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Die Wahrheit · 1928-08-10 · Heft 32 (10.8.1928) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 32 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ölfc WAHRHEIT niiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiniiiininiiiiiiiiiiniiiw 5ejte 3 Nur eine groteske Verblendung und eine heillose Verwirrung der Maßstäbe kann zu solchen Behauptungen führen. Die Rässentheorie wird also nicht einmal der Tatsache gerecht, auf die sie selbst hinweist, die tatsächliche Ungleichheit der Individuen. Der Rassentheoretiker muß — gegen jeden Tatbestand — sich zu der Konstruktion flüchten, daß gut und schlecht gleich „arisch" und „nicht-arisch" sei. In Wirklichkeit bedeutet die „Einheit der Menschheit" gar nicht die tatsächliche Gleichheit aller Individuen, sie ist keine naturwissenschaftliche Tatsache, sondern eine sittliche Idee, die jedem Menschen „Würde" zuspricht. N i c h t ein „Menschenbrei" wird gefordert, der jede Eigenart zum Verlöschen bringt, sondern die gegenseitige Wertschätzung bei Erhaltung und Pflege aller individuellen Besonderheiten. — Man muß noch einen Schritt weitergehen: Nur die Durchführung der Idee von der Würde des Menschen verbürgt die Erhaltung des Individuellen; denn sie setzt ja die Achtung von dem „So-sein" des andern als oberstes Prinzip. Könnten dagegen die Rassentheoretiker ihre Gedanken verwirklichen und alle Menschen ausrotten, die nicht zu der sogenannten edlen Rasse gehören, so bliebe nichts übrig als ein einheitlicher „Menschenbrei" von des Rassentheoretikers Gnaden. Der viel berufene „Menschenbrei" liegt also nur in Konsequenz der Rassentheorie, die als unsittlich entlarvt werden muß. Die Rassentheoretiker haben es leicht, Anhänger zu gewinnen; denn sie schmeicheln primitiven Instinkten, sie machen es ihren Gefolgsleuten bequem und geben auch dem noch einen angemaßten Stolz, der durch den Mangel an Leistungen glänzt. Die großen Bestrebungen für die Versittlichung der Menschheit haben es schwerer: sie sind auf die Zukunft gerichtet, sie fordern die Entscheidung und die Tat der freien Persönlichkeiten, sie stellen Aufgaben, die nur im Kampfe gegen ursprüngliche Triebe zu lösen sind. Wer es ablehnt, sich von Demagogen gängeln zu lassen, dem fällt die Entscheidung nicht schwer. * Die Rassentheorie, die gerade in den Wirrungen der Nachkriegszeit sich verheerend ausbreitet, richtet sich in erster Linie gegen die Juden. Mit Recht sagt der leider so früh verstorbene Christian B r y: „Wenn man von Rasse spricht, meint man meistens den Juden." Hier ist uns eine Aufgabe besonderer Art gestellt: nicht nur im Interesse der Selbstbehauptung müssen wir dem ..Hinterweltlertum" dieser Theorie entgegentreten; wir haben vielmehr diesen Kampf aufzufassen als ein Eintreten für die wichtigste Angelegenheit der Menschheit. Dozent Dr. Siegfried Weinberg, Berlin. Weizmanns Pyrrhus-Sieg. Die zionistische Politik hat große und schwere Tage hinter sich. Vom 20. bis zum 28. v. M. tagte in Berlin die diesjährige Konferenz des zionistischen Aktionskomitees, d. i. jenes zionistischen Forums von 50 Delegierten aus aller Herren Ländern, das, vom zionistischen Kongreß bestellt, die Exekutive zu kontrollieren hat. Der diesmaligen Tagung dieser Körperschaft kam besondere Bedeutung zu. Sie hatte den Bericht schien ihm sein ganzes Treiben leer und zwecklos, weder im Lernen, noch im Beten konnte er den richtigen Taam (Geschmack, Gefühl) wiederfinden. Er ging immer sinnend herum und sehnte sich nach jenem verfallenen Häuschen und der Stimme, die daraus erscholl. Das Herz sagte ihm. daß er nur auf diesem Wege Vollkommenheit erlangen könnte. Der Vater fragte ihn: „Was fehlt dir, mein Sohn?" Aber er wußte nicht, was er antworten sollte, denn er schämte sich lange, seine Sehnsucht einzugestehen. Endlich gestand er seinem Vater, daß er nach jener Stadt fahren wolle, um den Wasserträger in dem verfallenen Häuschen zu sehen und mit ihm bekannt zu werden. Er wolle sein Schüler werden, um Vollkommenheit zu erlangen. Der Alte war sehr verwundert und sagte: „Was kannst du von irgendeinem Wasserträger lernen, der gewiß kaum beten kann?" Aber da der junge Mann immer umherging, als wäre er nicht auf dieser Welt und immer schlechter aussah, so ging das dem Alten zu Herzen und er sagte: „Weißt du was, wir fahren hin." Er ließ anspannen. Doch unterwegs brach eine Achse und sie mußten umkehren. Sie fuhren ein zweitesmal aus, aber da legte ein Pferd sich hin3 und verendete, und sie mußten umkehren. Das drittemal. als sie über eine Brücke auf einem tiefen Fluß fuhren, stürzte die Brücke ein und um ein Haar wären die Reisenden ertrunken. Als der Alte das sah, sagte er: „Mein Sohn, es scheint nicht der Wille des Himmels zu sein, daß du hinfährst. Laß uns umkehren, und sprechen wir nicht mehr von der Sache." Aber nach einiger Zeit fing es wieder an, wie ein Wurm am Herzen des jungen Mannes zu nagen, und er konnte es vor Sehnsucht nicht aushalten. Als der Vater seine Qualen sah, sprach er: „Gut, fahren wir hin." Und er ließ anspannen. Sie fuhren ohne Hindernis ihren Weg. In einem Gasthaus machten sie Halt, und dort fanden sie einen Kaufmann, mit dem sie sich, wie üblich, in ein Gespräch einließen. Sie erfuhren, daß der Kaufmann aus jener Stadt war, wohin die beiden fuhren. Der Alte fing an, den Kaufmann auszufragen, ob er dort jenen Wasserträger kenne, der in dem verfallenen Häuschen außerhalb der Stadt wohne. Als nun der Fremde hörte, daß die beiden zu jenem Wasserträger reisten, da der junge Mann sein Schüler werden wollte, begann er sehr zu lachen und verspottete den Jungen, der sich mit solchen Dummheiten abzugeben gedachte. Was kann einer von einem alten Wasserträger lernen, der sein ganzes Leben tagaus tagein die Wasserkannen in die Häuser bringt, nur mit Mühe lesen kann und am Sabbat in der Synagoge) ganz hinten bei der Türe steht? Er riet ihnen ab, die Reise fortzusetzen und der junge Mann sollte die Zeit nicht verlieren und das Studium der Thora nicht wegen solcher Kindereien unterbrechen. Der Vater war bereit, umzukehren, aber der Sohn beharrte darauf, bis ans Ziel zu kommen. Da sprach der fremde Kaufmann: „Nehmt euch in acht, ich warne euch davor, jetzt die Reise fortzusetzen, denn es ist ein Schneesturm in Anzug und das kann gefährlich werden." Aber obgleich es Winter war, so war doch das Wetter still und sie glaubten nicht, daß ein Schneesturm bevorstand, Sie machten sich also auf und fuhren davon. Einige Meilen entfernt brach ein schrecklich Ungewitter los. Der junge Mann starb auf djr Stelle, und da es nicht mehr weit von jener Stadt war, brachte ihn sein Vater dorthin und dort wurde er begraben. Als ein Jahr um war, fuhr der Vater trauernd zum Grab seines Sohnes. Unterwegs begegnete er abermals demselben Kaufmann, der setzte sich zu ihm in den Wagen und fing an: „Ich habe euch im vorigen Jahre abgeraten, weiterzufahren, ihr folgtet mir nicht, und so mußte dein Sohn sterben. Ich mußte verhindern, daß dein Sohn mit jenem Wasserträger, der nun auch schon tot ist, zusammenkomme. Dieser war nämlich nur zum Schein solch ein gemeiner Mann, er war aber einer der sechsunddreißig Gerechten, die im Verborgenen bleiben. Wäre dein Sohn, der so jung schon eine so hohe Vollkommenheit erreicht hat, zu ihm gekommen und sein Schüler geworden, mir wäre es schlimm ergangen in der Welt." — Der Alte erschrak und fragte: „Wer seid ihr denn?" — „Ich bin Satan", antwortete der andere und auf der Stelle war er verschwunden. * Anmerkung: Diese Sage gehört zu dem Zyklus von den „Sechsunddreißig Gerechten" (Lammed-waw Zaddikim), dem ein schon im Talmud (Sukkah 45 b) erwähnter Volksglaube zum Grunde liegt. Ein großer Teil dieser Sagen hat,\ebenso

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