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Die Wahrheit · 1928-08-17 · Heft 33 (17.8.1928) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 33 (17.8.1928)
Date
1928-08-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 «oieiffififlFMiniuimiiioitrfHifHtintiJHfi iU4itHi4;uir.ufiitHnu)n!!i:mii):tHnu^inMinin»it»HtH)tnNUimiifnffminmt;ii}iititi[^ tHiHiiiituiMiitiimMMiiiutitiiiii DIE WAHRHEIT Auch eine andere Entstellung muß in die gebührenden Schranken zurückgewiesen werden. „Die Stimme" hat in einem Nachwort zu dem oben wiedergesehenen Beschluß des zionistischen Parteirates wörtlich folgendes geschrieben: „Die Erhaltung und der Ausbau der Wiener Kultusgemeinde als wahrhaft jüdische Organisationsform ist — und das hat die vierjährige Arbeit des jetzt abtretenden Kultusvorstandes gezeigt — einzigund allein durch das zionistische Kultusgemeindeprogramm gewährleistet. Was Positives in diesem Sinne geleistet wurde, ist auf die Initiative der zionistischen Mandatare zurückzuführen. In diesem Blatte wurde immer wieder, zuletzt von Kultusvorsteher Dr. Desider Friedmann, dargelegt, daß keine der im Kultusvorstand vertretenen nichtzionistischen Gruppen den Bestand der Wiener jüdischen Gemeinde zu sichern gewillt oder imstande i s t." In der nächsten Nummer gab sie es in einem anscheinend offiziell beeinflußten Artikel „Es geht ums Ganze" schon billiger. Hier hieß es nur mehr: „Stets in der Minderheit, konnten die Zionisten bisher den anderen Parteien nur unzulängliche Paliiativmaßnahmen abringen." Das ist schon weniger als die zuerst emphatisch 'verkündete „Initiative", der allein „Positives" zu verdanken war. Aber abgesehen von dieser starken Einschränkung — „Die Stimme" ist ja auch sonst rasch mit Kraftausdrücken zur Stelle; so nannte sie die „Union" erst kürzlich einen „Verein zur Abwehr des Judentums"! — das Blatt hätte nie so überschwänglich, sagen wir, gedichtet, wenn nicht die Wiener „Förderer des Judentums" selbst stets eine gleiche Sprache gesprochen hätten. Schon zur Zeit als noch Frieden zwischen den beiden Parteien herrschte, befleißigten sich dlie jüdischnationalen Kultusvorsteher immer der Betonung, daß sie allein alles Gute geschaffen hätten und die „Union" gerade bestenfalls auch dabei war, der man aber gerne die Verantwortung für das Schlechte überließ. S&uiite&mi Aus der jüdischen Sagen- und Märchenwelt Von Binjamin Segel. (Fortsetzung.) Der Chassid und die Räuber. War einmal ein Chassid, der sehr schön zu singen verstand. Eines Tages ging er, wie gewöhnlich, zum Rebbe auf den Sabbath und es traf sich, daß er sich in einem dichten Walde verirrte. Er ging und ging und konnte keinen Ausgang finden. Und in dem Walde hausten Räuber. Diese überfielen unseren Chassid, schlugen ihn in Ketten und wollten ihn umbringen. Als er sah, daß der Tod nahe war, fing er an, über sein Leben und seine Sünden nachzudenken, um die Gnade des Schöpfers auf seine Seele herabzuflehen. So lag er da, bis der Abend sank. Inzwischen erinnerte er sich, daß es gerade Freitag war, _da alle Welt in den Synagogen versammelt ist, um zu beten und Lieder zu Gott zu singen, und nun wetzten schon die Mörder ihre Messer, mit denen sie Es wäre natürlich müßig, in diesem Blatte auf die Absurdität dieser Verdrehungen näher einzugehen, aber bezeichnend ist diese Vorgangsweise immerhin für die Charakteristik der Zionisten. Sie wagen es ja auch, von der „Union" folgendes zu schreiben: „Ihre Herren verbinden mit dem Begriff der Erhaltung der Wiener jüdischen Gemeinde nur (!) die Sorge um die Erhaltung der sogenannten Tradition von Ritus, Kultus und Armenwesen." Kein Wort der Erwiderung gegen diese Entstellung! Aber angeprangert muß es werden, wie Leute reden und schreiben, mit denen man um' der Gemeinde willen durch vier Jahre gemeinsam arbeitete. Abscheu muß es erregen, wenn man ehrlichen Friedenswillen in dieser Weise gelohnt sieht. Deshalb können wir der „Stimme" rechtgeben: Es ist eine „unumgängliche Notwendigkeit", allein in dien Wahlkampf einzutreten. Die Wiener Judenschaft wird entscheiden müssen, ob ihre ehrwürdige Gemeinde von Wankelmütigen und Unaufrichtigen oder von ehrlichen, aufrechten Männern und guten Juden weitergeführt werden soll. Uns ist um diese Entscheidung bei dem gesunden Sinn der Wiener Juden nicht bange. O. fi. Jüdische Volksgemeinde, Jüdische Schule u. a. m. Aus der Budgetdebatte der Berliner jüdischen Gemeinde. Die Berliner jüdische Gemeinde ist bekanntlich mit einer jüdischnaiional - konservativ - mittelparteilich - sozialistischen Mehrheit gesegnet. „Mehrheit" ist eigentlich übertrieben, denn die Majorität dieser bunt zusammengewürfelten Blockparteien besteht gegenüber den Liberalen aus einem Plus von —einer Stimme. Dominierend ist nur der Einfluß der Jüdischnationalen und in ihrem Schlepptau segelt der einzige, gewissermaßen den Ausschlag bildende jüdisch - sozialistische Repräsentant Dr. Oskar Cohn. Dieser Herr, ehemals sozialistischer Rei'chstagsabgeordneter, hielt anläßlich der letzten Budgetdebatte; der Berliner Jüdischen Gemeinde eine Rede, die dokumentiert, wohin eine jede jüdische Gemeinde, in der der j'üdischnationalsozialistische Einfluß überwiegt, steuern muß — nämlich in ihm den Garaus machen wollten. Er flehte sie also an, ihm noch ein Stündchen am Leben zu lassen, damit er Zeit hätte, sein Gebet zu verrichten, wie Gott geboten, dem er wollte nicht ohne Gebet aus dieser Welt scheiden. Die Räuber lachten ihn aus, aber um Possen zu treiben und ihn zu verhöhnen, lösten sie seine Fesseln, stellten sich im Kreise um ihn herum, und er mußte sich, in die Mitte stellen, um nicht entfliehen zu können. Da er wußte, daß dies das letzte Mal war, daß er auf dieser Welt beten konnte, nahm er all seine Kraft zusammen und als er die Sabbatlieder zu singen anfing, sang er und sang ohne Aufhören; die Verzückung übermannte ihn immer mehr, so daß er_am Ende die ganze Welt ringsum und auch seinen nahen Tod vergaß. Den Räubern aber drang der Gesang in die verhärteten Herzen und ergriff sie so sehr, daß sie nicht länger an sich halten konnten. Sie fielen ihm zu Füßen und fingen an, ihn um Verzeihung zu bitten. Er aber sprach zu ihnen: „Nicht mich, nicht mich, sondern Gott müßt ihr um Verzeihung bitten." Dann führte er sie. zum Rebbe, dieser bekehrte sie. und sie wurden fromme Leute. Als Buße für ihre schweren Sünden legte ihnen der Rebbe auf, daß sie mehrere Jahre ein unstetes Wanderleben führten, nie zweimal an demselben Ort übernachteten, nie um ein Almosen oder einen Bissen Brot baten, sondern schweigend bei der Tür standen, wartend, bis die Hausfrau selber ihnen etwas verabreichen würde. * , * *

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