Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 31 (3.8.1928)
- Date
- 1928-08-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DDE WAHRHEIT itöHHHflittiiw Se|tÄ jj llhkrhcUmtvinTage Wien, das medizinische Zentrum der Welt. Die 5000-Dollar-Spende der American Medical Association oi Vienna. Der Präsident Dr. Ben L. Bryant der American Medical Association of Vienna, die bekanntlich kürzlich das Jubiläum ihre fünfundzwanzigjährigen Bestandes feierte, hat an den Bürgermeister von Wien nachstehenden Brief gerichtet: „Im Namen der amerikanischen Aerztevereinigung von Wien gestatte ich mir hiermit, einen Scheck über 5000 Dollar mit der Bitte einzuhändigen, denselben gefälligst für die Stadl Wien in Empfang nehmen zu wollen und den Betrag in einer Weise zu verwenden, wie Sie es für die Förderung der Kinderwohffahrt am zweckdienlichsten halten. Diese Zuweisung wurde anläßlich der Feier des i ü n fundz wan z i g j äh r i g e n Jubiläums der amerikanischenAerztevereinigunginWien gemacht und wir möchten damit der Stadt Wien und ihren Bewohnern ein kleines Zeichen unserer Dankbarkeit für die Gastfreundschaft beweisen, die wir in Wien durch fünfundzwanzig Jahre genießen durften sowie für die Liebenswürdigkeit und das freundschaftliche Entgegenkommen, welches während dieser langen Zeitdauer unserer Vereinigung entgegengebracht wurde. Bei dieser Gelegenheit bitten wir, den Mitgliedern der m edizinischen Fakultät der Wiener Universität nochmals unseren Dank für das große Interesse und die Kollegialität auszusprechen, welche sie immer unserer Vereinigung bewiesen haben und ohne welche das Gedeihen unserer Organisation unmöglich gewesen wäre. Ebenso möchten wir nicht nur den staatlichen, sondern auch den städtischen Funktionären unseren Dank für die Bestrebungen, uns in jeder Weise dienlich zu sein, zum Ausdruck bringen. Ich möchte es nicht unterlassen, Ihre und die Aufmerksamkeit Ihrer Mitbürger darauf zu lenken, daß die amerikanische Aerztevereinigung in Wien beinahe sechstausend lebenslängliche Mitglieder zählt und daß sich im letzten Jahre ständig durchschnittlich zweihundertfünfzig Mitglieder in Wien aufgehalten haben. Seit der Gründung der Vereinigung bis zum heutigen Tage kam der größte Prozentsatz unserer Mitglieder nach Wien, um Oto-Laryngologie zu studieren, was zweifellos durch die Tatsache bestimmt wurde, daß gerade diese Wissenschaft in Wien ihren Ursprung und ihre Entwicklung gefunden hat. Aus diesem Grunde ist es jedenfalls auch erklärlich, £•"£ die größte Anzahl der in Wien gegenwärtig weilenden Miulieder Oto-Laryngologen sind, welche durch die einen Weltruf genießenden Kliniken nach Wien gezogen wurden, das sind die Kliniken der Herren Professoren H. Neumann, M. H a j e k und G. Alexander. Wir fügen hinzu, daß natürlich auch jeder andere Zweig der medizinischen Wissenschaft in der amerikanischen Aerztevereinigung vertreten ist, und da alle unsere Mtglieder graduierte Aerzte sind, von denen die meisten überdies auf eine: langjährige Praxis in Amerika zurückblicken können, ist dies ein Beweis dafür, daß Wien noch immer, wie es schon seit vielen Jahren gewesen ist, als das medizinische Zentrum der Welt für das Fortbildungsstudium angesehen werden kann. Im Gegensatz zu den verschiedenen kleineren Gruppen, die Wien zu Studienzwecken besuchen, nimmt der größte Teil unserer Mitglieder einen längeren, sich über drei bis zwölf Monate erstreckenden Aufenthalt in Wien, woraus sich zweifellos nicht nur die Vorteile für die Besucher, sondern auch für die Bewohner Wiens beurteilen lassen. Da ein längerer Aufenthalt ein überhastet-intensives Studium nicht erforderlich macht, so kann die zu leistende Arbeit um so gründlicher durchgeführt werden und ermöglicht außerdem dem Besucher, sich von der schönen Stadt Wien ein richtiges Bild zu schaffen und auf Grund desselben eine zweckentsprechende und zweifellos nützliche Propaganda für Wien in Amerika zu entfalten. Es ist auch zweifellos, daß ein Aufenthalt von mehreren Monaten unserer Mitglieder in Wien vom ökonomischen Standpunkt aus für dessen Bewohner große Vorteile bietet, besonders wenn man in Betracht zieht, daß viele derselben ihre Familien mitbringen. Ohne in der Schätzung zu weit zu gehen, kann angenommen werden, daß die Mitglieder unserer Vereinigung im vergangenen Jahr in Wien 1,500.000 Dollar verausgabt haben. Der Dank an Wien. Schließlich möchte ich es nicht unterlassen, sehr geehrter Herr Bürgermeister, Ihnen nochmals im Namen unserer Vereinigung meinen tiefgefühlten Dank auszusprechen für das so vortreffliche und so angenehm verlaufene Bankett, welches Sie die Freundlichkeit hatten, zu unseren Ehren als ein Teil unserer Juliläumsfeier zu veranstalten. Es wird dies noch eine weitere schöne Erinnerung bleiben zu den vielen anderen, welche jeder von uns schon gesammelt hat, Erinnerungen, die uns wirklich fühlen lassen, daß wir in Wien eine zweite Heimat gefunden haben, eine Heimat, die wir wirklich lieben und zu der wir wieder und immer wieder gern zurückkehren möchten." Anmerkung der Redaktion; Jetzt wissen wir, weshalb Juden an der Wiener medizinischen Fakultät kein Ordinariat erhalten können. Hetze gegen die hohen Jüdischen Feiertage. Die Zeitung „Emeß" hat vor kurzem das Signal zum Kampfe gegen die hohen jüdischen Feiertage mit einem Aufsatz gegeben, in welchem gesagt wird: „Die Sommerzeit schreitet vor, bald rücken die religiösen Feiertage heran. Die Klerikalen, wie Rabbiner, Vorbeter, Choristen, Schächter, Prediger und andere heilige Funktionäre überfluten die jüdischen Städtchen und ziehen die letzte Kopeke aus den Taschen der verdummten und verfinsterten Massen. Sogar in Moskau, der neuen „jüdischen Stadt", rüstet man sich zu den hohen Feiertagen." Die Zeitung meint, man müßte aus der Vergangenheit lernen und mit der antireligiösen Kampagne nicht erst bis zum Eintritt der Feiertage warten, wo sie wirkungslos verpufft, sondern schon heute eine systematische und stetige antireligiöse Propaganda durch Organisierung antireligiöser Kreise und Seminare zu beginnen. Katastrophale Resultate der Prüfungen in Rumänien. Die Baccalaureatsprüfungen (Abschluß-Examen) an den rumänischen Mittelschulen haben für die Angehörigen der Minderheiten, insbesondere für die jüdischen Schüler, katastrophale Ergebnisse gehabt. Ungefähr 75 Prozent aller jüdischen Schüler, die sich in den verschiedenen Städten Rumäniens dieser Prüfung unterzogen haben, fielen durch. In der Presse wird offen zum Ausdruck gebracht, daß die Einrichtung der Baccalaureats- Examen eigens dazu geschaffen worden ist, um für die Jugend der Minderheiten und besonders der Judenheit eine künstliche Barriere, einen Ersatz für_ den gesetzlich nicht bestehenden Numerus clausus, zu schaffen, der aber an Wirkung den Numerus clausus weit übertrifft und die jüdische Jugend zur Verzweiflung treibt. Spielwut indischer Frauen. Der Rat der Synagogengemeinden in London hat, wie schon berichtet, darüber diskutiert, ob den Frauen das Wahlrecht in den Vorstand der Synagogengemeinden zuzuerkennen sei. Es gelang den Vertretern der Orthodoxie, den Antrag auf Zulassung der Frauen zu den Wahlen mit 211 gegen 167 Stimmen zu Fall zu bringen. Die Debatte verlief sehr stürmisch, aber auch sehr interessant. Der Vorstand einer konservativen Synagogengemeinde, Josef P r a y, ein Anhänger des Frauenwahlrechtes, warf den Gegnern Zweideutigkeit und Inkonsequenz vor. Er erklärte, daß die Frau naturgemäß das konservative Element in der jüdischen Familie sei und daß man dieses Element stärken müsse. Durch die Verleihung des Wahlrechtes werde das lebendige Interesse der Frauen für das jüdische Gemeindeleben erkauft, und dieser Umstand wiege alle Bedenken reichlich auf. Statt das Recht der Frauen zu verkürzen, möchten doch die Gegner des Frauenwahlrechtes lieber den Mut aufbringen, gegen wirkliche Entartungen in der Frauenwelt anzukämpfen. „Warum", donnerte er, „unternehmen die so stockorthodoxen Herren nichts gegen die überhandnehmende Spielwut der englisch-jüdischen Frauen? In vielen jüdischen Häusern mußte das Zünden der Sabbatlichter aufgegeber» werden, weil die Hausfrauen, die Mütter nicht rechtzeitig aus dem Spielklub nach Hause kommen." So sprach Mister Pray in London. Er hätte die gleiche Rede in Wi e n. Berlin oder Hamburg halten können. Denn in allen Herren Ländern hat der Rummy-, Bridge -Teufel in jüdischen wie in nichtjüdischen Kreisen seine Opfer fest in den Krallen. Der Haushalt und die Kinder werden vielfach fremder, bezahlter Obhut anvertraut, so daß die übermäßige Spielleidenschaft mancher (jüdischen wie nichtjüdischen) Großstadtdamen geradezu die moralische und materielle Zerrüttung ihres Familienlebens im Gefolge haben kann.