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Die Wahrheit · 1928-08-17 · Heft 33 (17.8.1928) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 33 (17.8.1928)
Date
1928-08-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seit« 11 Entwicklung horcht auf. In Westeuropa hat sich die Ansicht festgesetzt, das kommunistische Regime bringe nicht nur eine gewaltige soziale und politische Umwälzung mit sich, sondern auch das endgültige Aufräumen mit überlebten Rassentheorien und religiösen Ausschreitungen. Das ist ein Irrtum. Im Gxunde hat sich gar nichts geändert. Ebensowenig, wie sich im Prinzip die soziale Struktur geändert hat" (sie ist die gleiche wie im Zarenreiche, nur mit umgekehrten Vorzeichen), ebensowenig wie die Grundrichtung der Politik des eigentlichen Rußlands anders geworden ist (jede Regierung iu Moskau wird eine naturgegebene konsequente russische AuÜenpolitik treiben), haben die Moskauer Machthaber, unter denen doch auch einige Juden sind, den alten russischen Pogromgeist austreiben können. Nun werden unsere Hakenkreuzler, deren besonderes Kennzeichen völlige Kenntnisun.d Verständnislosigkeit für kompliziertere Dinge zu sein pflegt, sofort mit dem Triumphgeheul auf den Plan treten: seht ihr. der gesunde russische Bauer wehrt sich gegen den jüdischen Unterdrücker! Es ist nicht schwer, diesen Einwand zu erledigen. Beispielsweise wird ein Fall gemeldet, in dem Schuljungen einen jüdischen Kameraden „aus Spaß" regelrecht ans Kreuz schlugen und ihn stundenlang fast zu Tode marterten. Öder ,in irgendeinem Winkel der Sowjet-Union überfielen betrunkene Rohlinge jüdische Mitbürger und raubten sie aus. Das Bezeichnendste aber ist, daß von der Zentrale der Kommunistischen Partei Rußlands drakonische Maßnahmen gegen - eine Strömung innerhalb der Partei selbst angedroht werden mußten, die ganz offen sich gegen jüdische Genossen und gegen die Juden überhaupt richtet. Das alles sind Symptome, die keineswegs für innerpolitische oder gar antikommunistische Beweggründe sprechen. Sie zeigen lediglich, daß durch Revolution, durch soziale und politische Umgruppierungen, durch Dekrete und Drohungen die Judenfrage in keinem Land gelöst werden kann. Nichts anderes. Antisemitismus der Tat. In einer Gedenkrede für Mohapel wiederholte der sattsam bekannte Hakenkreuzler Walter Gattermayer die infame Lüge, daß der Unglückliche der Rache Judas zum Opfer gefallen ist, weil er ein Arier, ein Christ und Nichtmarxist war. Der Rache Judas deshalb, weil es im Jahre 1925 gelungen war, einen Jubelaufzug des Judentums beim Zionistenkongreß m Wien hintanzuhaltea. Und es sei ein schlechtes Zeichen für den Antisemitismus, daß es den Zionisten möglich sei, toauer in Berlin, in der Hauptstadt des Deutschen Reiches, wieder einen Kongreß abzuhalten, ohne daß sich auch nur ein Mensch gegen diesen Judenkongreß wende. Gattermayer betonte, daß es notwendig sei, den Tod Mohapels zu rächen, daß die Nationalsozialisten die Aufgabe haben, durch großzügige Aufklärungsarbeit die finsteren Pläne des Judentums zu vernichten. Sie müßten sich wieder zu einem Antisemitismus der Tat aufraffen und die Bevölkerung aufrütteln, damit sie die Schmach empfinde, daß sich Millionen Menschen unter dem Joche des Judentums befinden. Antisemitismus in polnischen Schulen. In vielen kleinen polnischen Judenstädten, deren Schulen zu 90 Prozent von jüdischen Kindern besucht werden, führen antisemitische Lehrer ein wahres Schreckensregiment. Abgesehen davon, daß die jüdischen Kinder gezwungen werden, katholisch-kirchliche Gesänge und Gebete auswendig zu lernen und mit den die Minderheit bildenden katholischen Kindern mitzusingen, werden sie auch noch bestraft, wenn sie, unter Berufung auf das Verbot ihrer Religion, sich weigern, in der Zeichenstunde Gott als einen alten Mann mit langem Bart darzustellen. Wenn Kindervorstellungen veranstaltet werden, zwingen die Lehrer den jüdischen Schülern und Schülerinnen die verächtlichsten Rollen und Possen auf. Die Zensuren in den Aufgabenheften der jüdischen Schüler begleiten die Lehrer mit antisemitischen Beschimpfungen; überdies werden die Kinder gezwungen, diese Zensuren ihren Eltern vorzulegen und von ihnen bestätigen zu lassen. Damit wird die Beschimpfung der Juden gewissermaßen auf die ganze Judengasse ausgedehnt: nicht nur die kleinen unschuldigen Kinder, sondern auch ihre Eltern und erwachsenen Verwandten, ja, die ganze Judengemeinde soll auf diese Weise erfahren, wie die Lehrer, die in solchen Städten zum überwiegenden Teil aus jüdischen Steuergeldern bezahlt werden, über ihre Brotgeber denken. Führen die Kinder Klagen über solche sadistische Gemeinheiten, so werden sie von den Lehrern im besten Falle beschimpft, wenn nicht empfindlich gestraft. Bei solcher Auffassung des Lehrerberufes ist es schon fast nebensächlich, daß die Klassen, in denen fast ausschließlich jüdische Schüler unterrichtet werden, vom hygienischen Gesichtspunkt in sträflicher Weise vernachlässigt sind, die Fußböden gesprungen, feucht und das ganze Lehrzimmer gesundheitsschädlich ist. Der jüdische Sejmklub in Polen fordert eine strenge Untersuchung, bzw. die Errichtung eigener jüdischer Schulen. Die Antwort des Unterrichtsministers steht noch aus. Goebbels deutscher Nationalfeiertag. Am 11. August d. J. hat das deutsche Volk in seiner überwiegenden Mehrheit des Tages gedacht, an dem vor neun Jahren das Verfassungswerk der Deutschen Nationalversammlung in Weimar Grundsatz des Deutschen Reiches wurde. Es ist nicht anders denkbar, als daß nur verschwindend kleine Kreise einem Werke die Achtung versagen, das an seinem Anfang die Worte trägt: „Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und zu festigen, dem inneren und dem äußeren Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern . . ." Es ist aber doch anders möglich! Der Deutsche Reichstag hatte, wie durch die Tagespresse ja allgemein bekannt ist, eine Aussprache über die Einführung des 11. August als Nationalfeiertag. Die Ansichten der Parteien waren nicht einheitlich, aber mit Sachlichkeit und Würde legte jede ihren Standpunkt dar — bis auf den Redner der Nationalsozialisten. Es war ihres Berliner Führers Goebbels erste Rede in diesem Hause, das er als „Misthaufen" zu bezeichnen pflegte. Und Goebbels war stilrein, das heißt, er fügte sich seiner Deutung des Deutschen Reichstags an. In seinen Ausführungen machte er schließlich den Vorschlag, als „Nationalfeiertag dieser Republik das Purimfest" einzuführen, weil bei der Schaffung dieser Verfassung Juden mitgewirkt hätten. Man muß es Dr. Goebbels lassen: er benutzte seine Jungfernrede trefflich, um sich in „die Erinnerung seiner „Kollegen" ein für allemal klar und eindeutig einzuprägen. Nur ist es eine Ironie des Schicksals, das ihm eine jüdische Institution, das Purimfest, zu dieser Wirkung verhalf. Aber es geht Herrn Goebbels eben mit jüdischen Dingen ebenso wie vielen Menschen mit Fremdwörtern — sie benutzen sie, ohne ihre Bedeutung zu kennen. Und deshalb war Herr Goebbels auch nicht im Bilde, wie Purim bei den Juden gefeiert wird: mit Maskenscherz vor allem. Und die wichtigste Figur dabei ist der Pojaz. Herr Dr. Goebbels, auch ohne daß Ihr Vorschlag. Purim zum Nationalfeiertag zu erheben, Gesetz wurde, haben Sie Ihre Purimrolle glänzend gespielt! „Laßt den Juden jungen ertrinken!" Budapester Zeitungen warnen die Oeffentlichkeit vor den Folgen der antisemitischen Hetze und bekräftigen diese wohlgemeinte Warnung durch die Mitteilung des nachstehenden Falles eines — wie sie schreiben — „bestialischen Antisemitismus": Mit den Worten „Laßt den Juden jungen ertrinken!" lehnte eine Schwimmergruppe am Donauufer in der Nähe von Waitzen die Rettung eines in Ertrinkungsgefahr geratenen Knaben ab, weil zufällig ein vorübergehender Jude sie auf den Ertrinkenden aufmerksam gemacht hatte. Als Polizisten später den Knaben schon als Leiche aus den Fluten der Donau zogen, stellte sich heraus, daß der Ertrunkene der 14jährige Sohn einer christlichen Arbeiterin aus Waitzen sei. Die Bevölkerung von Waitzen äußert ihre Empörung über die seelische Rohheit der christlichen Schwimmsportler. Die vollendete Luthersche Reformation. Der Rassenantisemit Arthur Dinter hat vor kurzem unter dem Titel „Das Evangelium unseres Herrn und Heilandes 294 : Ander Francngewcrbeschnle | für WeiOnahcn Melder- 2 IBüCheil mit Öffentlichkeitsrecht des Dr. Krüger - Heimes, früher Elisabeth - Heim, g 2. Bez., Malzgasse 7, Tel. R 43-5-40, finden die Einschreibungen täglich von 10—12 und von 15—17 Uhr exklusive Samstag statt. Externe S 25.—. InterneS 115.— per Monat, Samstag geschlossen. Streng ritueller Haushalt. 0§Mf6MMM8(

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