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Die Wahrheit · 1928-08-31 · Heft 35 (31.8.1928) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 35 (31.8.1928)
Date
1928-08-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 ll!lHHIIilI!lWi!.l!l!lllll!IIIIIIKIII!li!lü^ wiederholt es diesmal wieder, sogar mit Sperrdruck: „Daß die Wiener Gemeinde bis heute erhalten werden konnte, ist das Verdienst ihrer zionistischen Mandatare." Wir haben bereits in Nr. 33 der „Wahrheit" diese bei unseren Zionisten jetzt so beliebte Form der Uebertreibung angeprangert und wollen uns heute jede weitere Kritik dazu ersparen. Aber eine Frage entsteht doch, wenn man diesen überschwänglichen Satz liest und ihn in Vergleich zu einem früheren des gleichen Artikels bringt. Die Wiener Kultusgemeinde muß sehr schlecht durch die zionistischen Mandatare „erhalten" worden sein, wenn solche „Fehler" entstehen konnten, wie sie „Die Stimme" selbst, wie oben angeführt, der Majorität ankreidet. Es muß also nicht weit her sein mit den „Stützungsmaßnahmen" der Zionisten und der „Vereinsvorstand von 40 Mandeln deutschösterreichischer Israeliten" wird wohl selbst gewußt haben, was er zu tun hat, um den „Bestand der Wiener jüdischen Gemeinde zu sichern". Dazu brauchte er wahrlich nicht zionistische Hilfe, die nur zu oft — Opposition war. Am meisten geehrt war ich durch den Schluß des Aufsatzes der „Stimme". Hier bereitete mir das Blatt das seltene Vergnügen, meinen Appell an den „gesunden Sinn der Wiener Juden", wenn auch mit veränderten Vorzeichen für sich zu transponieren. Gegen die maßlosen politischen Uebertreibungen des zionistischen Organs können wir uns zur Wehr setzen, über solche kleinliche journalistische Mätzchen aber ist nur belustigt Der Pressebeamte: O. H. versagten ihm den Dienst. Er wandte sich um und sah den regungslos dasitzenden Vater, der geistesabwesend auf das schwere Atmen des Knaben lauschte. Wie eine Wolke legte es sich plötzlich auf die Augen des Greises. Er fuhr sich mit der Hand über die geschlossenen Augenlider. Wild jagten seine Gedanken durcheinander. Wie aus weiter Ferne hörte er das Schluchzen der gebrochenen Frau hinter der Tür. Er öffnete langsam die Augen und sah nach dem schwarzen Buche, das ihn mit einer überirdischen Macht anzog. Zitternd ging er zu dem Tischchen und ergriff das Buch. Er öffnete es und sah hinein. Alinuten vergingen in unheimlicher Stille. Wie leblos stand der Greis und blickte auf die winzigen Buchstaben der Reihen. Bilder zogen an seinem Auge vorüber. Er sah einen kleinen Jungen umherspringen in kindlicher Fröhlichkeit. Dann sah er einen ehrwürdigen, ernsten Mann, der ihn auf den Schoß nahm. Mit der einen Hand glättete der Mann die blonden Locken des Kindes, mit der anderen hielt er ein Buch, in dem er ihm Buchstaben wies, wie er sie hier vor sich sah. Dann sah er denselben Knaben im Kreise gelehrter Männer, die über dicke Folianten gebeugt saßen. Er verstand ihre Sprache, denn sie war die seinige. Er konnte lesen in den dicken Büchern und war froh, wenn man ihn dafür lobte. Dann zogen andere Bilder auf, voll Grauen und Schreck. Er sah die gelehrten Männer mit ihren Folianten fortführen. Der Mann, der so oft liebevoll sein Haar streichelte, war unter ihnen. Dann sah er Flammen, die zum Himmel emporstiegen, und Rauchwolken, die einen Holzstoß umhüllten. Dann kam für den Knaben eine Zeit, in der er dies alles vergaß---. Immer noch stand der Greis regungslos da. Plötzlich fühlte er zwei Hände auf seinen Schultern. Er wandte sich um und sah in das schmerzverzerrte Gesicht Don Manuelos, der das Buch in seinen Händen erblickte. Ohne den Priester anzusehen, sprach der Unglückliche: „Mein Sohn stirbt, Don Fernando — jetzt, da Ihr dies Buch hier gefunden habt, wißt Ihr selbst, daß er Eures Segens nicht begehrt---Gehet, bereitet einen Scheiterhaufen für die unglücklichen Eltern, die den Tod für sich herabwünschen---Gehet, Priester, tuet Eure Pflicht---!" Mit irrem Blick sah Don Manuelo in die Augen des Greises. Ein Kapitel Archäologie .. . „Die Stimme" hat, wie wir an leitender Stelle der heutigen Nummer ausführen, es für notwendig befunden, sich über die „Union deutschösterreichischer Juden" in recht geschmackloser Weise lustig zu mächen. Wir glauben, dem jüdischnationalen Blatte hierauf die gebührende Antwort erteilt zu haben. Vornehmlich war es unsere Absicht. „Die Stimme" darauf aufmerksam zu machen, daß die Zionisten es am wenigsten notwendig haben, sich mit Stolz zu brüsten, da gerade ihre Bewegung immer mehr, und z"war überall verfällt. Das beweist auch der folgende satirische Artikel, den wir der Präger zionistischen „Selbstwehr" entnehmen. Sein Autor, Dr. Jeremiahu Neu mann, Bratislava, weist mit Recht darauf hin, daß die von ihm in der Slowakei gemachten „Entdeckungen" nicht auf dieses Land beschränkt bleiben, sondern daß es allerorts gleich ist: Die zionistischen „Mumien" rühren sich erst, wenn es um Wahlen geht. Wir in Oesterreich wissen davon ein Lied zu singen. Doch es ist ein politisch", daher garstig Lied. In dem Artikel heißt es: Ich bin unter die Archäologen gegangen." Ein schöner und idealer Beruf. Denn er erfordert neben historischer Sachkenntnis ein gewaltiges Maß von Phantasie, Kombinationsgabe und Orientierungsvermögen im außerzeitlichen Räume. — Lauter herrliche Dinge, wenn man sie wie ein Glockenspiel zusammenklingen läßt, um aus einem schäbigen Knochenrestchen vorsintflutliche Giganten und eine bizarrgroteske Landschaft emporwachsen zu sehen. Aber wie jeder Archäologe habe ich ein Spezialfach gewählt: ich grabe — nach Zionisten! Liebe Freunde, dieses ist kein Sakrileg, es ist blutige Wirklichkeit und die vielleicht etwas purimhaft scherzende Einleitung wird bald in bitteren Ernst übergehen! Ich grabe gegenwärtig in einem ungeheuer ergiebigem und fruchtbaren Gebiete — in der Slowakei. — Erst einen Monat lang. Aber die wissenschaftliche Ausbeute übertrifft bei weitem die kühnsten Erwartungen eines phantasierenden Gelehrtengehirns! Es gibt hier eigentlich — nur noch Mumien. Nur noch Zionisten, die darauf warten, irgendeinmal aus ihrem Königsgrab emporgehoben zu werden ins Licht der nackten, kalten und doch so wunderbaren Wirklichkeit! Die wenigen Lebenden bitte ich um Verzeihung, aber sie „Ihr weint, Don Fernando? Die Lippen des Inquisitors zittern? Euer Mitleid ist nicht angebracht, wo nur der Tod Erlösung bringen kann. Es ist Marannenschicksal, als Jude im Verborgenen zu leben und — wenn Gott will, als Jude vor aller Welt zu sterben? Gehet, Don Fernando, erfüllt Eure Pflicht!" Der Greis sah dem Sprecher mitleidig in die Augen. Tränen rannen dem alten Manne die Wangen herab. Mit zitternden Händen löste er das goldene Kreuz von seinem Gewände und legte es abseits auf den Tisch. „Schweigt, Don Manuelo — redet nicht weiter! Kommt, wir wollen Eurem scheidenden Kinde Geleitworte nachrufen. Sprecht mir nach: „Schma isroel adaunoj elauhenu, adaunöj echod!" Mit den letzten Worten hauchte der kleine Jose seine, reine Seele aus--- Als Donna Clara das Gemach betrat, sah sie ihren Gatten mit dem Haupt an die Brust des Priesters gelehnt und beide Männer weinten wie Kinder. Stunden vergingen in stillem Schmerz. Unbeweglich saßen die drei neben der Leiche des Kindes, Und als die Nacht herabsank und die Glocken der großen Kirche ertönten, erhob sich Don Fernando langsam, küßte die geprüfte Mutter und den gebeugten Vater und SDrach in wehmütigem Tone: „Euch hat Gott den Sohn genommen — mir schenkte er einen Sohn und eine Tochter---Ich will Euch schützen, solange meine Augen offen sind, wie ich auch die behüten werde, die für ihren Glauben sterben können---" Der Priester küßte dreimal das schwarze Buch und .befestigte mit zitternden Fingern das goldene Kreuz auf seinem Kleid. „Mit diesem hier will ich von nun an denen dienen, die Fleisch meines Fleisches und Blut meines Blutes sind — so wahr, wie der einzige Gott unser Vater ist —---" Er küßte nochmals die beiden und verließ hochaufgerichtet das Haus.

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