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Die Wahrheit · 1928-08-24 · Heft 34 (24.8.1928) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 34 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seit« 8 iimrnmfnmnnwrinnH^ DK WAHRHEIt ' I: ständliche Forderung, daß derselbe Staat sich für ihren Schutz, für . ihre Ehre, für ihre politische, religiöse und wirtschaftliche Freiheit im Einklang mit der Reichsverfassung weit mehr einsetzt denn bisher. Und sie wünschen das nicht nur um ihretwillen. Das Ansehen ihres Vaterlandes, das Bestreben, ihm -zu dienen, .seine Achtung im Rate der Völker zu mehren, ist mitbestimmend für diese Forderung der deutschen Judenheit!" Wir veröffentlichen nachstehend Auszüge aus der Rede des Herrn Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d, die er anläßlich des deutschen Verfassungstages im Seitenstettentempel gehalten, indem wir damit die freundnachbarlichen Beziehungen zwischen österreichischer und deutscher Judenheit hervorheben wollen: „Der festliche Anlaß, dem wir heute wieder Worte freundschaftlicher Würdigung widmen, gewinnt in diesem Jahre besondere Weihe und Bedeutung. Wir stehen unter dem frischen Eindruck der gewaltigen Kundgebung des deutschen Verbrüderungswillens, des Sängerfestes, das Hunderttausende deutscher Männer und Frauen in den gastlichen Mauern unserer Stadt vereinte. In den verschiedensten Tonarten wurde in Wort und Schrift und Lied verkündet und bekräftigt das Bekenntnis zur deutschen Geistesgemeinschaft, die man zu einer Arbeits- und Lebensgemeinschaft Deutschlands und Oesterreichs verdichten und verinnerlichen will. In allen diesen Festreden und Leitartikeln vermißte ich aber einen durchaus zeitgemäßen Hinweis darauf, daß bereits vor sechzig Jahren hier in Wien ein solches deutsches Verbrüderungsfest gefeiert wurde, das deutsche Schützenfest 1868, zwei Jahre nach dem unglückseligen deutschen Bruderkriege, zwei Jahre vor dem Kriege, der zur Gründung des deutschen Reiches geführt hat. Damals galt es Wunden zu heilen, die Deutschland und Oesterreich sich gegenseitig geschlagen hatten. Diesmal aber dachten wir an andere Wunden. Nicht sowohl die, die an den Weltkrieg gemahnen, als an die. die Deutschland sich selber schlägt durch den Streit der Parteien und die konfessionelle Verhetzung, Wunden, um so beklagenswerter und verhängnisvoller, je schwerer der äußere Druck, der auf Deutschland lastet. Und doch braucht kein Volk den inneren Frieden dringender als die Deutschen, weil sie ein Volk der Arbeit sind. Ohne Frieden keine gedeihliche Arbeit, für redliche Arbeit kein schönerer Lohn als der Friede. Wenn wir ein altes jüdisches Wort („Wie die Arbeit, so der Lohn") auf Deutschland anwenden, dann verdient es, wie wohl kein zweites Volk den höchsten Lohn, den Frieden . . . Vor wenigen Wochen war ich wieder in Weimar, an den Stätten, an denen die Männer gewirkt, die den höchsten Stolz des Deutschen bilden. Als Jude sah ich manches, was andere nicht beachten. Vor Jahresfrist bemerkte ich im Frankfurter Goethe-Haus Erinnerungen an den mächtigen Einfluß, den auf Deutschlands größten Geist der jüdische Brillenschleifer von Amsterdam ausgeübt hat. Ich sah die Ankündigung der Uraufführung von L e s s i n g s „Juden" und vor allem ein Lesezeichen, das der junge Goethe dem Fräulein von Klettenberg, der „schönen Seele", gewidmet hat. Es trägt von Goethes Hand in hebräischer Schrift das Psalmenwort: „Ich habe Gott stets vor Augen." Und nun fand ich in Weimar, was mir selbst früher entgangen war, im Goethe-Museum eine sehr beachtliche Bleistiftskizze Goethes aus der römischen Zeit, gewidmet von einem bekannten jüdischen Goethe-Verehrer (Alexander Meyer-Cohn. Berlin). Dann stand ich am Sterbebett des großen Dulders, der dem deutschen Idealismus Flügel gegeben, die nichts lähmen kann, und blickte auf den Schreibtisch Schillers. Da lag das Manuskript einer Szene aus dem Demetrius und daneben ein philosophisches Werk Moses Mendelssohns. Alles Kleinigkeiten. Unter ihrem Eindrucke regte sich aber in mir der Wunsch: Daß doch alle Deutschen erkennen möchten, wie so manche der Quellen, aus denen deutscher Geist und deutsche Arbeit gespeist werden, jüdischen Ursprungs ist, und daß doch diese Erkenntnis dazu beitragen möchte, dem deutschen Volke den unentbehrlichen inneren Frieden zu geben . . ." Qlerreiv. Die Frage der Ernennung eines Direktors der Augenklinik des St. Johann-Spitales in Salzburg erregt die öffentliche Aufmerksamkeit. Diese Stelle ist, wie das Gesetz vorschreibt, richtig in der „Salzburger Bundeszeitung" ausgeschrieben worden und man muß zugeben, daß formell auch dem Gesetze dadurch entsprochen wurde, daß in dieser Ausschreibung ein Hinweis auf die Konfession oder die parteipolitische Stellung des Bewerbers nicht gefordert wird. Aber es gilt bereits heute als feststehend, daß diese Stelle, um die sich ein wissenschaftlich hervorragender Hochschullehrer, der als Leiter einer Universitätsklinik große Autorität genießt, beworben hat, nicht diesem, sondern einem Herrn zufallen soll, der sich weniger auf wissenschaftliche Leistungen als auf die schwerwiegende Tatsache berufen kann, daß er schon als Student Mitglied einer christlichsozialen Verbindung war. Selbst Laien dürften überzeugt sein, daß man bei der Besetzung von Lehrstühlen an der Universität, auch wenn es sich nicht um die Augenheilkunde handelt, in erster und letzter Linie ausschließlich auf die Befähigung und nicht auf ganz nebensächliche Dinge wie es der Zufall der Geburt oder die politische Gesinnung ist, sehen dürfte. Selbst die von den alleinseligmachenden christlichsozialen Prinzipien beseeltesten Politiker sollten sich vielleicht vor Augen halten, daß sogar zahlreiche Päpste, da ihr leibliches Wohlergehen in Frage kam, jüdische Leibärzte wählten. Bei der Behandlung von Krankheiten kommt es wirklich weniger auf die religiösen Bekenntnisse als auf die wissenschaftlichen Kenntnisse an. * * * Bei der Olympiade in Amsterdam siegte als Weltmieisterin im Florettfechten die Primanerin Helene Mayer aus Offenbach. Man könnte es begreifen, daß die deutsche Presse den Erfolg einer Deutschen gebührend feierte, ohne sich erst um nähere Mitteilungen über Religion, Abstammung, politische Parteistellung und sonstige Familienverhältnisse der Siegerin zu kümmern. Die völkische Presse aber verfiel bei dieser Gelegenheit in einen wahren Taumel der Begeisterung. Man hatte nämlich festgestellt, daß Helene Mayer nicht nur als Preisträgerin, sondern auch im Besitze blonder Haare und hierzu vorzüglich passender blauen Augen den Kampfplatz 1 ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■nai 3 KleiderkreditZaUbar elnes 8 Sämtliche Herren- und Damenkleider 5 Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. 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