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Die Wahrheit · 1928-08-17 · Heft 33 (17.8.1928) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 33 (17.8.1928)
Date
1928-08-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 funißmmiHuiiuiutfflmtiui iiuiiiiiiniiiuiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiü.Tiii oie WAHRHEil Dem Bandespräsidenten zum Gruße! Vorgestern wurde Bundespräsident Dr. Michael Hainisch 70 Jahre alt. Mit der gesamten Bevölkerung begrüßen auch die österreichischen Juden diesen Jubeltag des Oberhauptes unserer Republik. Dr. Hainisch wurde, keiner Partei zugehörig, als einzelner Mann von Wert und Bedeutung von allen Fraktionen des Parlaments an die Spitze unseres Staates gestellt. In ihm vereinigt sich bestes Oesterreichertum, und deshalb genießt er das Zutrauen und die Liebe der gesamten Bevölkerung. Auch die österreichischen Juden verehren in ihm den Mann, der — ein selten Ding in Oesterreich! — ihren Interessen mit besonderer Objektivität und Sachlichkeit gegenüberstellt. Wiederholt genossen wir die Ehre, den Bundespräsidenten an feierlichen Anlässen der österreichischen Judenschaft teilnehmen zu sehen, und wie auch sonst bei den verschiedenartigsten Gelegenheiten bewies er auch in unserem Kreise seine stets überraschende Vertrautheit mit der Materie. So versteht er es, alle Interessen der Bevölkerung harmonisch zu vertreten; er bekundete diese Vielseitigkeit schon zu einer Zeit, als er noch ferne dem staatlichen Leben stand. Damals war er begeisterter Vorkämpfer für die Ideale des liberalen Bürgertums, also gerade jener Bevölkerungsklasse, der auch das österreichische Judentum seit jeher seine besten Kräfte — so unseren unvergeßlichen Julius Ofner — gewidmet. Wofür Dr. Hainisch in seiner Jugend ersprießlich gewirkt, dafür hat er sich auch bei aller Unparteilichkeit, die ihm sein Amt gebietet, als Bundespräsident stets eingesetzt. Diese Geradlinigkeit der Politik des besonnenen und klugen Staatsmannes sichert ihm die Liebe und Verehrung aller Bewohner Oesterreichs ohne Unterschied der Partei und Konfession und die Achtung des gesamten Auslandes. »■■■■■■■■■■■■■■■■■■■R i Heilbad Gleicheiibcrg i | SMelermark 1 ■ Station: Kurzeit: ■ m Feldbach-Bad Gleichenberg Mai—Oktober ■ ™ Hellanz*lgen: Luftröhre, Brondiial- und Lungenspitzenkatarrhe, ™ ■ Asthma, Emphysem, Herzmuskelerkrankungen, I ■ Nervenleiden usw. ™ | Kurmlttoit Natürlidie Kohlensäurebäder, pneumatische Kam- | ■I mern, Quellsole- und Flditennadtl-Inhaiationen, m | Kaltwasserkuren, Sonnenbäder, elektrisdie Lidit- | am bdder. künstliche Höhensonne m ■ Berühmte Heilquellen: Konstantin- und Emmaquelle ■ ■ Ausgezeichnetes Tafelwasser: Johannisbrunnen | g Gut« Verpflegung! Hildes Klima! | ■ Auskünfte durch die Kurkommission ■ Wcduil%dtuivcm%g& Berlin und Wien. Vom 18. bis 21. August findet in Berlin die Liberale Weltkonferenz statt, auf die wir noch näher zurückkommen werden. Heute wollen wir nur ein Detail heraushieben, das so recht bezeichnend für den Unterschied von Berlin und Wien ist. Aus Anlaß der Weltkonfer>enz veranstaltete der Berliner Rundfunk am 15. August einen Sende Vortrag. George G o e t z, der Generalsekretär der deutschen „Vereinigung für das liberale Judentum e. V.u. wird, wie es in der Vorankündigung der Berliner „Jüdisch - Liberalen Zeitung" heißt, in allgemeinverständlicher, für die niciitjüdische Oeffentliclikeit berechneter Weise über „Liberales Judentum" sprechen urfd dabei insbesondere die Beziehungen zwischen diesem und außerjüdischen religiösen Bestrebungen der Jetztzeit aufzeigen. — Wir fragen: Wäre ein solcher Vortrag in unserem Wiener Krähwinkel auch möglich? Hat man es bei uns schon jemals notwendig gefunden, nicht, wie in Berlin, über eine einzelne jüdische Richtung, nein, über das Judentum als solches von einer Fachautorität einen ganz objektiven Vortrag halten zu lassen? Jede andere Fachsimpelei ist den Herren wichtiger. Das Hindenburg-Interview. Zu dem von uns in den „Glosse n" der Nr. 31 behandelten, erdichteten Hindenburg-Interview erhalten wir von dem unseren Lesern aus seinen Aufsätzen in der „Wahrheit"' bekannten Herrn Dr. Hugo S p i e g 1 e r, Erfurt, folgendes launige „Entschuldigungs"-Schreiben: „Soeben gelangt die Nr. 31 der „Wahrheit" in meine Hände und ich sehe, daß Sie sich darin über meinen Hereinfall auf das mystifizierte Hindenburg-Interview lustig machen. Sie haben ganz Recht mit Ihrer Behauptung: „Daß ein Hindenburg kein Ludendorff ist, das wußte man auch ohne das erlogene Interview." Mein Artikel in den jüdischen Wochenblättern von Magdeburg, Halle und Erfurt steht denn auch mit dein Interview in einem ganz losen Zusammenhang, geht vielmehr äußerlich und dem Gedankengang nach von dem Jahrestag des Kriegsausbruches aus und hätte auch bei Wegfall der Wiedergabe des Interviews im wesentlichen denselben Inhalt gehabt. Als Beleg für die in dem Artikel entworfene Charakterskizzierung Hindenburgs war mir das Interview freilich willkommen, weil jeder Journalist lieber nach neuen als nach alten Belegen greift. Ich brachte die Sache in der gleichlautenden Passung des „Neuen Wiener Journals" und der „Neuen Freien Presse", also zweier Blätter, deren Rang mir genügende Bürgschaft für die Authentizität des Interviews zu sein schien. Hätte ich geahnt, daß diese beiden, sonst so seriösen Zeitungen, in diesem Falle keine authentischere Quelle benützt hatten als das_Hamburger „Israelit ische Familienblatt", dann wäre ich natürlich bei der Uebernahme des Sujets vorsichtiger gewesen. Hat doch das Hamburger „Israelitische Familienblatt" schon im April dieses Jahr.:s seriöse Blätter mit einer angeblichen Duell- Affäre vexiert. Damals redete sich das „Familienblatt" mit „Aprilscherz" aus. Im J u 1 i kann höchstens ein Sonnenstich seines Redakteurs als Entschuldigung angenommen werden. Selbstverständlich empfiehlt es sich, in Zukunft Meldungen, die. zuerst im „Israelitischen Familienblatt" auftauchen, auch dann skeptisch gegenüberzustehen, wenn sie später in anderen Zeitungen erscheinen." Der sowjetrussische Antisemitismus. Aus Sowjet-Rußland kommen seit einiger Zeit, nicht mehr so vereinzelt wi'e früher, sondern mit überraschender Häufigkeit Nachrichten über antisemitische Exzesse. Nicht nur der Antisemit, der von vornherein von der Identizität des jüdischen Geistes mit dem Sowjet-System überzeugt ist, sondern auch der objektive aufmerksame Beobachter der russischen

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