Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 34 (24.8.1928)
- Date
- 1928-08-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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12 mMMmmmmmmmmmmm Die WAHRHEIT ftieiliDtfer i Beutst WIEN I., Sellenstetlengasse 2 Tel. 68-1-28 XI., Zentralf riedhoff, neben dem 1. Tor, Tel. 98-0-85 die Tatsache, daß im Mai bei der Einweihung eines Kriegerdenkmals auf dem Sachsenhausener Friedhof neben den Geistlichen der beiden christlichen Konfessionen auch der Rabbiner Dr. Salzberger gesprochen hatte, zum Anlaß genommen, diesen auf das schwerste zu beleidigen. In dem gleichen Artikel ließ sich Gutterer gröbliche Beschimpfungen der Reichsfarben zuschulden kommen. Das Erweiterte Schöffengericht verurteilte den völkischen Redakteur wegen öffentlicher Beleidigung und Vergehens gegen § 8, Abs. 2, des Republikschutzgesetzes zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß der Angeklagte niemals Frontsoldat gewesen sei, sondern zu Beginn des Krieges noch in der Quarta gesessen habe, während Rabbiner Dr. Salzberger als freiwilliger Feldgeistlicher an der Front das Seelsorgeamt ausübte. Jüdische Siedluagsmöglichkeiten in Südamerika. Der Ehrensekretär von Hias of America, Herr Aaron Benjamin, der gemeinsam mit dem Ica-Generaldirektor Dr. Louis Oungre und dem Emigdirect-Präsidenten Dr. M. Krainin im Auftrage von Hias-Ica-Emigdirect in den letzten drei Monaten die südamerikanischen Länder bereist hat, um die Möglichkeiten einer jüdischen Einwanderung in diese Länder zu prüfen, erklärte nach seinem Wiedereintreffen in New- York, daß Argentinien und Brasilien jährlich 20.000 jüdische Einwanderer aufnehmen könnten, aber nur solche, die sich für die Landwirtschaft eignen oder qualifizierte Handwerker — gesucht werden meist Mechaniker — sind. Für Personen ohne Qualifikation ist in Südamerika kein Platz. Herr Benjamin sprach sich sehr lobend über den Zustand der jüdischen Kolonien in Argentinien aus. Das Kooperativ-System in diesen Kolonien ist sehr hoch entwickelt Die Ica ist bereit, jährlich neue 250 jüdische Familien in ihren Kolonien anzusiedeln. Gut organisiert sind in Argentinien sogar die jüdischen Hausierer, die ein vorzügliches Kooperativ-System geschaffen und für dasselbe ein Zentralgebäude errichtet haben, das eine halbe Million Dollar gekostet hat. Eine Predigt in Esperanto. Fünfzig jüdische Delegierte aus verschiedenen Ländern nahmen an dem Antwerpener Weltkongreß der Esperantisten teil. Zu Ehren der jüdischen Delegierten wurde in der Antwerpener Hauptsynagoge ein feierlicher Gottesdienst abgehalten. Rabbiner Saphra aus Annaberg in Deutschland hielt die Predigt in Esperanto. In der Eröffnungssitzung des Kongresses begrüßte Leiserovitz aus Lodz den Kongreß im Namen der jüdischen Gruppe. Der Kongreß brachte dem Bruder und der Tochter des Esperantoschöpfers Dr. Z a m e n h o f, der bekanntlich Jude war, eine Ovation dar. 'kunrt und Literatur Die „Habimah" in Palästina. Nach mehrjährigen Gastspielreisen in Europa und Amerika gelangte das hebräische Theater „Habimah" nach Palästina. Dieses Land mit seinen noch nicht 200.000 Juden stellte in 50 Vorstellungen der „Habimah" mehr als 70.000 Besucher. Besonders eindrucksvoll waren die Freilichtaufführungen vor Massen. Unter 18 Vorstellungen in Tel-Aviv fanden fünf im Freilicht-Theater des dortigen Beth-Haam (Volkshaus) statt, das fast 6000 Zuschauern Raum bietet. Alle fünf waren ausverkauft. In der Ebene Jesreel, wo sich die meisten der neuen Arbeitersiedlungen befinden, wurden ebenfalls sieben Vorstellungen im Freien gegeben. Aus der ganzen Ebene strömten die Besucher zusammen. In Jerusalem, wo die Vorstellungen von Angehörigen aller Nationen und Konfessionen des Landes besucht waren, löste die Darstellung des „Ewigen Juden", der in Jerusalem spielt, und von seiner Zerstörung handelt, eine tiefe Ergriffenheit aus. Unter der Leitung des bekannten Moskauer Regisseurs Diky, eines Stanislawsky- Schülers, werden zunächst zwei neue Stücke in Palästina studiert: eine große jüdische Volkskomödie und ein Drama biblisch-palästinischen Charakters. Die Erstaufführungen sollen im späten Herbst in Palästina stattfinden, von wo sich dann das Theater wieder auf eine Gastspielreise nach Europa begibt. Paneuropa-Zeitschrift. Heft 6, IV. Jahrgang. Paneuropa- Verlag Wien I. Preis Mk. 0.60, S 1.—. Das jüngste Heft des offiziellen Organs der Paneuropa-Bewegung bringt nebst dem politisch bedeutsamen Offenen Brief Coudenhove- Kalergis an den Reichskanzler Hermann Müller, einen Aufsatz aus Coudenhoves Feder: China und Europa, der bis in den tiefsten Kern der großen Bewegung im fernen Osten dringt und Zusammenhänge enthüllt, die für die chinesische Einigungsbewegung ebenso gelten wie für das erwachende Einigungsstreben Europas. — Ein Paneuropa-Entwurf aus dem 18. Jahrhundert eines Großoheims von Goethe, mitgeteilt von Prof. L. W o h 1 e b (Freiburg) gibt uns ein Bild aus der Urgeschichte der Paneuropa-Bewegung, wo noch nicht die Staaten, sondern die Dynastien Europas und deren Höfe den Zusammenschluß vollbringen sollten. Freilich war da das Problem des Zeremoniells „in Rücksicht des Vortritts der Gesandten" zumindestens ebenso wichtig wie die Fragen des Handels und der Schiedsgerichte. — Zwei verstorbenen Führern der Paneuropa-Bewegung: dem deutschen Staatssekretär G o e h r e und dem bulgarischen Unterrichtsminister Schischmanov widmet Coudenhove einen warmen Nachruf. — Die sehr instruktive Politische Chronik von Hans Z e h r e r und die den gegenwärtigen Stand der Bewegung wiederspiegelnde Presse-Chronik, sowie Berichte des Zentralsekretariates bilden den Abschluß dieses empfehlenswerten Heftes. Zedakah. Nach längerem Zwischenraum ist wiederum eine Nummer der Zedakah, Zeitschrift der jüdischen Wohlfahrtspflege, erschienen. Das umfangreiche Heft (51 S.) gibt eine Ueberschau über das letzte Jahrzehnt und die gegenwärtige Lage jüdischer Wohlfahrtspflege in Deutschland. FtE ISCHH AUEREI^ SIEGMUNP KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVHI., WÄHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. A 17-349 and A 16-3-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilung für Koscherfleisch II., Iiqiassi IS lnd XVIII., lihFinoirstFBlB 87 mter Aufsieht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen f G«2$chttfiseriftffnung f »n £gros en detail in großer Auswahl Konkurrenzlos in Qualität und Preis; Z35^^pe^e^==£ reelle Bedienung Leo Sdioffen, Wien XIV, Braanhlrsdieiigasse 21/11 liederläge und Dampfreioigung: Mattersburg ,Burgeniand, Telephon 38 Provinzversand. — Samstag und israel. Feiertage geschlossen.