Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 32 (10.8.1928)
- Date
- 1928-08-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 ätmiftmmBimaafiifflfflmiB ms luttimffliiifflaiimiHfflnmmBmfimnmmflnuHiüHtH; ßi£ WAHR HEU der durch die Schmerzensmale und Narben an ihrem uralten Körper. * Aber Prag will eine richtige Großstadt werden. Eine Großstadt, wo die Autos bequem überall hinsausen können, wo Omnibusse und Straßenbahnen die Viertel ohne jedes Hindernis durchrattern, wo Bureauhäuser mit schnellen Fahrstühlen sich prunkvoll ausbreiten können, wo „Licht und Luft und moderne Hygiene" keine engen Gassen und* keine alten Häuser, geschweige denn Friedhöfe, störend auf ihrem Siegeszuge vorfinden. Wer gönnt dem aufstrebenden tschechischen Volke nicht diese Neuerungen! Sie sind gewiß notwendig, und die baulichen Fragen mögen der Stadtverwaltung manche harte Nuß zu knacken geben. Schon zittern viele Prager selbst um die stillen Schönheiten ihrer alten Gassen. Wer bis zum 31. Dezember ein Haus erbaut, bleibt mit diesem Bau 35 Jahre steuerfrei. Eine unwiderstehliche Verlockung! Und so ist Prag gewiß heute die Stadt Europas, in der die meisten Neubauten hoehgerichtet werden. Wie viele alte Gebäude moderner Trostlosigkeit hingeopfert sind, — werden trotz mancher fürsorglicher Eingriffe die nächsten Jahre uns Freunden, uns treuesten Freunden Prags offenbaren. * Aber, ihr Bürger Prags, hört unsere herzlichste Bitte, hört unseren Notschrei: Rührt nicht am Prager Judenfriedhof! Schon einmal haben ihn rauhe Hände zerstückelt, und künstlerische, beschämende Unfähigkeit hat an seine Stelle langweilige und stupide Mietkasernen im alten Ghetto aufgerichtet. Damals baten und flehten Prags Juden und zahllose heimattreue Bürger Prags und Kunstfreunde und Prag-Freunde der ganzen Welt. Vergebens. Der tschechische nichtjüdische Gelehrte Dr. L. Jerabek beschloß sein feinfühliges Werk über den „Alten Prager Judenfriedhof' mit diesen erbitterten Worten: „Es mußte erst das erleuchtete zwanzigste Jahrhundert und mit ihm die schlecht verstandenen, bis ins Extrem getriebenen Schlagworte von dem modernen Fortschritt der Städte und mit ihnen der wunderbare Prager Assanierungsplan kommen, um uns dieses kostbare Denkmal und den ergreifend schönen Garten hinauszuassanieren! Zur europäischen Blamage für jene, die — nicht aus religiöser Unduldsamkeit, sondern aus purem Spießbürgertum — die Verstümmelung einer der schönsten und ehrwürdigsten Denkwürdigkeiten unserer Stadt verschuldet haben." * Welche flammenden Worte wird er hinausschreien müssen, hört er von den neuesten Angriffen gegen dieses heilige Stück Erde. Wir wissen nicht, wie weit die gegen den alten Friedhof gerichteten Pläne schon gediehen sind. Eine starke Hoffnung bleibt: der hochgebildete, gelehrte und humane Mann, mit einem edlen Verständnis auch für jüdische Sorgen, dort oben auf dem Hradschin, Professor Masar.yk, der Präsident der tschechoslowaküschen Republik. Er war der Führer zur tschechischen Einheit Er hat jetzt die leuchtende und lohnende Aufgabe, die künstlerische und geschichtliche Einheit des alten Prag zu wahren und damit auch den Prager Judenfriedhof nicht verunglimpfen zu lassen. Auf Gottes Wegen. Aus Dr. Friedrich P. Aschkanasys Buch*) weht uns ein heißer Atem von Liebe für das Judentum und seinen Qott entgegen, wie er uns aus den Propheten entgegenströmt. Das Ethos des Verfassers ist mit dem Feuergeist Jesaias' verwandt. Das Urwesen des Judentums spiegelt sich in diesem merkwürdigen Werke wieder. Wenn diejenige Charakteristik die' beste ist, die mit einem Worte die wahre Natur einer Individualität ausdrückt, so hat die Bibel in genialer Weise die Juden ein „hartnäckiges Volk" gescholten. Diese Qualifikation war als Tadel gemeint und gewiß auch verdient, aber der große Prophet hat übersehen, daß der entgegengesetzte, positive Pol dieser Eigenschaft Charakterfestigkeit und Willensstärke, heißt, so daß seine Bezeichnung auch die höchste Tugend des geschichtlichen Judentums einschließt, der es sein Bestehen in den Schicksalsstürmen der Jahrtausende zu verdanken hat. Es war und ist immer starrköpfig und eigenwillig gegen seine Führer, aber auch sich selbst treu und unentwegt konsequent. Wie die Pädagogen wissen, gereicht oft ein Charakterzug des Kindes, der von Eltern und Lehrer getadelt wird, nach vielen Jahren zu dessen größtem Glück und Segen. Geradeso verhält es sich mit der jüdischen „Nackensteife". Auch die anderen aus diesem Grundcharakter des Judentums abgeleiteten Attribute sind sozusagen bipolar. Willensstärke zeugt Glaubenseifer und Fanatismus, Opferfreudigkeit und Egoismus, Begeisterung und kleinliche Pedanterie, Gedankentiefe und abergläubische Wortanbetung. Alle diese und ähnliche Gegensätze sind Zwillingskinder der Grundeigenschaft des Judentums: seiner Starrköpfigkeit. Die ganze Individualität des Verfassers weckt auf Schritt und Tritt die Vorstellung von dieser Gegensätzlichkeit des jüdischen Grundcharakters. Er hat sich in seinen Starrkopf gesetzt, zwei andere heterogene Elemente: den glühenden altjüdischen Glauben und wissenschaftliche Forschung zu vereinigen. Ihrer Gegensätzlichkeit bewußt, versucht er beide durch das Mittel der Dialektik miteinander zu versöhnen. Der biblischen Ueberlieferung mit Haut und Haar und aller Inbrunst ergeben, vermag er den Gedanken' nicht zu ertragen, daß ihre Lehren mit der modernen Wissenschaft nicht vereinbar sein sollten. Er interpretiert, allegorisiert, symbolisiert die „Worte Gottes" in der Art Philos von Alexandrien und der Neuplatoniker so lange, bis die Uebereinstimmung hergestellt ist. Apologetik ist altes jüdisches Erbgut. Er sieht in der Bibel eine „Doppelschrift", ein Palimpsest mit sichtbaren und unsichtbaren Zeichen, die er zu lesen und zu verstehen vorgibt. E r e z bedeute nicht schlechthin die Erde, sondern die rotierende Erde, weil das Wort ethymologisch den Sinn von „laufen" enthalte. „Elohim" sei mit „ewiger Kraft" zu übersetzen, und da es im Plural erscheine, so wollte die Bibel damit „Einheit in der Vielheit der Kräfte" zum Ausdruck bringen. Boru bezeichne nicht „aus dem Nichts schaffen", sondern „aus sich selbst hervorbringen". S c h u m a j i m sei mit dem Inbegriff aller dynamischen Kraftenergien identisch. So geht es weiter, bis sich die biblische Kosmogonie vollständig mit der Kant-Laplace'schen Theorie deckt und die Schöpfungstage sich als hunderttausendjährige Epochen der Evolutionsielire entpuppen. Kopernikus, Kepler, *) Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig, 1928.?»HH»..«....»».........„....».fi Streng Geflügelhandlung unter Aufsicht des Ehrw. 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