Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1928-08-17 · Heft 33 (17.8.1928) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 33 (17.8.1928)
Date
1928-08-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064248-3064280--16495-3089249
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE WAHRHEIT Seite 9 WoBlCMB Sl^ §Chf SB»dSC«m Versuchen Sie die seit 60 Jahren bestehende Telephon n 42-3-f 0 und hesfrenommlerle -tod KQche im Telephon tt 4t-3-f 0 HOTEL-RESTAURANT „GUTH" ■«-. ——»14 Arrangiert jedes festliche Ereignis, in Jeder Preislage in und außer Hause unter Beistellung von geschultem Personale und vollständigem Service Prachtvolle geräumige saie Mir Hochzeiten* Vereine und Gesellschalten Verwendung von nur Prima Gansfette — Mittags- und Abendmenü zu S 2*20 und S 3«20 Palästinaweine vom Faß Zum Besuche ladet höflich ein Schwechater Bier Josel Oulh, Hotelier und ttestaurateiur das Lager der Judenfeinde hinübergeschwenkt und man kann, wenn man aufrichtig sein will, wirklich nicht behaupten, daß diese Monatsschrift dadurch immer „höher Und höher" gestiegen ist. * * * An das Wort P. K. Roseggers, daß der Antisemitismus eine Geisteskrankheit ist, mag sich wohl auch der Staatsanwalt in Salzburg erinnert haben, als er "das am 10. August dort erschienene Antisemitenblatt zu Gesicht bekam, in welchem u. a. folgende zarte Anspielungen auf die Schlechtigkeit nicht eines, nein, aller Juden zu lesen sind: „Der Jude hat unsere Rasse verdorben, unsere Moral angefault, unsere Sitte unterhöhlt" usw. „Und alles, womit er (nämlich der Jude) handelt, hat er irgendwo und irgendwann gestohlen"..... „Wo sah man ihn (nämlich den Juden) je arbeiten und nicht vielmehr plündern, stehlen, schmarotzen und von dem Schweiß der anderen leben?" Diese Zitate dürften genügen. Wer kann es auch nur einen Moment bezweifeln, daß ein Artikel, der mit solcher schamlosen Frechheit nicht nur alle Juden, sondern auch dem in Oesterreich geltenden Strafgesetz ins Antlitz schlägt, der Konfiskation verfallen mußte? Es wäre wirklich nur begreiflich, wenn wohlwollende Menschen von dem Schreiber dieses tollwütigen Artikels annehmen, daß er bei gesundem Verstände nicht mit der Möglichkeit rechnen konnte, daß sein Geistesprodukt das Licht "der Welt erblicken würde. Zweifellos dürfte auch der Staatsanwalt sich diesen wohlwollenden Beurteilern des Artikelschreibers anschließen. Aber verwunderlicher ist die Schonung des Artikels selbst. Ein Verrückter mag vor Strafe gefeit sein, wenn er einen tollen Hund auf die Straße laufen ließ. Aber sollte man den tollen Hund nicht totschlagen? * * * Sollte ein Artikel, der in bösester, tückischester Weise' zum Hasse und zur Verfolgung von Menschen aufreizt, wirklich mehr Schonung genießen als ein wutkrankes Tier, das die Passanten anfällt? Zugegeben, daß ein solcher Artikel bei reifen, urteilsfähigen Menschen nur ein Gefühl des tiefsten Ekels auslosen kann, gibt es aber nicht auch unreife, urteilslose, der Betörung und Verwirrung zugängliche Köpfe? Muß man Namen nennen, um an die Verführten erinnert zu werden, die durch die Feder verbrecherischer Hetzer fanatisiert zur Mordwaffe griffen. Wenn man schon die Juden und das Strafgesetz nicht des Schutzes bedürftig hält, sollte man nicht vielleicht doch Rücksicht auf die gegen Verhetzung und Betörung nicht gefeite Jugend nehmen. Gegen die zu Mord und Totschlag hetzende Presse sollten die Staatsanwaltschaften zum —eisernen Besen greifen! * * In der letzten Nummer des „Hammer" erzäMt Herr Fritsch den Antisemiten im deutschen Reiche wortwörtlich folgende merkwürdige Geschichte: Einer der „übelsten Wortführer der Wiener Sozialdemokratie der Revolutions-Kriegsminister Julius Deutsch, ein Mann des östlichsten Ostens, rief in der sozialdemokratischen Zeitung „Der Kampf" vom Dezember 1918 aus: „In Deutschland, in Oesterreich, in Ungarn — Revolution, Republik. Was, seit wir denken können, wir glühenden Herzens erträumt, ersehnt haben, ist Wirklichkeit geworden. Jetzt sind wir Juden ganz oben, jetzt sind wir die Herren. Unsere glühenden Träume sind erfüllt." — Diese faustdick erlogene und doch zugleich auch den Stempel des Wahnwitzes verratende Aeußerung wird Julius Deutsch — noch dazu mit fetten Lettern — in den Mund gelegt! Die Kampfweise der Antisemiten mag ja richtig nur mit einer Geisteskrankheit erklärt werden, aber in dem Wahnsinn liegt Methode. Ego. Der Prager jüdische Friedhof bleibt erhalten. Die durch das tschechoslowakische Pressebüro vor kurzem verbreitete Nachricht, daß der weltberühmte Prager alt-jüdische Friedhof in Verbindung mit dem Assanierungswerk der Stadt Prag verschwinden muß, da die Denkmalskommission ihn nicht in den Denkmalsschutz mit einbezogen hatte, entspricht nicht den Tatsachen. Die Stadtregulierungskommission hat in dem der Oeffentlichkeit übergebenen Dekret einen Auslassungsfehler begangen, der, wie verlautet, inzwischen korrigiert wurde. Der Friedhof steht danach unter Denkmalsschutz und wird erhalten bleiben. — Es ist natürlich bedauerlich, daß ein solcher „Auslassungsfehler" überhaupt unterlaufen konnte, wenn man nicht gar daran glauben will, daß dieser „Fehler" erst später konstruiert wurde. Immerhin ist es erfreulich, daß der weltberühmte alte Friedhof auch, weiterhin erhalten bleibt, wozu gewiß der Appell der jüdischen Welt nicht wenig beigetragen haben dürfte. In feinem rituellem Hause wird ein junger Mann (eventuell zwei junge Leute) in vollständige Pension genommen. Kraus, 2. Bez., Große Pfarrgasse 23, Telephon A 47-603

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.