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Die Wahrheit · 1928-08-10 · Heft 32 (10.8.1928) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 32 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT iiiiiiuiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiHUiiiiiiiw 5ede 5 Vorher hatte Weizmann energisch seine Politik der Versöhnung verteidigt und u. a. erklärt: „Es geht zwar nicht um den Zionismus als solchen, jedoch um 5 bis 6 Jahre Fortschritt oder Stagnation. Auf der einen Seite steht die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit Gruppen von Menschen, die dem Zionismus gewiß unter Gefahren und Schwierigkeiten weite Horizonte eröffnen. Auf der anderen Seite aber steht die vermeintliche politische Reinheit, die in Wahrheit mit Inzucht verbunden ist!" Unter dem Eindrucke dieser wirklich klugen und voraussehenden Worte sind die Anträge der Minorität direkt unter den Tiscli gefallen. Der Antrag der Radikalen, die Jewish Agency-Politik als gescheitert anzusehen, sowie der Antrag der Revisionisten, der Exekutive das Mißtrauen auszusprechen, wurden mit 32 gegen 4 Stimmen abgelehnt. Das Minoritätsvotum der Arbeiterparteien, auch den privaten Erwerb von Boden durch die Exekutive zu kontrollieren, wurde mit 27 gegen 16 Stimmen verworfen. So verblieb nur der Antrag der politischen Kommision, der, wie oben erwähnt, nach all den schweren Kämpfen — Weizmann wurde u. a. Verrat und andere Liebenswürdigkeiten vorgeworfen, die er überlegen zurückwies — mit zehnfacher Majorität angenommen wurde. So war eine schwere Krise — Weizmann hatte u. a. erklärt, daß für ihn „ein Rücktritt eine seelische und körperliche Befreiung" wäre — hintangehalten. Doch noch in letzter Minute drohte neue Gefahr. 22, also fast die Hälfte der Aktionskomitee-Mitglieder, hatten eine Mißtrauenserklärung gegen das Mitglied der Exekutive Rechtsanwalt Doktor Harry S a c h e r eingebracht, dem ein der jüdischen Arbeiterschaft feindlicher und schädigender Kurs vorgeworfen wurde. Darauf erklärte Dr. Weizmann, er habe es wiederholt zum Ausdrucke gebracht, daß er und die Mitglieder der Exekutive sich mit Sacher solidarisch fühlen. Er und die gesamte Exekutive legen nun ihreAemter nieder. Hierauf begann ein Feilschen, das an Widerwärtigkeit der Politik in jedem konsolidierten Staate nichts nachgab, für die zionistischen Staatengründer aber durchaus beschämend ist. Erst nach langem Hin und Her, nachdem sich die Unfähigkeit der Opposition herausgestellt hatte, eine eigene Exekutive aus ihren Reihen zu bilden — die Weizmann-Partei (aligemeine Zionisten) lehnte jede Mitwirkung ab — und das Aktionskomitee durch die Möglichkeit gewisser juristischer Interpretationen den Mißtrauensantrag als nicht vorhanden (!) ansah, entschlossen sich Prof. Weizmann und die übrigen Mitglieder der Exekutive auf Ersuchen des Aktionskomitees, das von allen gegen zwei Stimmen der Mitglieder desselben gestellt wurde, ihre Aemter wieder anzunehmen. Die Lösung war gefunden . . . Betrachten wir abschließend die interessanten Ergebnisse der an Aufregungen überreichen Tagung, so kann wohl mit Genugtuung konstatiert werden, daß die Politik der Versöhnung, die Weizmann seit Jahr und Tag allen Widersachern zum Trotze verfolgt, wieder einen Sieg zu verzeichnen hatte. Wenn wir aber ins Auge fassen, wie mühselig dieser Sieg errungen wurde, wie es wiederholt auf Messerschneide stand, ob die Vernunft obsiegen wird oder nur das Gefühl, dann kann uns. angst und bange um die weitere zionistische Entwicklung werden. Was wir wiederholt erklärten, ist wieder einmal zur Wahrheit geworden: Beim Palästinaaufbau kann und darf nur das Moment der sachlichen Erwägung, nicht aber nationales Draufgängertum entscheiden. Es ist gut, daß jene Pseudopolitiker, die dieses nationale Draufgängertum in den zionistischen Reihen verkörpern, die Herren Radikalen und Revisionisten, die auch besonders bei .uns in Wien tonangebend sein wollen, schmählich durchgefallen sind, aber wehe der zionistischen Politik, wenn diese Leute jemals das große Wort führen sollten! Der Prager Friedhof in Gefahr! Von Dr. Alfred Wiener. Zeitungsmeldung: „Der weltberühmte Prager Judeniriediiof soll verschwinden." Dieses Prag ist ein ganz großes, letztes Erlebnis. Diese berauschende Geschlossenheit baulicher Ueberlieferung der lärmenden Altstadt und der stillen Kleinseite! Dieser überquellende Reichtum an kaum von der „neuen Zeit*' veränderten Straßen und Plätzen, Kirchen und Palästen, Bürgerhäusern und Höfen einer stolzen Vergangenheit! Wer aufgeschlossenen Herzens durch Prags alte Viertel — das ist fast ganz Prag — wandert, der spürt jenseits aller Reisebücher den Atem der ehrwürdigen Reichshauptstadt von damals. Und immer wieder sucht er den Weg an die Moldau, weil diese an Fluß und Berg sich dehnende Stadt als Ganzes die Weihe alter Zeiten greifbar darstellt, sie sich durch die Jahrhunderte jungfräulich bewahrt hat. Im kleinen und doch im großen das gleiche bei Prags jüdischen Altertümern. Zwischen regufclierten, schnurgeraden Straßen und übelsten Miethäusern die letzten Reste des Ghettos: das jüdische Rathaus, die Altneuschul und der Judenfriedhof. Das schreibt sich hier so einfach. Und doch dieser Judenfriedhof. Wo Stein an Stein, wo Grab an Grab aus verschollenen Zeiten sich drängen, wo die Großen in Israel in stolzen Steinhäusern gebettet liegen, die begnadete Bildhauerhände mit der monumentalen hebräischen Schrift verziert, mit sinnvollen Wappen und Bildern geschmückt haben. Und ein grünes dichtes Laubdach liegt über den zusammengepreßten verwitterten Steinen. Die kecken Sonnenstrahlen bahnen sich mühsam ihren Pfad durch die Hollunder¬ und Fliederfülle, und die Vöglein des Himmels trillern fröhlich auf des hohen Rabbi Low Grab, begrüßen Hendel, die Gattin des JakobBath-Schewi von Treuenberg oder den fremdländischen Namen des Josef ben Elias del Medigo de Candia. Jüdische lebendige Altertümer in der Welt sind wenige. Wenige, die noch unter Gottes freiem Himmel zu uns rührend sprechen von großartiger jüdischer Vergangenheit, von Hingabe für Heimat, Gemeinde, Religion, von überlegener rabbinischer und weltlicher Wissenschaft, nicht minder von martervoller Geschichte, von schrankenlosem Gewaltmißbrauch mancher großer Herren. Dieser Judenfriedhof sagt und klagt, segnet und flucht. Er kündet wie ein aufgeschlagenes Buch Zeiten vol! Enge und Not und Zeiten voll Fülle und Brot. Und über allem liegt wie über Prag der Strahlenkranz einer stolzen jüdischen Gemeinde ehrenvolle Vergangenheit, ehrenvoll durch Persönlichkeiten und Leistungen aus ihrem Schöße, ehrenvoll nicht min- JAC. MAYER Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Eigen« maaableUllllä Zentrale: Wien IL, GlOCkengaSSe 24 Tel.R48-4-79 =3= Für Kultusbaamte und VerelnsfunktlonSre gegen Legitimation 10*/. NachlaB t

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