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Die Wahrheit · 1928-08-24 · Heft 34 (24.8.1928) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 34 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT nMnimiiniiiiiiiiiiiiniiim Seit« 11 Wcdid%dfaivcm%%Q Alte Gespenster. Im Frankfurter „Jüdischen Wochenblatt" schreibt Diplomat icus unter diesem Titel folgende „Glosse": Der heutige Judenhaß in Deutschland, der modern und wissenschaftlich sein will, vermag nicht einmal neue Formen zu schaffen. Die Liebe ist fruchtbar, der Haß konnte nie Schöpferisches hervorbringen. Unsere Völkischen haben sich einen neuen Namen zugelegt, ihre Ideen aber muten echt mittelalterlich an. Selbst ihr Verdummungszeichein, das Hakenkreuz, Ist nicht nur alt, sondern sogar — o Schmerz, laß nach! — orientalischen Ursprungs. Als der alte Hasser Eugen Dühring mit seinem, reichen Wissen zum Apostel der Judenfeinde wurde, glaubte man, er werde neue Gedanken oder wenigstens neue Wege zum altem Ziele finden. Aber auch er konnte nur den Beweis erbringen, daß die Vernunft da aufhört, wo 'der Antisemitismus anfängt. In seiner blinden Wut gegen alles, was nicht abgestempelt judenfeindlich ist, wirkte er zuletzt grotesk. Es war ein Jammer, zu sehen, wie dieser große Wissenschaftler alles verzerrte und in seinen Schlußfolgerungen geradezu lächerlich wurde. Seine Jünger von heute treiben es noch schlimmer. Sie behaupteten zuerst, die „Gefährlichkeit" der Juden läge im Blute, die jüdische Religion gehe sie nichts an. Und zur Sanktionierung dieser Theorie nahmen sie den Kampf gegen die Bibel auf, erhoben den alten Wotam auf den Götterthron und schändeten jüdische Gräber. Ihre Literatur ist die geistige Sahara — Sand und Wmid. Man sucht da vergebens nach einem halbwegs neuen Gedanken. Es sind die alten Weisheiten im alten, spezifisch antisemitischen Jargon. Ist es Torheit oder Bosheit, anormales Denkvermögen oder unehrliche Verschleierung niedriger Triebe? Das zu untersuchen, mag eine interessante Aufgabe für den Psychopathologen sein. Wir aber fühlen uns angewidert von dieser häßlichen Erscheinung einer Zeit, die auf ihre Aufklärung so stolz ist. Wenn man dem Menschen von heute zumutet, das alte Pamphlet „Die Weisen von Zion" als geschichtliches Dokument hinzunehmen, wenn man neuerlich sogar wieder das Ritualmärchen, diese Sumpfblüte finsterster Zeiten, ausgräbt und damit paradiert, dann wendet sich der gesund denkende Mensch mit Schrecken ab von dieser traurigen Verirrung der menschlichen Seele. Wir Juden sind: Optimisten von Natur, wir glauben an den Fortschritt der Menscimedt. Aber wir wissen auch: er bewegt sich nicht auf gerader Bahn und macht häufig wilde Sprünge. Der ethische Flortischritt hat leider selten gleichen Schritt mit jier Kultur gehalten. Die Mission in höchster Blüte. Dieser Tage wurde in Hamburg die zweite Weltkonferenz des Internationalen Bundes der Juden-Christen abgehalten. Anwesend waren Vertreter der judäisch-christlichen Bünde in Amerika, Großbritannien, Deutschland, Holland! usw. Außer etwa 300 Juden-Christen beteiligten sich auch zahlreiche Nichtjuden an den Beratungen. Der Präsident des juden-christlichen Weltverbandes, Sir Leon Levisoti, führte den Vorsitz. Referate hielten Rev. Max Reich (Amerika), Rev. E. Bebdor Samuel (London), Rev. Peter Smoljar (Riga), Rev. S. R o h o 1 d (Palästina), Rev. Nahum L e v i s o n, Hugh Schoenfeld, Rev. L. Rosenberg, Dr. A. P. Gold- Levison u. a. m. Rev. J. L. Lands man sprach über „Was ist Judentum', Pastor K u n e r t über „Was ist Christentum". Interessant ist in der Teilnehmerliste der Abgesandte aus Palästina. Die Ausbreitung der Mission im Lande unserer Väter gibt überhaupt zu den größten Besorgnissen Anlaß. So äußerte sich zum Beispiel erst unlängst der Wochenplauderer des „Jewish Chronicle", der unter dem Namen „Mentor" schreibt, wie folgt: „Geschieht etwas in Palästina, um der Mission entgegenzutreten? Ich höre von nichts Wesentlichem, während anderseits vieles, was in Palästina von den Juden selbst geschieht, geeignet ist, die Abwendung vom jüdischen Glauben zu ermutigen und anzueifern, so daß die Juden eine leichte Beute des christlichen Einflusses werden. Es gibt eine große Zahl von Juden in Palästina, sogar solche, die aktiv an der zionistischen Arbeit in Palästina beteiligt sind, manche sogar, deren Tätigkeit sich auf dem lebenswichtigen Gebiete der Erziehung abspielt, die jüdische Lebensführung und jüdische TJeberlieferung mit der gleichen Energie v;e,rdamjmen, wie dies manche ihrer Landsleute in ihrem Heimatlande Rußland tun. Kein Wunder, daß unter diesen Umständen die Bekehrer reiche Ernte einheimsen können in dem Lande, das sie als heilig betrachte n." Ein- und Auswanderung in Palästina. Wie aus Jerusalem mitgeteilt wird, sind im Monat Mai dieses Jahres 287 Einwanderer, unter ihnen 223 Juden nach Palästina gekommen. In dem gleichen Monat wanderten 312 Personen, unter ihnen 264 Juden, aus dem Lande aus. Die Auswanderung übersteigt also die Einwanderung nach wie vor um ein Beträchtliches. Dabei liest man im zionistischen Blätterwalde fortwährend von einer „Konsolidierung der Verhältnisse" in Palastina. Da wird wohl mehr der Wunsch der Vater des Gedankens sein. Werden gegen diese anhaltende Krise die schönsten Jewish Agency-Beschlüsse etwas nützen? Wir glauben nicht. Rumänien ohne Antisemitismus? Bei einem Bankett der Union rumänischer Juden hielt der rumänische Gesandte in Washington eine Rede, in der er seiner festen Ueberzeugung Ausdruck gab, daß in Zukunft keine rumänische Regierung irgendwelche Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung im Lande zulassen wird. Die Vorschläge und Anregungen, die ihm von einer Abordnung der Union rumänischer Juden unterbreitet wurden, hat er an seine Regierung weitergegeben, die sie „mit Wohlwollen prüft". Die Botschaft hör' ich wohl, allein... Der Renesat Der Disziplinarsenat des Oberlandesgerichts Breslau verhandelte in öffentlicher Sitzung gegen Landgerichtsrat Geil in, einen getauften Juden, der, wie erinnerlich, im März d. J. wegen öffentlicher Beleidigung, des demokratischen Abgeordneten Herrmann und unflätiger antisemitischer Aeußerungen in einem öffentlichen Lokal sowie auch wegen beleidigender Aeußerungen gegen die republikanische Regierung zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt worden war. Der Staatsanwalt beantragte Dienstentlassung, weil sich Gellin durch sein Verhalten als Richter unmöglich gemacht habe. Der Senat erkannte auf Strafversetzung und 300 Mark Geldbuße. Antisemitismus in den Ostseebädern. „Der Abend" des Berliner „Vorwärts" gibt eine ausführliche Schilderung vom Treiben der Hakenkreuzler in den deutschen Ostseebädern Zinnowitz, Brunshaupten, Lubmin, Kölpinsee usw. Von den Strandkörben werden die schwarzrotgoldenen Fahnen gestohlen, antirepublikanische und antisemitische Lieder werden gesungen. In Zinnowitz spielt die Kurkapelle die Melodie „Hipp hipp, hurra!", wobei der Text von den Gästen mitgebrüllt wird. Der Refrain dieses „Liedes" lautet: „Und wer da naht vom Stamm Manasse, — Ist nicht begehrt, — Dem sei's verwehrt, — Wir mögen keine fremde Rasse! — Fern bleibt der Itz — Von Zinnowitz!" Der Held. Der verantwortliche Redakteur der völkischen Wochenschrift „Der Frankfurter Beobachter", Leopold Gutterer, hatte Außerstande, uns bei jedem einzelnen Teilnehmer an dem Leichenbegängnisse unseres verunglückten Sohnes Jakob zu bedanken, sprechen wir auf diesem Wege allen Teilnehmern unseren tiefgefühlten Dank aus. Ganz besonders danken wir dem verehrlichen Vorstande und den Herren Funktionären des Jösefstädter Tempelvereines für die innige Anteilnahme an dem schweren Schicksalsschlage, der uns getroffen. Nochmals Allen herzlicher Dank! Wien, im August 1928. Filip Schlatyner Helene Schlatyner Sekretär des Josefstädter Tempel- Mutter Vereines Auguste Schlatyner, cand. jar. als Vater als Schwester

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