Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1928-08-10 · Heft 32 (10.8.1928) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 32 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064248-3064279--16482-3089235
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DIE WAHRHEIT imwimmmiaB mniiuinii! Seite 13 VcnWochezulDochc 25jähriges Ämtsjubiläum. Dieser Tage jährt sich zum 25. Male der Amtsantritt Sr.Ehrw.Herrn Dr. David Feuchtwangs als Gemeinderabbiner in Wien. Geboren zu N i k o 1 sbu rg in Mähren im Jahre 1864 als Sohn des Oberrabbiners Dr. Meyer F e u c h t w a n g, des hervorragenden jüdischen Gelehrten und Kenners der jüdischen und allgemeinen Philosophie, besuchte er Gymnasium und Talmudschule in Nikolsburg, bezog hierauf die Wiener Universität, wo er bei D. H. Müller und B ü d i n g e r orientalische Sprache und Geschichte und gleichzeitig bei J. H. W e i ß und M. Friedmann rabbinische Wissenschaften studierte. Von hier" ging er an die Berliner Universität, studierte bei Eberhard Schräder Assyriologie, auf welchem Gebiet er auch dissertierte, bei Barth Arabisch und bei dem bekannten Philosophen S t e i n t h a 1 Philosophie und wurde in Wien nach Absolvierung des Wiener Rabbinerseminars zum Dr. ühil. promoviert. Nach beendeten Studien war Dr. Feuchtwang drei Jahre Erzieher des Enkels des Oberrabbiners Dr. Hildesheimer in Wien. Im Jahre 1892 als Nachfolger seines Vaters als Rabbiner nach Nikolsburg berufen, entfaltete er dort eine überaus segensreiche Tätigkeit, war 11 Jahre Religionsprofessor am dortigen Gymnasium und gab vier Bände Kanzelreden und ein fundamentales Werk über das holländische Judentum heraus. Im August 1903 wurde Rabbiner Dr. Feuchtwang als Gemeinderabbiner für den XVIII. Bezirk nach Wien berufen, wo er auch als Religionsinspektor für die Mittelschulen, Dozent am jüdischen Lehrerseminar und am Beth-Hamidrasch ersprießlich wirkt. Zahlreich sind seine wissenschaftlichen Werke, von denen besonders erwähnenswert seine Schrift über die „jüdische Homiletik", die „Aufklärung über Babel und Bibeü", die „Studien zum Buche Ruth" und die Abhandlung über den „Sabbath" sind. Als Kanzelredner genießt Dr. Feuchtwang einen ausgezeichneten Ruf, seine Gemeinde schätzt in ihm den geistigen Führer und stets hilfsbereiten Menschen. Wie wir vernehmen, soll das Jubiläum Dr. Feuchtwangs seitens, seiner zahlreichen Freunde und Anhänger demnächst feierlich begangen werden. Vierzigjähriges Ämtsjubiäum. Am 15. August begeht Herr Dr. Ignaz Z i e g- 1 e r sein vierzigjähriges Amtsjubiläum als Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde in Karlsbad. 27 Jahre alt wurde Dr. Ziegler am 26. Juli 1888 einstimmig zum Rabbiner in Karlsbad gewählt und am 15. August, es war wie heuer genau ein Mittwoch, trat er sein Amt an, das er bis zum heutigen Tage zum Segen seiner Gemeinde verwaltet. Die jüdische Gemeinde in Karlsbad ist bekanntlich eine der jüngsten Gemeinden in Böhmen, sie blickt heute nun auf ein sechzigjähriges Bestehen zurück; von diesen 60 Jahren sind die letzten vier Jahrzehnte aufs engste verknüpft mit Dr. Ziegler und seiner Wirksamkeit als Seelsorger und Lehrer. Ein großer Teil der synagogalen Einrichtungen der Gemeinde, die beispielgebend geblieben sind für zahlreiche Gemeinden des In- und Auslw des, geht auf die Initiative Dr. Zieglers zurück. Als Kanzelredner genießt Dr. Ziegler Weltruf; seine Predigten, seine Schrift erklärungen, rhetorische Musterleistungen, erfreuen Tausende und Tausende aus allen Ländern der Welt. Ebenso segensreich ist Dr. Z i e g l e r s humanitäre Tätigkeit. Das israelitische Kurhospita!, das im Jahre 1903 eröffnet wurde, ist seine Schöpfung. Den auch heute noch wohltätig wirkenden Verein „Ferienheim" hat Dr. Ziegler ins Leben gerufen. Er ist Mitbegründer der Loge „Karlsbad" I. O. B. B., deren Präsident er viele Jahre hindurch gewesen ist. Die Zentralfürsorge der Gfemeinde dankt ihre Entstehung seinem Antrage und last not least ist das zu erbauende „A11 e n h e i m" ein Erfolg seiner unermüdlichen restlosen Tätigkeit. Auch als Lehrer war Dr. Z i e g 1 e r außerordentlich geschätzt; seine Schüler und Schülerinnen denken noch heute dankbar an die lehrreichen Stunden, die ihnen Dr. Z i e g 1 e r in begeisterter Hingebung geboten hat. Dr. Ziegler ist aber auch als Schriftsteller und Gelehrter weithin bekannt. Sein großes Werk über die Gleichnisse des M idrasch, dessen Fortsetzung ein Lieblingswunsch des Verfassers ist, hat die Anerkennung selbst Mommsens gefunden; seine Geistesreligion erschien mit einem einführenden Worte von Rudolf Eucken und sein Werk die „Sittliche Welt des Judentums", von dem bis jetzt zwei Bände erschienen sind, hat in allen Kreisen ungeteilten Beifall gefunden. Nicht minder werlvoll sind die zwei von ihm heraus^^ebenen Jahrgänge der „Volksschriften über die jüdische Religio n". Diesen Hauptwerken Dr. Z i e g l e r s schließen sich mehrere kleinere Schriften und eine sehr große Zahl verschiedener Aufsätze und Artikel an in Zeitungen und Zeitschriften. Mit gerechtem Stolz darf die jüdische Gemeinde in Karlsbad ihren Rabbiner preisen, dessen bescheidenes, liebenswürdiges, entgegenkommendes Wesen nicht nur die Liebe seiner Gemeindemitglieder, sondern auch die Achtung und Wertschätzung der gesamten Karlsbader Bevölkerung. Es war der Wunsch des Jubilars, daß von jeder öffentlichen und Privatfeier seines Amtsjubiläums abgesehen und sein Festtag nur durch Stärkung des Altenheim-Baufondes begangen werde. Zahlreiche Mitglieder seiner Gemeinde kamen opferwillig dem Wunsche ihres geistlichen Oberhauptes entgegen; die Gemeinde selbst widmet zu Ehren des Festtages 30.000 tsch. K. dem Baufonde. Trotz alledem läßt es sich die Gemeinde nicht nehmen, in öffentlicher Temperfeier den Jubiläumstag ihres Seelsorgers festlich zu begehen. Der Festgottesdienst findet am Mittwoch, den 15. August, um 11 Uhr vormittags, in der Synagoge statt. Die Festrede im Gotteshause hält Se. Ehrw. Herr Dr. Julius Max Bach, Rabbiner in Wien, an die sich eine Festrede dies Jubilars selbst anschließt. Möge es Herrn Dr. Z i e g 1 e r beschieden sein, noch viele Jahre in ungetrübter Gesundheit zum Wohle seiner Gemeinde und seiner Gesamtheit mit dem gleichen Erfolge und mit der gleichen unermüdlichen Hingebung zu arbeiten und zu schaffen, die ihm die Vorsehung in den verflossenen 45 Jahren geschenkt hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.