Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 30 (27.7.1928)
- Date
- 1928-07-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 rniffliiimiiummiiiiimuiuiiiiiEnmnminTimnmi^ die Wahrheit Die «Räuber-" und die „Judenrepublik". Ein Kommunist, der die Deutsche Republik als „R ä u b e r r e p u b 1 i k" bezeichnet hatte, wurde vom Potsdamer Schöffengericht vor kurzem wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. Die Strafe war wohl strenge, aber sie war sicher nicht ungerecht, da ein Staat, der sich nicht gegen Beschimpfung und Schmähung gegenüber seinen eigenen Bürgern zu schützen weiß, den letzten Rest an Autorität einbüßen muß. Soweit wäre die Sache ganz in Ordnung und besagter Kommunist wird Gelegenheit haben, längere Zeit ungestört darüber nachzudenken, ob gewisse Methoden, welche seine Gesinnungsfreunde propagieren und dort, wo sie die Macht dazu haben, auch rücksichtslos durchführen, dem kommunistischen Staate nicht eher jene wenig schmeichelvolle Bezeichnung 'eintragen könnten. Kurz darauf hatte dasselbe Gericht abermals wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik ein Urteil zu fällen. Abermals war dieselbe geschmäht worden, und zwar diesmal von keinem Kommunisten, sondern von einem Hakenkreuzler, dem siebenundzwanzigjährigen Gruppenführer des „F r i d e r i c u s Bundes" Reinhold Scherwatzky aus Berlin. Dieser hatte, als er an der Spitze seiner Gruppe durch die Straßen Potsdams marschierte, ein Lied mit folgendem schönen Refrain gesungen: ..Blut muß fließen knüppeldick Wir pfeifen auf die Judenrepublik." Blut ist zwar glücklicherweise keines geflossen, wohl aber Tränen, ja ganze Tränenbäche benetzten den Boden des Gerichtssaales, da der tapfere Recke, Maulheld und Gruppenführer vor Gericht bitterlich zu weinen anfing, als es ihm nicht gelang, die ihm zur Last gelegte Handlung zu leugnen. Die als Zeugen geladenen Wachebeamten bekundeten nämlich unter Eid, daß der Angeklagte das inkriminierte Lied gesungen und insbesondere den Ausdruck .,J u d e n r e p u b 1 i k" gebraucht hatte. Der Staatsanwalt beantragte eine strenge Bestrafung, da der Mann, welcher vor dem Gerichte so bitterlich zu weinen anfange, die Massen aufgefordert hatte, den Staat zu verachten und seine Gesetze zu durchbrechen. Mit Rücksicht auf die vollkommene Zerknirschung und das flehentliche Gewinsel des einst so wackeren Bannerträgers des „Fridericus-Bundes" ließ jedoch der Gerichtshof Milde walten und verurteilte Scherwatzky bloß zu einer Geldstrafe von 70 Mark. Die außerordentliche Milde dieses Urteils, welche in schreiendem Gegensatz zu dem gegen den besagten Kommunisten gefällten Urteilsspruch steht, begründete der Vorsitzende damit, daß jenes Lied der Republik „nur" den Vorwurf mache, daß sie zu viel jüdische Männer in leitende Stellung aufnehme. Daß der Angeklagte mit dem Ausdrucke ..Judenrepublik" dies und „nur" dies gemeint hatte und nicht vielmehr damit noch ein schwereres Verdammungsurteil über das deutsche Staatswesen hat fällen wollen als sein kommunistischer Schimpfgenosse, das glaubt wohl der Vorsitzende selber nicht. Daß die Waage der Gerechtigkeit beim Potsdamer Gericht aber ganz aus dem Gleichgewicht gebracht wird, wenn man auf die eine Seite der Wagschale das schwere Gewicht von vier Wochen Gefängnis, auf die andere aber das federleichte von 70 Mark Geldstrafe legt das muß jedem sonnenklar erscheinen, der in die Methoden der preußischen Justiz nicht gut eingeweiht ist. Ein Denkmal für Karl Eötvös. Die jüdischen Gemeinden Ungarns haben beschlossen, Karl Eötvös, dem Verteidiger der jüdischen Angeklagten im Ritualmord-Prozeß zu Tisza E s z 1 a r im Jahre 1882, an einem Zentralpunkt in Budapest ein Denkmal zu setzen. Der Prozeß in Tisza Eszlar. der von den Behörden im Geiste finsterster Reaktion geführt worden war. hat seinerzeit die ganze aufgeklärte Welt in Bewegung gesetzt. Der damals im italienischen Exil lebende große ungarische Patriot Ludwig Kossuth erhob seine Stimme gegen die mittelalterlichen Vorurteile und Methoden der Behörden seines Heimatlandes. Der hervorragende Schriftsteller und Parlamentarier Karl Eötvös übernahm die Verteidigung der Angeklagten und protestierte bei dem Justizminister dagegen, daß sie in den Gefängnissen Folterungen unterworfen worden seien. Im August 1883 endete der Prozeß mit einem einstimmigen Freispruchsverdikt für die Angeklagten und mit deren Haftentlassung. Karl Eötvös war als Verteidiger der Juden den schwersten Angriffen und Bedrohungen seitens des Pöbels ausgesetzt. Ein jüdisches Seminar in Jugoslawien. Der Bund jüdischer Gemeinden Jugoslawiens beschloß die Gründung einer j ü d i s c htheologi sehen Anstalt in Sarai evo zur Ausbildung von Religionslehrern, Kantoren und Rabbinervertretern. Die Kandidaten sollen sowohl für den sephardischen. als auch für den askenasischen Ritus ausgebildet werden. Personalnacbricht. Dr. med. Victor Lemberger, ein langjähriger Sanatnriumschefarzt. hat sich im Herz-, Nervennnd Frquenbade Franzensbad (Böhmen) als Kurarzt (Villa T u r a n) niedergelassen. Frauen gegen die Schließung von Synagogen. Jüdische Kommunisten in Smolensk sammelten Unterschriften für Umwandlung der großen sogenannten ..Ch or-Sy n a eoge" in einen Arbeiterklub. Die Frauen dieser jüdischen Arbeiter traten aber dieser Propaganda enteegen, so daß die nötige Anzahl Unterschriften nicht aufgebracht werden konnte. Zw?ng<5Sonnt3gsruhe in der Slowakei. Die Gewerkschaft der slowakischen Handelsangestellten hat sich an den Handelsminister mit der Forderung nach Einführung der obligatorischen Sonntagsruhe gewandt. Der Minister versprach, das Gesuch zu befürworten. Sollte die1 Zwangssonntagsruhe eingeführt werden, so würde es ein schwerer Schlag für die slowakische orthodoxe Judenheit sein. Die jüdischen Kaufleute und Handwerker, die an den Sabbathtagen strengste Arbeitsruhe bewahren, würden dann gezwungen sein, zwei Tage in der Woche zu ruhen. Das in Vorbereitung befindliche Gesetz wegen Konzessionierung des Verkaufes von Spirituosen in Flaschen würde, wenn es in Geltung kommen sollte, die Juden schwer schädigen. Die zionistische Exekutive dementiert die Kongreßgerüchte. Wie von der ITA. aus Kreisen der zionistischen Exekutive mitgeteilt wird, entbehrt das Gerücht von der Vorbereitung eines außerordentlichen Zionistenkongresses für August dieses "Jahres jeder Grundlage. Richtig ist nur* daß im Zürich Erkundigungen bezüglich eines Kongreßhauses für den im kommenden Jahre regulär abzuhaltenden 16. Zionistenkongreß eingezogen worden sind. Die Toynbee-HaMe m Zürich käme eventuell als Kongreßhaus in Betracht. Tilobernes großes Tjaus mit großer Gartenanfage mit ganzer Gastfjausfcomession in bestem Bauzustand, für ein rituelles Hotel glänzend geeignet. In einem grüßen Kurort des Salzkammergutes Ist zu verkaufen Käufer müßte über ein entsprechendes Kapital verfugen und sich rasch entschließen 1 Adresse ist in der Redaktion des Blattes zu erfahren I KONKURS Der orth. Israel. Bethausverein „Emunas Awes", Wien XIV., Storchengasse 21» benötigt für die hohen Feiertage einen forbeier Reflektanten, die über eine klangvolle Stimme verfügen, außerdem Bal-Koreh sind und Referenzen über ihre religiös einwandfreie Lebensweise nachweisen können, richten ihre Anfragen an den Vorstand des Bethausvereines „Emunas Awes" Wien XIV., Storchengasse 21. Der Vorstand.