Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 34 (24.8.1928)
- Date
- 1928-08-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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StKe 4 pHHHJHiiMMiiHM DIE WAHRHEIT doch die Theatermache der Poale Zion, in der kein Genosse mit klangvollem Namen mittut, eine ernstere Sache für die Herren? Beinahe hätten wir es vergessen, ein Genosse mit klangvollem, ja sogar glänzendem Namen tut noch bei der „Theatermache der Poale Zion" in leitender Stellung mit: Kultusrat Dr. Rudolf Glanz. Der wurde denn auch, nachdem er am Delegiertentag noch die Ehre hatte, den Bericht der Kultusmandatare zu erstatten, prompt sechs Wochen später aus der Leitung der Ortsgruppe Währing der „Werktätigen" hinauskomplimentiert, „da Poale Zionisten vollständig ausgeschaltet werden müßten". Dr. Glanz ist derartige Komplimente schon gewöhnt; er wurde ja auch vor den letzten Kultuswahlen aus der zionistischen Organisation, der er früher angehört hatte, ausgeschlossen. Aber ein Glück ist es, daß die Funktionsdauer des Kultusvorstandes zu Ende geht, sonst hätten wir es noch erlebt, daß die Herren Genossen selbst dort gegeneinander losgehen! Auch das ist noch nachzutragen: Die eben erwähnte Währinger Versammlung ist nur eine der vielen in der letzten Zeit stattgefundenen Versammlungen der Ortsgruppen der „Werktätigen", in denen — wohl statt der nicht mehr so recht ziehenden Referate von aus dem Judentum ausgetretenen prominenten Sozialdemokraten — der „Kampf gegen die Poale Zion" temperamentvoll behandelt und regelmäßig eine gewiß schon vorher bestellte Resolution für die Exekutive I (Dr. Bader) und gegen die Exekutive II (Dr. Glanz) „einstimmig" angenommen wird. Zum Schlüsse noch ein Detail aus diesem lieblichen Bruderkampf: Leo Rath schrieb unlängst in der „Jüdischen Volkszeitung" wörtlich, und er muß es ja wissen: „Wir werden die Poale Zion in kürzester Zeit zwingen, offen Farbe zu bekennen, vielausblieb. Sie fanden ihn traurig und: krank und waren därob sehr betrübt. Sie Keßen seine Frau kommen und erst diese nahm -ihn mit sich nach Hause. Sie ließ die größten Aerzte kommen, aber keiner konnte ihn gesund machen. Sie glaubten alle, er wäre krank am Leibe, aber keiner wußte, daß ihm das Herz weh tat. Die Frau bereitete ihm Bäder aus Wein, aus Milch und aus Tränen, aber es half nichts. Er siechte dahin. Er fühlte nur, daß, wenn er noch einmal in der großen Synagoge vor den Altar hintreten und sich so recht sattsmgen könnte) vor Gott wie in den alten Zeiten, so würde ihnr leichter werden. Aber das wagte er nicht, da er fühlte, daß die unreine Macht ihn in der Gewalt hatte und er das Bld der Zauberin stets vor Augen sah. Nur zuweilen stellte er sich in einen Winkel und hüllte sich in einen Tallis und es quollen die. Töne ihm von den Uppen, daß die Hörer ein Schauer ergriff und sie in Weinen ausbrachen. Einmal, als die Frau ihm ein Milchbad bereitete und' ihre Tränen darin hineinvergoß, fiel er ihr um den Hals und bat^ sie solle ihn sofort nach der großen Synagoge tragen lassen, denn er war schon sehr krank. In der großen Synagoge sang er das Gebet für die Genesung kranker Kinder, andere behaupten, es war die große Beichte, die er sang, denn er fühlte, daß es mit üim zu Ende ging. Alle Anwesenden fingen an bitterlich zu weinen. Als er fertig war, rief er: „Nun ist mir schon leicht" Und er starb. Jene Melodie aber wird noch heute in Wilna und im ganzen Lande gesungen. Anmerkung: Diese letztere Sage, die erst jüngst J. Grob in diesem Blatte behandelte, scheint zu der vorhergehenden Anlaß gegeben zu haben, die sich wie eine Variante von ihr ausnimmt. leicht liebäugelt sie schon deshalb mit den Zionisten, um von dort durch einen stillen Pakt sich ein Mandat zu erschleichen." Warum wir dieses ganze jüdisch-sozialistische Tohuwabohu hier so ausführlich dargestellt haben? Um der Wiener Judenschaft zu zeigen, wie wenig ernst jene Herren zu nehmen sind, die jetzt um ihre Stimmen buhlen, um die ehrwürdige Wiener Kultusgemeinde zu „erobern". Die „Jüdische Volkszeitung" hat letzthin von der „Union" behauptet, daß sie in „Verlegenheit" wegen ihres Wahlprogrammes wäre und ihr großmütig als Wahlparole die „Tr adi ti on" empfohlen, über die sie sich lustig machte. Jeder kehre vor seiner eigenen Tür! Die Tradition der „Union" ist im Wiener Judentum infolge ihrer ruhmvollen Vergangenheit und ihrer Leistungen in der Gegenwart so gut bekannt, daß sie ruhig den Kampf mit Leuten aufnehmen kann, die erst im eigenen Lager reinemachen sollten, bevor sie andere angreifen. O. H. „Minderheitsrechte." Die Wiener Zionisten. die heuer kompromißlos in die Kultuswahlen eintreten wollen, werden voraussichtlich in ihr Wahlprogramm wieder die famosen „Minderheitsrechte" aufnehmen. Auf dieses Produkt ihrer ganz abwegigen Ideologie sind sie ebenso wie ihre Gesinnungsgenossen in anderen Ländern ja besonders stolz. Kommt es einmal vor, daß eine jüdischnationale Landesorganisation nicht dieses absurde Postulat und seine Erringung durch ein selbständiges Vorgehen in den Vordergrund stellen, gleich melden sich die Zionisten anderer Länder mit dem Vorwurfe des „Verrates an der nationalen Sache". So erging es den deutschen Zionisten, die gelegentlich der letzten deutschen Reichstagswahlen verständigerweise ihren Anhängern nur die Wahl von verfassungstreuen deutschen Parteien empfohlen, nicht aber eine eigene Liste aufgestellt hatten. Darüber beklagte sich die B r ü n n e r zionistische „Jüdische Volksstimme" bitter mit diesen Worten: „Die zionistische Presse, mit einer Loyalität, die man der zionistischen Opposition gegenüber vermißt, erteilt den Vertretern der Demokraten und Sozialdemokraten zu ellenlangen Fliegenfängerartikeln das Wort. Die lieben Juden werden umschmeichelt, sind ganz wirr im Kopf, wollen vielleicht fragen: Ja, aber sollten wir nicht auch für die Reichstagswahlen unsere „Jüdische Volkspartei" beibehalten, die uns in den Gemeinden manch schöne Mandate brachte, trotz aller Aussichtslosigkeit? Desorientieren wir nicht unsere Anhänger? Ist nicht vielleicht als Wahlgruppe das Paktieren mit einer großen Partei um bestimmte Konzessionen zu unseren Gunsten sicherer als die Versprechungen solcher Parteien einer anonymen Wählermasse gegenüber, die nicht eingehalten werden müssen, da ja jede Partei abstreiten kann, sie hätte aus den Reihen, die nun fordernd an sie herantreten, eine Stimme erhalten: Man habe sie im Stiche gelassen? Und selbst wenn gar nichts erreicht würde, läge in dieser Sinnlosigkeit einer Listenaufstellung nicht mehr Sinn als in diesem Zustand: Eine Gruppe (und ich spreche jetzt von uns Zionisten), die sonst klare Linien ihrer Galuthpolitik hat, präsentiert ihren Mitgliedern einen Musterkoffer mit Kollektionen politischer Gesinnung! So demoralisiert und desorganisiert man das, was wir immer Volksmasse nannten, und wegen eben dieser Politik von uns weg zu den anderen verloren. Und so macht man sich lächerlich!" Warum verschweigt das Brünner jüdischnationale Blatt, wie lächerlich sich diese ganze „Minoritätspolitik" gerade in der Tschechoslowakei gemacht hat. In der Slowakei nämlich hatte die „J ü d i s c h e Partei" die gleichen Forderungen erhoben und damit elend Schiffbruch erlitten. Der B. S.-Korrespondent schreibt darüber der Züricher Jüdischen Pressezentrale: Was jeder Einsichtige stets vorher gewußt hat, ist spät, aber doch eingetroffen; das Postulat des jüdischen Minderheitsrechtes ist von der eigenen Partei verleugnet worden. An der letzten Jahresversammlung der „Jüdischen Partei" in der