Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 30 (27.7.1928)
- Date
- 1928-07-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 13 VmlDsekez» IDockc Promotion des Oberrabbiners Heinrich Weiß aus Wiener Neustadt. Am 19. Juli d. J. konnte man unter den zahlreichen Kandidaten, welche zu Doktoren der Philosophie promoviert wurden, eine markante Persönlichkeit wahrnehmen. Es war dies der Wiener Neustädter Oberrabbiner Heinrich Weiß, ein hervorragender Talmudgelehrter, nicht minder bedeutend als Historiker und Forscher. Seine Dissertationsarbeit: „Die Judengesetzgebung der österreichischen Regierung in den Jahren 1848—63 in bezug auf den Realitätenbesitz, Ehe und Taufe", die nicht nur vom Standpunkte der Erforschung jüdischer Geschichte in diesem Zeitabschnitte wegen der dokumentarischen Nachweise besonders wichtig erscheint, wurde auch von der philosophischen Fakultät in ganz hervorragender Weise anerkannt und gewürdigt. Der Wert dieser Arbeit erhöht sich dadurch, daß in ihr das wesentlichste Aktenmaterial aus dem verbrannten Justizpalast enthalten ist. Dr. Heinrich Weiß ist der Schwiegersohn des berühmten Malers David Ko.hn s. A. Ein Jude mit der Erforschung der magyarischen Urgeschichte beauftragt. Der ungarische Kultusminister Graf K1 e b e l sb e rg betraute den Oberrabbiner und1 Dozenten Dr. Alexander B ü c h 1 e r mit der Aufgabe, in den Bibliotheken von Straßburg, London und Oxford, in denen sich seltene hebräische, die U r g e s c h i c h t e der Magyaren behandelnde Manuskripte befinden, historische Untersuchungen anzustellen. Gesetzlicher Sabbathschutz einst und letzt. Angesichts der heute vielfach rigorosen Handhabung der Sonntagsruhegesetze gegenüber sabbathhaltenden jüdischen Betrieben ist es von Interesse, auf einen Erlaß Kaiser Napoleons I. vom 25. Dezember 1807 hinzuweisen, der ein Beweis der Toleranz gegenüber der jüdischen Glaubensgemeinschaft ist. Diese längst vergessene Verfügung Napoleons I. zugunsten des Sabbaths lautet: „Es ist dem göttlichen Recht zuwider, dem Juden, der Sonntags, sowohl wie an gewöhnlichen Wochentagen Bedürfnisse hat, zu verbieten, am Sonntage zu arbeiten, um sein Brot zu verdienen. Das Gouvernement könnte ein solches Gesetz nur dann erlassen, wenn es denen umsonst Brod gibt, welches keines haben; Polizei und Regierung haben daher hierüber nichts zu bestimmen. Selbst die heiligen Väter schrieben am Sonntage nur den Menschen Ruhe vor, welche im Wohlstande leben, oder die so viel von ihrer Wochenarbeit erübrigen, daß sie den Sonntag müßig zubringen können. Daher auch der Brauch in allen christlichen Ländern, daß man mit der Erlaubnis des Bischofs oder Pfarrers am Sonntage arbeiten durfte. Warum sollten dies die Juden nicht dürfen! ... Man hüte sich wohl, in die Notwendigkeit zu geraten, eines guten Tages Gendarmen zu gebrauchen, um die Juden, die zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes der Arbeit bedürfen, an der Sonntagsarbeit zu hindern. In beiden Fällen zeigt die Behörde Aberglauben, sei er politisch, sei er religiös. Gott hat den Juden die Verpflichtung zur Arbeit auferlegt, weil er nicht zugegeben hat, daß sie auch nur eine Frucht der Erde ohne Arbeit genießen ... So lange ich aber lebe, sollen in Frankreich Polizei und Gefängnis niemals die Mittel sein. Andersgläubige zu tyrannisieren. Ostende, am 25. Dezember 1807. Napoleon." Mancher moderne Gesetzgeber könnte sich an dieser Auffassung Napoleons ein Beispiel nehmen. Amtsjubiläum. Oberkarntor Arthur L e w i n begeht am 1. August d. J. das Jubiläum seiner 10jährigen Wirksamkeit im Mariahilfer Tempelverein (Schmalzhofgasse). Oberkantor Lewin, der über eine schöne klangvolle Tenorstimme verfügt, erfreut sich in seiner Gemeinde großer Sympathie und Wertschätzung. Budapest Die Repräsentanz der Pester Israelitischen Religionsgemeinde hielt vor kurzem ihre erste Generalversammlung seit der Wahf der neuen Leitung unter dem Vorsitz des Präsidenten Hofrates Aladar Kaszab ab. Der Präsident feierte den Chefredakteur des „Pester Lloyd" Josef Veszi und den Vizepräsidenten der Cbewra Kadisch Max Brauer anläßlich ihres Jubiläums, dann berichtete er über die Tätigkeit der Gemeindeleitung in den vier Monaten seit seinem Amtsantritt. Frauen- und Jugendgottesdienst werden ausgebaut, ein umfangreiches Synagogen- Bauprogramm wird verwirklicht. Der Bau des Realgymnasiums ist vollendet, das Hospital wird modernisiert und erweitert. Museum und Bibliothek werden ausgebaut. Dann teilte Präsident Hofrat Kaszab mit, daß die Gemeinde sich an die großen ausländischen Kultusgemeinden gewandt hatte, um sie zur Geltendmachung ihres Einflusses in ihren Ländern im Interesse der Wiederherstellung von Ungarns Grenzen und der Revision des Friedensvertrages von Trianon zu veranlassen. Nach der mit begeisterten Beifallskundgebungen aufgenommenen Rede unterbreitete der stellvertretende Generalsekretär den Budgetvoranschlag, der für 1928 Ausgaben im Betrag von 3.778.784 Pengö und Einnahmen im Betrag von 3,556.824 Pengö vorsieht. Nach einer eingehenden Diskussion wurde der Budgetvoranschlag einstimmig angenommen. Promotion. Dr. phil. Franz Joset Weiß. Sohn des Bethausvorsteher Medizinalrat Dr. Julius Weiß, wurde Dienstag, den 17. Juli, zum Doktor der Staats Wissenschaften promoviert. Riga. Zur Feier des Jahrestages der Freilassung von Rabbi Schneursohn, des berühmten „Lubawitscher Rebbe", aus dem Sowjet-Gefängnis, versammelten sich zahlreiche C h a s s i d i m aus Lettland und den angrenzenden Ländern in Riga, dem jetzigen Wohnsitz von Rabbi Schneursohn, um den Tag festlich zu begehen. Rabbi Schneursohn wurde vor mehr als einem Jahre unter der Beschuldigung, Gelder zur Erhaltung von Jeschiwoth gesammelt zu habent in Moskau verhaftet und nacheinander in Sowjet-Gefängnissen interniert. Auf Intervention verschiedener Persönlichkeiten des Auslandes, so auch des Dr. Oskar Cohn. Berlin, wurde Rabbi Schneursohn aus der Haft entlassen und durfte sich nach dem Ausland begeben. Heilbad Gleidienberg Stelern» Station: Kurzeit: Feldbach-Bad Gleichenberg Mai—Oktober Heilanzeigen: Luftröhre, Bronchial- und Lungenspitzenkatarrhe, Asthma, Emphysem, Nervenleiden usw. Herzmuskelerkrankangen, Kurmtttelt Natürltdie Kohlensäarebäder, pneumatische Kammern, Quellsole- und Flditennadel-Inhalationen, Kaltwasserkuren, Sonnenbäder, elektrische Lichtbäder, künstliche Höhensonne Berühmte Heilquellen: Konstantin- und Emmaquelle Ausgezeichnetes Tafelwasser: Johannisbrunnen Gute Verpflegung! Mildes Klima! Auskünfte durch die Kurkommission €5 Tellzaliluntlen T 3 Verblüffend billig* solid und fein J kaufen Sie Im 5 Sanitätshaus S Fischet j Wien, II., Taborstrasse 24 a Tel. II 40-3-93 ■ Wohlfahrtsanstaltenhohe Rabatte! ■ Damen- und Herrenbedienung! ■