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Die Wahrheit · 1928-08-24 · Heft 34 (24.8.1928) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 34 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT MMin^^ Seite 9 Wollen Sife »Chr ipClSen?? Versuchen Sie die seit 60 Jahren bestehende Telephon R 42-3-70 und heslrenommlerte *wd Küche im Telephon tt 42-3-10 HOTEL-RESTAURANT „QUTH" -—^ ™ Arrangiert jedes festliche Ereignis, in jeder Preislage in und außer Hause unter Beistellung von geschultem Personale und vollständigem Service Prachtvolle geräumige saie lor Hochzeiten, vereine and Gesellschaften Verwendung von nur Prima Gansfette — Mittags« und Abendmenfi zu S 2*20 und S 3*20 Palästinaweine vom Faß Zum Besuche ladet höflich ein Schwechater Bier josel Giith, Hotelier und nestaurateiir verlassen hatte. Und die blondhaarige, blauäugige Heldin hatte noch dazu im ersten Moment, ohne erst kritische Farbenstudien anzustellen, eine schwarzweiß-rote Fahne geschwungen! Kein Zweifel also, es war eine Antisemitin, die in Amsterdam dem deutschen Namen hohe Ehre gebracht hatte! Ein völkisches Blatt, das nie und bei keinem Anlaß aus seiner grimmigen Fechterstellung gegen das Judentum heraustritt, hat sofort den Sieg der Antisemiten mit einer Beschimpfung der Juden zu verbinden gesucht. Freudetrunken schrieb das Blatt u. a.: „Hochachtung vor diesem blonden deutschen Mädel, das inmitten der schwarzhaarigen Mischpoche, die in Amsterdam den Ton anzugeben sich bemühte, sich treu zu ihrer Gesinnung und zum verratenen und verfemten Schwarz-Weiß-Rot bekannte." Diese Huldigung für das „blonde" Mädel mit dem Hohn gegen die schwarzhaarige „Mischpoche" ist aber nachträglich in seltsame Beleuchtung gerückt worden. Wie die „C. V.-Zeitung" feststellt, ist nämlich die blondhaarige, blauäugige Helene Mayer die Tochter eines treu zum Judentum sich bekennenden Mannes, des Dr. Mayer aus Offenbach, eines eifrigen Mitgliedes des Centraivereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. * * * Die Völkischen dürften übrigens mit Fassung das Hohngelächter, das diese Feststellung auslöst, über sich ergehen lassen. Trotzdem sie es durch unausgesetzte Uebung in der Rassenschnüfjfelei zu einer gewissen Meisterschaft gebracht haben, wissen sie doch, daß sie vor massenhaften Mißgriffen nicht gefeit sind. Aber sie wissen auch, daß ihnen das nicht im geringsten schadet. Ist ihr größter Literarhistoriker Bartels nicht mit dem Aufgebot seiner ganzen Autorität sogar dafür eingetreten, daß Hermann Bahr die reinste Verkörperung des unverfälschten semitischen Geistes bedeute? Das war doch noch ein ganz anderes Stück als ein blondhaariges, blauäugiges Mädchen für eine Nichtjüdin zu halten! Nein, nein, die Antisemiten aller Couleurs können beruhigt sein, wenn auch für sie das Wort Geltung hätte, daß die Lächerlichkeit tötet, gäbe es in der Welt keine Antisemiten mehr. Die letzten Antisemiten hätten sich zwar noch für Geld! zeigen lassen können, aber Zeitungen hätten sie keine mehr herausgegeben. * * * An dieser Stelle habe ich vorige Woche aus dem „Hammer" die ebenso ungeheuerlichen wie gefälschten Aeußerungen wiedergegeben, die dieses Antisemitenblatt einem Führer der Wiener Sozialdemokraten in den Mund legt, um die Juden zu beschimpfen. Ich muß aufrichtig gestehen, daß ich inzwischen die Erfahrung gemacht haben, daß von dem „Hammer" Aeußerungen zitiert werden, die an Ungeheuerlichkeit alles überbieten, was die kühnste Phantasie erdichten könnte. Da lese ich unter anderem: Im „Hammer" Nr. 246 vom September 1912 sei unter anderen folgende Stelle enthalten: „Wer wird dem Letzten der Hohenzollern, die sich nun trotz aller Lehren der Geschichte in die Häuser und an die Tafeln der Hebräer verirrt haben, das letzte Geleite geben? Wird es das Geleit zum Reisewagen sein? Oder das Geleit an jenen Wagen, auf welchem Ludwig XVI. auf seine letzte Reise geschickt wurde? Gott allein weiß es, wir wissen nur, daß die Tage der Monarchen gezählt sind, die sich mit Juden einlassen." Das soll der „Hammer" den Hohenzollern prophezeit haben, fragt man ungläubig und denkt im ersten Augenblick, das könne denn doch nur ein bis zur Besinnungslosigkeit fanatisierter Gegner des Blattes diesem fälschlich zugeschrieben haben. Doch nein, der Gedanke an eine Fälschung ist ausgeschlossen. In der Nummer des „Hammer" vom 15. August 1928 wird ausdrücklich betont, daß diese „freimütigen Worte" in der Nr. 246 vom Jahre 1912 veröffentlicht worden waren, aber „damals nirgends Beachtung fanden". Das ist wirklich zum Staunen. Das hätte der Staatsanwalt im Jahre 1912 den Hohenzollern prophezeien lassen! Ego. Ueber den Austritt aus dem Judentum*). Ein Briefwechsel von Abraham Geiger. Zur Einführung. Abraham Geiger hat im Jahre 1858 im Verlag der Buchhandlung von Otto Wigand in Leipzig ein Büchlein veröffentlicht, das er Ueber den Austritt aus dem Judentum Ein aufgefundener Briefwechsel**) benannte. Der Inhalt ist im bestien Sinne modern. Wie Geiger selbst an anderer Stelle hervorhebt, will er in dieser Schritt *) Der hier wiedergegebene Briefwechsel' ist im Jahre- 1924 erschienen im Phil o-Verl ag, Berlin SW 68. **) Abgedruckt im ersten Bande von Abraham Geigers Nachgelassenen Schriften, Seite 213 ff. NANCY (France) 7 Rue Emile Galle* Israelitisches Mädchenpensionat Mme. J. Weill Aron, Vorsfh.

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