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Die Wahrheit · 1928-08-24 · Heft 34 (24.8.1928) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 34 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Pimnnnnn^ OJE WAHRHEI1 in dnnerjüdischen Fragen durchaus unparteilich sein. Er hat es ausdrücklich abgelehnt, etwa eine Tendenzschnft für irgendeine Richtung im Judentum zu verfassen. Dagegen hat das Judentum selten eine so warmherzige Würdigung, eine so zu Gemüt gehende und klare, bei aller Kürze so erschöpfende Darstellung gefunden, wie in diesem Briefwechsel. Wenn so und so oft zu Unrecht gesagt wird, man solle ein Buch jedem heranwachsenden Menschen in die Hand geben, so glaube ich hier mit Recht sagen zu können: Dieser Briefwechsel gehört in jedes jüdische Haus. Ludwig Holländer. * Geehrter Herr! Verargen Sie es mir nicht, wenn ein mir zu Ohren gekommenes Gerücht mich veranlaßt, eine Frage an Sie zu richten, deren Beantwortung von Ihnen natürlich abhängt. Sie werden hoffentlich in der Frage lediglich ein lebendiges Interesse an einer hochwichtigen Angelegenheit und zugleich die hohe Achtung für Sie selbst erkennen. Wenn mancher in unsern und vergangenen Tagen dem Judentume untreu geworden und sich dem Christentume zugewendet hat — und daß Sie gleichfalls zu einem solchen Schritte entschlossen seien, ist eben das Gerücht, von welchem ich spreche, — so waren die Motive offen zu erkennen; der Schritt war erklärlich, wenn ich ihn auch nicht billigen konnte. Den einen veranlaßte dazu das Verlangen, eine Laufbahn einzuschlagen, welche dem Juden versagt ist, den anderen trieb die Eitelkeit, die Sucht nach Standeserhöhung und Titel, nach einem geselligen Umgange, den er von ferne betrachtet ais sehr glänzend ansah. Beides, weiß ich, bestimmt Sie nicht. Ihr Standpunkt in der Gesellschaft ist ein solcher, daß Sie durch einen Religionswechsel darin keine Aenderung bewirken, daß Sie überhaupt einet solche Aenderung nicht zu verlangen brauchen; Sie sind aber auch viel zu achtbar und genießen zu viel wahre Achtung, als daß kleinliche Eitelkeit Ihre Entschließungen bestimmen könntet Für einen Mann wie Sie bliebe nur ein Grund, aber auch ein vollkommen genügender, nämlich der gewonnene Glaube an die Wahrheit des Christentums. Wenn Siei von der Göttlichkeit dieser Lehre überzeugt sind, an die Dogmen des Christentums, an die Gottheit Jesu, an die Dreieinigkeit, an die dem Menschen eingeborene Sündhaftigkeit, welche nur durch den Kreuzestod Jesu und durch den Glauben an dessen erlösende Kraft getilgt werden kann, wahrhaft glauben, die Ueberzeugung gewonnen haben von dem stets sich erneuerndem Bunde mit dem „Heiland der Welt" durch den Genuß seines Leibes und Blutes im Abendmahle: dann freilich ist es auch Ihre Pflicht, zu diesem Glauben überzutreten. Einer solchen redlich erworbenen Ueberzeugung würde ich auch nicht entgegentreten, wenn ich auch sehr weit entfernt bin, sie zu teilen; ich würde Ihren so durch das innerste Gewissen motivierten Schritt ehren, wenn ich auch nicht aufhören könnte, ihn zu bedauern. Allein gerade hierüber hege ich Bedenken, es ist mir, soweit mir Ihre Anschauungsweise bekannt ist, nicht wahrscheinlich, daß Sie dieser religiösen Richtung huldigen, und ich habe ein so volles Vertrauen zu Ihrer Offenheit und Wahrhaftigkeit, daß ich, falls Sie mich einer Antwort würdigen, auch eine unzweideutige Erklärung darüber zu erlangen sicher bin. Erklären Sie mir, ein gläubiger Christ zu sein, nun, so hat mein Fragen ein Ende; Sie bleiben in meinen Augen ein achtenswerter Mann, der nur seinem Gewissen und ■ TTeilbüd (Heisenberg! | Steiermark | ■ Station: Kurzeit: ■! Feldbach-Bad Gleichenberg Mai—Oktober ■ ■ Heflanzeigant Luftröhre, Bronchial- und Lungenspitzenkatarrhe, ■ ■ Asthma, Emphysem, Herzmuskelerkrankungen, ■ ■ Nervenleiden usw. 5 I Kurmittel: Natürliche Kohlensäurebäder, pneumatische Kam- | Z mern, Quellsole- und Fiditennadel-Jnhalationen, m I Kaltwasserkuren, Sonnenbäder, elektrische Licht- ■ S bäder. künstliche Höhensonne m ■ Berühmte Heilquellen: Konstantin- und Emmaquelle ■ | Ausgezeichnetes Tafelwasser: Johannisbrunnen | ■ Gute Verpflegung! Mildes Klima! | ■ Auskünfte durch die Kurkommission ■ kernen äußern Rücksichten folgt, wenn auch sein Gewissen einen wesentlich von dem meinigen verschiedenen Inhalt hat. Ist dies aber nicht der Fall, wie ich vermute, was soll dann die Rechtfertigung dieses äußerlichen Glaubenswechsels sein, was die Veranlassung dazu? Sie sind nicht leichtfertig, um mit der Religion zu spielen, sind auch viel zu ehrenhaft, um eine Genossenschaft, mit deren Gesamtheit und deren, einzelnen achtbaren Gliedern Sie in vielfacher Beziehung gestanden haben, durch die Abwendung von ihr verletzen zu wollen. Was ist nur Grund und Ursache dazu? Ich bitte Sie inständigst darum, sprechen Sie offen mit mir, und glauben Sie mir, daß Sie mir eine wahre Beruhigung verschaffen, wenn Sie mir unverhohlen Ihre Motive mitteilen; die Betrübnis über Ihren Verlust muß und werde ich überwinden, aber das unheimliche Gefühl einer dunkel wirkenden Kraft würde weit schmerzlicher an mir nagen. Ich wiederhole es, nur die Achtung für Ihre Persönlichkeit treibt mich zu diesem Schreiben. Das Judentum, davon sind Sie wohl überzeugt, sollten Sie ihm auch wirklich den Rücken kehren, geht nicht unter, wenn auch mehr als einer, noch so einflußreich durch Vermögen oder sonstwie, sich ihm entzieht; auch die Gemeinde wird von dem Verluste an sich nicht so hart betroffen. Aber das schmerzliche Gefühl, welches den Menschen ergreift, wenn ein ihm lieb gewordener Freund sich ihm entzieht, ist ein so natürliches und so edles, daß Sie sich durch meine Frage nicht verletzt fühlen können, sie nicht als Zudringlichkeit betrachten werden. Ich müßte freilich im Bewußtsein, nur einer Pflicht genügt zu haben, auch diese Verkennung überwinden; doch wird es mich sehr freuen, wenn Sie mir diesen Kampf ersparen, und beglückt würde ich mich fühlen, wenn ich von Ihnen erfahre: das Gerücht hat gelogen! Genehmigen Sie usw. * Antwort. Geehrter Herr! Sie haben mich durch die Teilnahme, welche Sie meiner Person beweisen, durch Ihre Offenheit und durch die Wahrheitsliebe, welche Sie mir zutrauen, in hohem Grad geehrt; ich will daher auch Ihres Vertrauens nicht ganz unwert sein und Ihnen gleichfalls eine offene Antwort geben. Das Gerücht lügt nicht; ich bin im Begriffe, zum Christentum überzutreten, und hier meine Gründe: Ich bin kein Jude, ich war kaum je ein solcher gewesen, das Judentum bietet mir nichts als höchstens — das Märtyrertum, das alle Juden tragen; zum Märtyrer aber fühle ich keinen Beruf in mir. Und warum sollte ich gar, ohne ihnen irgendeinen Ersatz dafür zu bieten, dieses Märtyrertum auch auf meine Kinder übertragen? Meine Kinder aber im Christentume zu erziehen und selbst äußerlich im Judentume auszuharren, wäre doch eine Halbheit, die Sie gewiß noch weit weniger billigen würden. Besser also, ich tue den Schritt auch äußerlich, der doch eigentlich innerlich schon längst vollzogen ist. Denn das Bekenntnis, welches ich bei meinem Uebertritt ablegen werde, kann ich mit gutem Gewissen ablegen und es wird nichts enthalten, was meiner religiösen Ueberzeugung entgegen ist. Daß ich es mit dem Religionswechsel nicht leichtsinnig nehme, nicht den Glauben ablege wie ein Kleid, wenn es mir unbequem wird, beweise Ihnen, daß ich den Gedanken schon jahrelang in mir herumtrage und es nicht wie andere mache, die ihn, kaum daß sie ihn ergriffen, auch rasch ausführen. Ebenso weüt bin ich daher entfernt, die Juden mit meinem Austritte verletzen zu wollen; es würde mir leid sein, wenn es so aufgefaßt würde, und hoffe ich auch, daß dies nicht der Fall sein werde. Mein Umgang ist. ein kleiner, und die wenigen Personen, mit denen ich bisher verkehrt, werden mich hoffentlich auch künftig umgeben. Wenn Sie mich näher kennen würden, so würden Sie auch glauben, daß ein sonstiges Motiv diesem Schritte nicht zugrunde liegt. Genehmigen Sie usw. (Fortsetzung folgt.) Gute fii«Mscn«2 Kl. Famiii«» nimmt 55 Söhne oder Töchter in rc?ichl. Pension. Familienanschl., Teleph., Bad, Klavier. Preis entgegenkommend. Wien IX., Türkenstraße 8, Freistadt.

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