Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 33 (17.8.1928)
- Date
- 1928-08-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 "MiiimMiiiHMiw rjig WAHRHEIT Jesus Christus" ein 400 Seiten starkes Buch veröffentlicht und behauptet von sich, daß er der Vollender der Lutherschen Reformation durch die Schaffung eines „Geistchristentums" sei. Er hat, wie er erklärt, die Evangelien aus ihren Urtexten neu übersetzt und sie alles dessen entkleidet, womit „jüdischmaterialistischer Wahn sie umhüllt und entstellt hat". Dintei ist überzeugt, daß in diesem Evangelium die reine, arische, durch und durch heroische Heilandsreligion von allen „jüdischen Beiwerken" befreit und in ihrer „ursprünglichen Reinheit" wiederhergestellt ist. Bemerkenswert ist, daß protestantische Geistliche, wie Pastor Falck, Berlin, für D/nters Buch in deT völkischen Presse Propaganda machen. Wie Grünbaum die Sacher-Krise sieht. In unserem Artikel „Weizmanns Pyrrhus-Sieg" besprachen wir die Sacher-Krise, in deren Verlauf sich Weizraann und die Exekutive gezwungen sahen, zu demissionieren. Doch bald fand sich Weizmann auf Ersuchen der überwiegenden Mehrheit wieder bereit, die Geschäfte zu übernehmen. Der radikal - zionistische polnische Abgeordnete J. Grünbaum aber sieht die Krise anders, für ihn war Weizmann eigentlich der Unterlegene, der nachgeben mußte. In einem Interview sagt er nach Besprechung der ersten Krise wörtlich folgendes: „Dann kam es zu einer zweiten viel schwereren und viel bedeutenderen. Es stellte sich heraus, daß der neue Kurs, der auf dem XV. Kongreß proklamiert wurde und dessen Verkörperung Sacher ist, in Palästina alle Parteien gegen sich aufgebracht hat. Es ist wahr, daß dazu nicht nur der Inhalt des neuen Kurses führte, sondern viel mehr die Form, in welcher Sacher ihn durchsetzen wollte. Es scheint, daß Sacher, vielleicht ohne sich dessen bewußt zu werden, den Beweis erbracht hat, daß diese oft schroffe, für verschiedene Teile des Jischuw höchst verletzende Form aufs innigste, verknüpft ist mit dem Inhalte des neuen Kurses, so daß man sich manchmal sagen konnte, er sei ein Vorgeschmack der künftigen Administration der Jewish Agency. Alle, Palästinenser ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit hatten ein Mißtrauensvotum gegen Sacher eingebracht. Als ihn Weizmann deckte und eine Demission der gesamten Exekutive drohte, zogen sich die Antragsteller zurück. Aber sie konnte sich nicht bezwingen, den Antrag einfach zurückzuziehen. Sie haben das mit einer Deklaration getan, welche sie von 22 A.-C.-Mitgliedern unterzeichnen und mit den Namen von der Tribüne herab verlesen ließen. Selbstverständlich mußte das Verlesen der Namen dazu führen, daß Sacher (soll wohl heißen: Weizmann, D. Red.) demissionierte. Dann kam das Unerwartete. Man erschrak nicht. Man suchte einen Ausweg zu finden, aber ohne die gewohnten Demütigungen und ohne die Bereitschaft, alles zu tun, was nur Weizmann wünschen würde, um seinen Rücktritt zu beseitigen. Für Weizmann war das vollständig neu und er lehnte die erste Versöhnungsformel ab, selbstverständlich in der Hoffnung, eine bessere zu bekommen. Aber das geschah nicht. Man ging zum ersten Male an die Bildung einer neuen Exekutive ganz ernst heran. Dieser Versuch mißlang, da manche Bestandteile der Koalition, die gebildet werden mußte, noch nicht riskieren wollten, in eine Exekutive unter den gegebenen Umständen einzutreten, und für sich beschlossen, noch zu warten, wahrscheinlich in der Sicherheit, daß auf dem Kongresse die Chancen viel besser für sie und das Risiko viel kleiner sein wird. Es scheint, daß dieser Versuch auf Weizmann und seine Umgebung eine sehr ernste FLEISCHH AUEREIk (nhrfnm^ idllilUIIIUiiiiiiiiiiiB 1 UUUlklllt* Seltenstettingasie2 Tel. 68-1-28 XI., Zentralfriedhof, neben dem 1. Tor, Tel. 98-0-85 Wirkung ausübte, und die gewöhnliche Drohung, die Sitzung zu verlassen und wegzufahren, wurde nicht ausgeführt. Und die Forderungen an die Opposition wurden viel milder. Es hat sich gezeigt, daß die Exekutive gar nicht so leicht auf die Führung verzichten will, wie sie sich gebärdet. Und am Ende begnügte Weizmann sich auch damit, daß für diese Formel von den oppositionellen Parteien nur der Misrachi stimmte und die anderen sich enthielten; mit Ausnahme der Revisionisten, die die ganze Sache nicht mitmachten und beiseite gestanden sind. Im letzten Momente habe ich darauf hingewiesen, daß der Ausweg bestünde, daß die Exekutive in statu demissionis weiter die Geschäfte. führt, weil sie sie keinem übergeben und die Organisation nicht so auf die Straße werfen kann. Ich stellte sogar den Antrag, das A.-C. solle erklären, daß dieser Zustand eingetreten und die Exekutive in statu demissionis soi und einen Kongreß einberufen müsse, bis dahin aber die Geschäfte führe. Ich weiß nicht, ob nicht dieser „Antrag eine Perspektive aufgedeckt hat, die sehr unangenehm erschien. Der Antrag wurde gar nicht abgestimmt, da die Exekutive erklärte, sie nehme die Formel an. Und so ist diese zweite Krise überwunden worden. Einen ganzen Tag war Weizmann in statu demissionis. Zum ersten Male hat man eine Exekutive ohne Weizmann zu bilden versucht, und hätten die Koalitionsgruppen mehr Zeit gehabt, wäre es nicht ausgeschlossen gewesen, daß man zu einem positiven Resultate gekommen wäre." Lord Plumers Abschiedsbotschaft. Der aus seinem Amte scheidende Oberkommissär von Palästina, Feldmarschall Lord Plumer, erließ vor seiner Abreise eine Abschiedskundgebung an die Bevölkerung Palästinas, in der er ihr für die ihm während seiner Amtsperiode geleistete loyale Unterstützung dankt und versichert, Lady Plumer und er hätten drei glückliche Jahre in Palästina verbracht, an die sie stets mit Freude zurückdenken werden; sie werden an dem Wohle des Landes und seiner Bevölkerung stets das tiefste Interesse nehmen. i Hundstage. Nach dem „Nationalsozialistischen Jahrbuch für 1928" gibt es einen „Vaterländischen Verband deutscher Briefmarkensammler e. V.", der alle Sammler deutscher Art und germanischer Abstammung zusammenschließen will, „um dem ausländischen, uns Deutschen fremden Krämergeist entgegenzutreten. Juden werden nicht aufgenommen." — Das ist wohl erst ein Anfang. Nächstens werden die „Vaterländischen Briefmarkensammler" die Forderung erheben, daß zum Schutz ihrer nationalen Belange kein Jude mehr eine Briefmarke lecken darf.? Gesclaäfiseröffnunä f Dcttfedernu. Daunen in en gros *»n «tetaU in großer Auswahl Konkurrenzlos in Qualität und Preis Leo Schonen, Wien XIV. Draunhirsdiengasse 21 Provinzversand. — Samstag geschlossen. SIEGMUNP KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE 1 XVIII., WAHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Hellanstaften Abteilung für Koscherfleisch IX., Iiffigasse IS und XVIII., HähringerstraBe 97 unter Aufsieht des ehre». Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wisn. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen