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Die Wahrheit · 1928-08-31 · Heft 35 (31.8.1928) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 35 (31.8.1928)
Date
1928-08-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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iiiiiiniiiiiniiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiw Seite 3 CENTRALKINO Wien II., TaborstraBe 8 - Tel. R 42-3-41 URAUFFÜHRUNG Fritz Längs größter Film SPIONE Beginn der Vorstellungen: 5, 7 und 9 Uhr in gröbster Form als das hinzustellen, was sie wirklich siind. Nur eines sei der „Stimme" ganz energisch gesagt: Die Herren der „Union" haben ihre „gefährdeten Kultusvorstehersitze" nicht aus Eigensucht inne, sondern durch das Vertrauen der Majorität der Wiener Judenschaft erworben. Jeder kehre vor seiner eigenen Tür! Statt aller Gegenargumente sei hier nur das wiedergegeben, was Robert Stricker unlängst in der „Neuen Welt" über die Herren Zionisten der Weltorganisation schrieb: „Wenn Weizmann gehen muß, so müssen alle gehen, die Mitglieder der Partei, denen der Zionismus im buchstäblichen Sinne des Wortes Lebensexistenz ist/' Und noch etwas: In diesem Blatte wurde bereits bald nach der Annahme des Majoritätsantrages betreffend die Bundessubventionen von einem der Mehrheit nahestehenden bekannten Wiener Juristen ausgeführt, daß sich unser Anspruch auf eine Beitragsleistung für die Bedürfnisse der österreichischen Kultusgemeinden in der Hauptsache nur auf unser vollkommen klares und striktes Bundesgesetz, ganz und gar jedoch nicht auf den uns Oesterreichern oktroyierten Staatsvertrag von St. Germain stützen soll. Die Schadenfreude der hier wieder schlecht informierten „Stimme" ist also unberechtigt. Wir nehmen im übrigen mit Befriedigung zur Kenntnis, daß das seinerzeitige Kompromiß „vom damaligen zionistischen Landeskomitee geschlossen" wurde, daß also nicht mehr ein Einzelner, sondern Langsam verließ Don Fernando die Kanzel. Der Chor begann zu singen, die Gemeinde bekreuzte sich und verließ mit gesenkten Köpfen die Kirche. Im Vorbeigehen sah jeder den Minister vor dem Priester knien und den Segen empfangen. Vor einer Seitentüre wartete eine Kutsche, die den Priester und den Minister davonfuhr. „Zum Hause des großen Rates!" befahl Don Fernando, dann lehnte er sich müde in die Polster zurück und betrachtete den schweigsamen Minister. Don Manuelo war verhältnismäßig jung zu hohen Ehren gekommen. Er führte ein sehr enthaltsames Leben im Kreise seiner kleinen Familie. Er hatte Donna Clara, die Tochter eines vornehmen Kaufmannes, geheiratet und besaß in seinem dreizehnjährigen Sohne ein Wesen, das ihn mit Stolz und Hingebung erfüllte. Der kleine Jos6 war das einzige Glück seiner Eltern, die ihn mit großer Liebe umgaben, und in deren Obhut er edlen Herzens und aufrichtigen Sinnes heranwuchs. „Warum so sorgenvoll, Don Manuelo?" fragte der Priester, der die Schatten auf des Ministers Stirne bemerkte. „Ich weiß. Euer Sohn ist krank: aber ist nicht unser aller Leben in Gottes Hand —?" „Euer Gnaden werden mein Schweigen verzeihen", antwortete Don Manuelo. „Mein Herz tut mir weh, denn Unglück ist in mein Haus gezogen. Mein Jos6 ist erkrankt er atmet so schwer. Die Aerzte sagen, es sei keine Gefahr vorhanden — aber das Herz des Vaters läßt sich nicht täuschen — ich habe Angst um Jos6s Leben. Wenn Euer Gnaden gestatten, dann fährt uns der Kutscher an meinem Palazzo vorbei---" „Gern, Don Manuelo". antwortete der Greis. „Befehlt dem Kutscher, vielleicht bedarf Euer Sohn des priesterlichen Segens---" Eine Welle des Unmuts huschte über das Gesicht Don Manuelos, was der Priester nicht bemerkte. „Einen Segen? Ja — er braucht die Hilfe Gottes! Vielleicht erbarmt sich der Himmel und erhält mir meinen Sohn---" Rasch fuhr der Wagen durch die Gassen. Vor einem schönen Hause blieb er stehen. Don Manuelo sprang ungeduldig heraus. „Wenn Euer Gnaden die Güte haben wollten, zu warten die gesamte Parteileitung daran schuld war, wie „Die Stimme", durch unsere Fragen in die Enge getrieben, zugeben muß. Sie wird auch vielleicht noch einmal von ihrer jetzigen Behauptung, daß das Kompromiß von der Majoritätspartei vorgeschlagen worden war, abstehen, denn das ist völlig unwahr. Ferner sollten die Zionisten nicht gar so dieses Kompromiß bedauern, denn alle Welt weiß, daß es ihnen arg bedrohte Mandate gerettet hat, wenn auch „Die Stimme" das nicht wahr haben will. Nur durch dieses Kompromiß waren die Herren — nach der Ueberzeugung eingeweihter Faktoren — in der Lage, in die Kultusstube in einer ihrer politischen Geltung gar nicht entsprechenden Stärke wieder einzuziehen und dort ihre „segensreiche Tätigkeit" zu entfalten. Denn „Die Stimme" — — die beschwerlichen Stufen — das Aus- und Einsteigen ---" Don Fernando wehrte mit der Hand. „Was liegt an mir, wenn es gilt, ein Menschenkind mit d e m zu versehen, was es zur Erlangung der Seligkeit braucht? O, Don Manuelo! Ihr seid ein besorgter Vater — aber ich, der Priester, habe Pflichten. Ich weiß, was mir Don Philippo. der Arzt, anvertraute — — — Seid gefaßt, Don Manuelo, der Ted kommt von Gott---" Ein bitterer Zug legte sich um den Mund des Priesters. Der Minister bemerkte es und biß sich auf die Lippen. Beide stiegen die Treppen hinan. Ein Diener mit verstörtem Gesicht öffnete die Tür: „Don Manuelo. rasch — Don Jose ruft nach Euch! Gott läßt Euch zur rechten Zeit kommen!" Wie wahnsinnig rannte Don Manuelo durch die Gänge des Hauses. Den Priester führte der Diener zur Stube des kranken Kindes. Don Jose" lag in seidenen Kissen mit blutleeren Lippen. Auf dem Bettrande saß weinend seine Mutter und glättete die bleichen Wangen des Sterbenden. Der Vater stürzte sich auf das Bett des Knaben und drückte unter Tränen Küsse auf die feuchte Stirn des Todgeweihten. „Jose\ mein Jose — bleibe bei uns! Verlaß uns nicht, teures Kind! Sieh mich an — erkennst du deinen Vater nicht---?" Der Knabe rührte sich nicht und sah starr ins Leere. Die Mutter, vom Schmerz überwältigt, verließ das Gemach und verbarg weinend ihr Gesicht in den Händen. Der Priester sah bewegt auf die ergreifende Szene und wandte sich ab, um sich zu sammeln. Er sah sich im Räume um. Das, was er sah, erfüllte ihn mit Staunen. Kein Kreuz schmückte das Zimmer, kein Emblem der Kirche war zu sehen. Auf einem Tischchen abseits lag ein großes, schwarzes Buch, das wie eine Bibel aussah, aber das goldene Kreuz fehlte auf dem Deckel. Das Herz des Greises begann schneller zu pochen, seine Augen weiteten sich, seine Hände zitterten; ein kalter Schweiß legte sich auf seine Stirn. Manches erkannte er in diesem Augenblick, woran er bisher achtlos vorbeiging. — Er wollte das Buch ergreifen, einen Schritt vorgehen, aber die Glieder

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