Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 32 (10.8.1928)
- Date
- 1928-08-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 ni!HHHHi!HWHH?ilf!!llll!!IW der Joint Palestine Servey Commission entgegenzunehmen, mit dem wir uns in Nummer 27 vom 6. Juli eingehend beschäftigt haben. Dieser Bericht war, wie dort erwähnt, zu verschiedenen für den Zionismus und die Palästinabewegung nicht gerade günstigen Ergebnissen gelangt, die bei ihrer Verlautbarung in den weitesten zionistischen Kreisen arge Mißstimmung erregten. Insbesondere die zionistischen Arbeiterparteien waren mit einzelnen Punkten des Berichtes nicht nur nicht einverstanden, sondern sie betrachteten ihre bedingungslose Annahme als eine offene Kampfansage an ihre Gruppe. Der Bericht befaßte sich nämlich auch mit dem Studium der Frage, welches System sich am besten für die landwirtschaftlichen Siedlungen eignet, das individuelle System oder das der kooperativen Arbeit, der K w u z a h. und kam zu dem Ergebnis, daß die individualistischen Betriebe im allgemeinen in sich mehr Antrieb zu Fleiß und Wirtschaftlichkeit bergen und deshalb in der Konkurrenz zwischen kollektivistischer und individualistischer Siedlungsform die letztere zweifellos gewinnen wird. Ferner erregte es den Widerspruch der Arbeiterparteien, daß der Expertenbericht eine ausgiebige Unterstützung der privaten Siedlungsformen befürwortet, während bisher die aus aller Welt und aus allen privaten Kreisen zur Verfügung gestellten Mittel nahezu vollständig für die Heranbildung der Chaluzim. ihre Ansiedlung und die Konsolidierung ihrer Gemeinschaften verbraucht, für die Unterstützung der privaten Initiative aber, also der Privatwirtschaft sehr geringe Beträge bereitgestellt wurden. Schließlich wiesen die Arbeiterparteien die Forderung des Berichtes zurück, neben dem Nationalfonds auch eine Bodenreserve zu bilden, um Privatleuten die Möglichkeit zu geben, Boden zu normalen Preisen zu erwerben. Bisher wurde nämlich der jüdische Nationalfonds nur zu dem Zwecke verwendet, um Boden als „unveräußerliches Gut des jüdischen Volkes" anzukaufen und den Arbeitern in Erbpacht zu geben. Der Nationalfonds hat ferner bisher die Erbpachtverträge nicht mit den einzelnen Siedlern, sondern mit ihren Organisationen, den Arbeiterparteien, geschlossen. Das Gutachten fordert aber, daß nur auf Grund von Verträgen, die zwischen dem Nationalfonds und den einzelnen Siedlern selbst geschlossen werden, kolonisiert werden darf. wie diejenigen über Eliah den Propheten, durch die Chassidim eine starke Alterdation erfahren. Die sechsunddreißig im Verborgenen blühenden Gerechten mußten den chassidischen Zaddikim, die eine möglichst große Publizität anstrebten, eine starke Konkurrenz bieten, zumal seitdem der ..Große Maggid"' die Theorie ausgebildet hatte, daß der ..Rebbe" allein den Anspruch erheben darf, die Stütze der Welt zu sein. Ob dieses Widerspruchs entstanden Zweifel unter den Gläubigen, die ein berühmter Zaddik durch folgendes Diktum zu beschwichtigen suchte: „Na, das wäre nicht übel, wenn wir in Wirklichkeit nichts weiter wären, als was wir scheinen!" Das soll heißen, wir sind eben die sechsunddreißig Zaddikim. wenn wir bekannt und berühmt sind, so enthüllt unser Ruhm doch nur einen verschwindenden Teil dessen, was wir in Wahrheit sind, der größte Teil davon bleibt profanen Blicken verborgen. Viele alte Sagen von den sechsunddreißig Gerechten wurden jedoch in chassidischem Sinne umgearbeitet und der Rebbe trat an die Stelle des „Nisthar", so wie ihm in den umgestaltenen Eliah-Sagen die Rolle des Propheten zugeteilt wurde. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die chassidische Umarbeitung der vorliegenden Sage, wie sie unter Nummer 8 der 13 Erzählungen enthaltenden Sammlung „Sippure Maharan'' von Rabbi Nachmann aus Braclaw vorkommt. Rabbi Nachmann gab der Geschichte sogar eine Wendung gegen die Vertreter des strikten Talmudismus, die Rabbiner, indem er den Vater des jungen Mannes Rabbiner sein läßt, so daß dieser dem Zaddik gegenüber als Repräsentant eines minderwertigen Prinzips erscheint. Der Streit zwischen den Chassidim und Misnaggdim war zur Zeit Nachmanns heftig entbrannt. Uebrigens sind alle 13 Erzählungen des Rabbi Nachmann nichts als mehr oder minder ungeschickte und geschmacklose mit kabbalistischen Floskeln versehene Bearbeitungen bekannter Volkssagen, von denen einige sogar schon literarisch fixiert waren. Eine von ihnen geht auf die mittelalterlichen Märtyrerebroniken zurück. Beachtenswert ist der Volksglaube, daß noch ein siebenunddreißigster Zaddik nisthar gleichsam als Ersatzmann für den Fall eines plötzlichen Todes eines der sechsunddreißig lebt. Diese Vorstellung geht, wenn ich mich nicht irre, rauf Cbajjim Vital zurück. (Fortsetzung folgt.) Zuckerkranke Wie Sie Ihren Zucker los und wieder arbeitsfähig werden, teile ich jedem Kranken unentgeltlich mit. Fr. Low, Walldorf A 21 (Hessen) Die zionistische Kritik griff vornehmlich diese Punkte des Berichtes heraus, weil sie sie als besonders bezeichnend für seine Grundtendenz ansah, die angebliche Verständnislosigkeit gegenüber den Inporderabilien der zionistischen Bewegung und insbesondere der palästinensischen Arbeiterschaft. „Die zionistische Politik war ja seit jeher," wie Doktor A. Kupferberg jüngst im Hamburger „Israelitischen Fami- Jienblatt" richtig bemerkte, „nur zur Hälfte von ökonomischen Gesetzen bedingt; die andere Hälfte umfaßte jene unwägbaren Gefühlsmomente, die die Anhänger . der Bewegung als das eigentlich Zionistische, ihre Gegner aber als Chauvinismus und Verstiegenheit betrachten. In der Würdigung der Palästinaarbeit als eines Werkes „zu menschlicher Wohlfahrt und Gesittung" ging man zusammen; wurde aber von den Zionisten statt der philanthropischen Akzentuierung oder neben ihr die nationale verlangt — da trennten sich die Geister. Und das ist, nach dem Tenor des Kommissionsberichtes dem Zionisten heute klarer denn je: Für jeden seiner Partner in der Jewisb Agency, ja für jeden Nichtzionisten der Welt, wird die systematische Außerachtlassung jener Gefühlsmomente unverrückbare Voraussetzung des überparteilichen Palästinaaufbaues sein!" Die zionistischen Arbeiterparteien, die bisher mit aller Kraft für die Erweiterung der Jewish Agency im Sinne der Politik Weizmanns eingetreten waren, waren zuerst allen Verstandeserwägungen zum Trotz nicht imstande, diese die Entwicklung des Palästinaaufbaues schwer hemmenden Gefühlsmomente auszuschalten, sie stürmten mit voller Kraft gegen Weizmann als den eigentlichen Urheber der Versöhnungspolitik los und — sind umgefallen. Während sie in den ersten Sitzungen des Aktionskomitees Vergrößerung der Einwanderung, Weiterführung des jüdischen Nationalfonds als Instrument der Bodenpolitik, Beibehaltung des Kwuzah-Typs verlangten, der Joint Palestine Survey Commission jedes Recht absprachen, auf die zionistische Arbeit in Palästina bestimmend einwirken zu können, da sie im Gegensatz zur ganzen Ideologie des Zionismus stünde, kamen sie auf einmal in letzter Stunde darauf, daß die von der Exekutive vorgeschlagenen Resolutionen eigentlich ihren eigenen Forderungen entsprachen und daß es nunmehr nur um einen Prestigekampf und um leere Formeln gehe. So blieben die vier Mann der Radikalen und Revisionisten allein auf weiter Flur, die in ihrer unversöhnlichen Haltung ausharrten. Was Weizmann verlangt hatte, „die unzweifelhafte Majorität", er hat sie wohl nach stürmischen Kämpfen, die sich hauptsächlich hinter den Kulissen, nämlich in der politischen Kommission abspielten, errungen. 41 gegen 4 Stimmen vereinigte er auf die Anträge der politischen Kommission, die die Exekutive akzeptiert hatte und die folgenden Wortlaut haben: Das Aktionskomitee drückt den Mitgliedern der Joint Palestine Survey-Kommission Dank und Anerkennung aus und konstatiert, daß diese Kommission eine Reihe von politischen Forderungen aufgestellt hat, die sich auf die Verpflichtung der Mandatarmacht beziehen, solche Bedingungen zu schaffen, um den Aufbau eines jüdischen Nationalheims zu beschleunigen. Die Organisation anerkennt den privaten Bodenerwerb als wichtig. Ein dazu notwendiges Institut soll aber nicht aus öffentlichen Mitteln geschaffen werden. Die Einwanderung muß verstärkt und der Grundsatz der jüdischen Arbeit gewahrt bleiben. Der von der Expertenkommission vorgeschlagene Plan der Errichtung eines Instituts für Industrie-, Pflanzungs- und Handelskredite mit einem Kapital von 750.000 Pfund soll mit möglichster Beschleunigung ausgeführt werden.