Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 31 (3.8.1928)
- Date
- 1928-08-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 •■■■■^^ 'kund und Literatur Die erste jiddische Arbeiterzeitung. Bisher bestand allgemein die Annahme, daß die ersten sozialistischen Zeitungen in jiddischer Sprache um die Mitte der Achtziger jähre in London erschienen seien, u. zw. der „Puilischer Jiddl" (1884) und der „Ar b e t e r f r a i nd" (1885). 1886 erschienen in New York die gleichfalls sozialistisch orientierten Blätter Die naje Zait" und die „N e w Yorker jiddische Volkszeitun g". Als erste jiddische Arbeiterzeitungen in Rußland galten die handschriftlich vervielfältigte „Najs fun Rusland" und die illegal gedruckte „Arbeterstimme": beide erschienen in WM na 1896/97. Nunmehr entdeckte man in russischen Staatsarchiven eine jiddische Arbeiterzeitung, die früheren Datums ist als die oben erwähnten. Es handelt sich um die „Arbeterzeitung", die illegal bereits 1881 in Petersburg herausgegeben wurde; sie war im Gegensatz zu den Londoner und New Yorker Blättern, die einem religiös gefärbten Sozialismus huldigten, ein Organ des revolutionären Klassenkampfes und gibt interessanten Aufschluß über die Beziehungen der damaligen jüdischen Revolutionäre zu der Gruppe „Narodnaja Wolja", der Vorläuferin der russischen sozialistischen Bewegung. Die Artikel in dem Blatt stammen «um Teil von dem bekannten nichtjüdischen russischen Revolutionär S h e 1 j a b o w, dessen Attentat Zar Alexander II. zum Opfer fiel. J. Rabim Die Juden in Zülz, 1926, Verlag Magistrat Zülz (Oberschlesien). — Dieser „Sonderabdruck aus der Festgabe zur 700-Jahrfeier der Stadt Zülz" bestätigt wieder die Erfahrung, daß für die allgemeine jüdische Geschichte die Bearbeitung kleiner und kleinster Teilgebiete oft die wertvollste Ausbeute bringt. Das alte jüdische Wort „eine Gemeinde stirbt nicht" wird zwar auch hier widerlegt, indem von dieser „Ir woem b'Jisroer, mit ihren 1061 Juden (neben 691 Christen) im Jahre 1782 und 1096 im Jahre 1812, heut nur noch zwei jüdische Familien; im ganzen 9 Seelen übriggeblieben sind. Aber, wer die Wohnungsnot im alten Ghetto und andere kulturgeschichtliche Einzelheiten aus unserer Vergangenheit studiert, findet hier wertvolles Material. Auch daß die polnischen Juden den aus Schlesien ausgewiesenen tatkräftig beigestanden haben, sei erwähnt. Wir hoffen, daß die vom Verfasser in Aussicht gestellte ausführliche Behandlung des Gegenstandes uns recht bald erfreuen wird. Schon für diese schöne Gabe verdient er unseren Dank. G. J. Pollak: Vom jüdischen Sein und Werden, Prag 1928, Verlag Dr. Jos. F1 e s c h, M. 3,50. Aus dem Nachlasse des frühverstorbenen Universitätsprofessors J. Pollak hat Fr. Thieberger volkstümliche Aufsätze über die Propheten, Hiob, Maimonides, Religion und Religionen, die Frau im Judentum u. a. veröffentlicht. Wie bei einem Gelehrten von dem Formate P o 11 a k s, bei seiner Gemütstiefe und dem Ernst und Eifer, die er jüdischen Fragen widmete, nicht anders zu erwarten, bietet er in diesen Ausführungen viel des Wissens- und Beherzigenswerten. Daß er aber Seite 12 mit den zeitgenössischen Rabbinern so scharf ins Zeug geht, daß mancher gegen sie erhobene Vorwurf über das Ziel Tel. 68-1-28 XI., Zentralfriedhof, neben dem l. Tor, Tel. 98-0-85 hinausschießt, ist nur aus ganz besonderen Verhältnissen erklärlich, die ihm offenbar hierbei vor Augen schwebten. Gegen den gesamten Stand lassen sie sich nicht aufrecht halten. Diese eine Seite — wir möchten nicht von Einseitigkeit sprechen — tut aber dem Werte des Ganzen keinen Abbruch. Der Verlag hat mit dieser Veröffentlichung einen guten Griff getan. Germania Romana IV. Die Weihedenkmäler, erläutert von F. Koepp, Bamberg 1928, C. C. Buchner. Mk. 3.50. — Auch diese Lieferungen der vom Deutschen Archäolog. Institut herausgegebenen Uebersicht über die römischen Denkmäler in Deutschland bringen selbst dem Laien viel des Anziehenden. Besonders für Reisen durch jene Gegenden Deutschlands, in denen sich Museen römischen Altertums befinden, findet man hier eine vortreffliche Vorbereitung. H. Hirsch. Gedanken zur zionistischen Kolonisation auf unbewässerten Böden, Berlin-Charlottenburg, Verlag „Kedem", Mk. 1.70. — Der Verfasser, der selbst in Palästina als Chaluz gearbeitet hat, kennt aus eigener Erfahrung die Schwächen der bisherigen Bodenbearbeitung und Kolonisation und erteilt vom Standpunkt der modernen Landwirtschaft wertvolle Ratschläge zur Revision der herrschenden Anschauungen und Verbesserung der bestehenden Verhältnisse. Jedem Palästinafreunde wird seine Arbeit willkommen sein. R. Levy. The astrological works of Abraham ibn Ezra, Baltimore (Maryland) 1927, The John Hopkins Press. — Diese bibliographisch wichtige Studie zeigt wieder, daß Ibn Ezra, besonders als Vorläufer Spinozas, noch lange nicht nach Gebühr gewürdigt worden ist. Auch für den Philologen ist das Buch von Belang, indem es ein wertvolles altes hebräischfranzösisches Glossar bietet. Das antisemitische „Stahlhelm-Handbuch". Im Auftrage des Bundesamtes haben zwei Stahlhelmmitglieder ein „Stahlhelm-Handbuch" auf Grund „amtlichen Materials" herausgegeben, das sozusagen der Katechismus der Organisation sein soll. Ein Kapitel ist „Stahlhelm und Christentum" genannt. Ein Freiherr v. Lüninck schreibt darin: „Wenn Atheisten, Materialisten und Pazifisten, wenn Juden und Judengenossen den Stahlhelm bekämpfen, so wird uns das stets eine Ehre sein und uns den Beweis erbringen, daß unsere Ziele und Wege die richtigen sind." Die „C. V.-Zeitung" bemerkt dazu: „Statt weiterer Anwort wollen wir uns lediglich darauf beschränken, die Tonart festzustellen, in der maßgebende Kreise des Stahlhelms von „Juden und Judengenossen" sprechen. FLEISCHH AUEREI^ SIEGMUNP KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilung für Koscherfleisch IX., Berggasse IS und XVIII., BähringBrstraßB 97 unter Aufsieht des ehmr. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Vinn. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen g^iiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiNimiiiiiiiniiiTnin 3 Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons * JULIUS HABER Kohlen- und Koksgroßhandlung Für Tempel- und Wohlfehrts vereine Ausnahmipreiie Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien IL, TaborstraBe 9 Fernsprecher Nr. R 41-0-22