamte und VerelnsfunktlonSre gegen Legitimation 10V. Nachlaß