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Die Wahrheit · 1928-07-27 · Heft 30 (27.7.1928) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 30 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 ffiiiP^rcim«i^^ TüuiH und Literatur Die erste judische Zeitung. Im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts hatte sich in Holland, der damaligen Zufluchtsstätte der jüdischen Flüchtlinge aus Portugal, Spanien und zum Teil auch aus Frankreich und Polen, eine ziemlich ansehnliche jüdische Siedlung gebildet. In Holland herrschte damals das milde Toleranzregime des Statthalters Wilhelm III. und die Juden begannen nach den schweren Zeiten der Verfolgung sich wieder frei zu entwickeln. Sie führten einen ausgedehnten weitverzweigten Welthandel, beteiligten sich schöpferisch an Literatur und Wissenschaft und zeichneten sich ganz besonders auf dem Gebiete der Medizin und Mathematik aus. Durch die Vereinigung der polnischen und deutschen Juden in einer einheitlich aschkenasisehen Judengemeinde schwand auch allmählich der Gegensatz zwischen den aschkenasischen und sefardischen Juden. Im Amsterdamer Ghetto wurde der Sinn jüdischen gesellschaftlichen Lebens immer reger und es stellte sich allmählich das Bedürfnis nach einer periodischen Druckschrift, nach einer Zeitung heraus. Die Buchdruckerei und der Buchhande 1 waren neben dem Verkauf von Fleisch und anderen wenigen Berufszweigen die einzigen Gewerbe, welche die Juden in Holland betreiben durften, und tatsächlich haben diese Gewerbe unter den Amsterdamer Juden stark geblüht. Unter solchen Umständen erschien im Jahre 1681 in Holland die erste Zeitung für Juden. Es war die „Gazetta de Amsterdam", deren Herausgeber der bekannte Drucker David ben Abraham Castro Tartam war. Die Zeitung erschien in spaniolischer Sprache und war nur von kurzer Lebensdauer, hatte aber in gewissem Sinne den Boden für eine andere Zeitung vorbereitet, eine in jüdisch-deutscher Sprache, welche damals bereits von der Mehrzahl der holländischen Juden gesprochen wurde. Am 9. August 1686 erschien im Verlage der Druckerei des Amsterdamer jüdischen Buchdruckers Uri Phöbus (laut anderen Quellen Phelbus) ben Aron Halevi die erste periodische Zeitschrift in dem damaligen jüdischen Idiom mit Raschi-Schrift. Sie kam zweimal wöchentlich heraus und nannte sich die „DienstagischeCuranten" und die „F r e i t a g i s c h e Curanten". Edfflont de Goncourt: Juiiette Faustin, der Roman einer Schauspielerin. J. C. C. Bruns'Verlag, Minden l W. Mit psychologischem Scharfblick erfaßte Gestalten, die Leben atmen» wandeln durch die Seiten dieses Buches. Bewußt nur angedeutet, nur du Konturen gezeichnet, ohne an Charakteristik etwas einzubüßen, bilden sie einen Rahmen für die Eine, für Juiiette Faustin. Sie kämpft den ewigen Kampf zwischen Künstlertum und Frauentum, sie wehrt sich verzweifelt, läßt kein Mittel unversucht und doch geht die Bühne als Siegerin aus dem Ringen hervor. Die Faustin opfert ihr Weib-Sein der Welt der Bretter. Die Beschreibung des Werdeganges der Erfassung der „Phädra" durch die Künstlerin, die psychologische Auseinandersetzung mit dieser Gestalt vom Standpunkte der Frau, ist die Leistung eines genialen Kopfes, eines Poeten in des Wortes bester Bedeutung, eines Mannes, der die Menschen kennt und versteht Die Uebersetzung aus dem französischen Original hat den richtigen Weg gefunden, gutes Deutsch zu schreiben, ohne auf das der romanischen Sprache eigene Kolorit der Atmosphäre verzichten zu müssen. Dr. Hans Kronengold. M. A. Wiesen, Chochmo un' Charifus, Wien 1927, Selbstverlag, IX., Porzellangasse 13, Die 150 Nummern dieser Sammlung von Momentaufnahmen aus dem Leben im Beth- Hamidrasch Galiziens und seiner Atmosphäre sind nicht alle an Inhalt gleichwertig, zum Teil auch schon allgemeiner bekannt. Hier ist aber ein jedes Stück an seinem rechten Platz, gilt es doch, diese Seite des jüdischen Volkslebens möglichst ausgiebig zu beleuchten. Manches, wie Un' sio, wo der Lügner, der stets das Gegenteil der Wahrheit sagt, vor allen anderen Arten seiner Zunft bevorzugt wird, Nr. 223 „Dem Rebben's Lflke" u. a. überzeugen durch ihre zwingende Logik. Die meisten bieten Stoff zu harmloser Heiterkeit doch fehlt es auch nicht an beißender Satire, besonders in der Kritik der Chassidim und derRebbes. Auch Wiener Verhältnisse, so weit sie in diesen Rahmen gehören, werden gestreift Im ganzen ist das Buch, abgesehen davon, daß es eine unterhaltende Lektüre bietet, ein beachtens- und dankenswerter Beitrag zur Psychologie des Ostjuden mit zahlreichen Proben spezifisch jüdischen Humors. itmnHimiiniütimnuttmimimmimiirHtuumrHmtirtnmuiuünLi: du? WAHRHEIT R. Krautheimer, Mittdalterliahe Synagogen, Berlin W. 15, 1927, Frankfurter-Verlagsanstalt. Ein Buch von solcher Gediegenheit und Vielseitigkeit des Inhaltes wie Pracht der Ausstattung, daß ihm auf dem Gebiete der neuesten Literatur über judische Gegenstände kaum ein zweites an die Seite gestellt werden kann. Bedenkt man, daß der Verfasser, von Haus aus Kunsthistoriker, sich in das oft weitzerstreute einschlägige wissenschaftlichie Material erst einarbeiten mußte, so würdigt man doppelt seine Beherrschung des Materials, sowie dessen oft originelle und zutreffende Neu-Beleuchtung. Das Werk behandelt zunächst zusammenfassend, was wir von Synagogen aus dem Altertum wissen, und dann als Hauptsach© die älteren gottesdienstlichen Bauten der Juden im deutschen Sprachgebiete, so in Speyer, Worms, Regensburg, Bamberg, FTiedberg, Miltenberg, Rufach, Erfurt, Eger, Offenburg, Andernach, Frankfurt, Schnerttach, Fürth, Burgweinting, Passau, Nürnberg, Weisenau. Marburg, Berlin, ferner in Prag, Posen, Krakau und Metz. Nach den wenigen Spezialbearbeitungen dieses historisch und kulturgeschichtlich so überaus wertvollen Zweiges der Wissenschaft ist diese gründliche umfassende Leistung umso dankbarer aufzunehmen. Oskar Maria Graf. Wunderbare Menschen, Engelhorns Nach f., Stuttgart. Wenn man einmal die Geschichte des deutschen jüngeren Theaters schreiben wird, nicht vom Standpunkte des Kunstkritikers, sondern aus der Perspektive des „Menschen", dann gehört ein Blatt der „Neuen Bühne". Es war dies ein Theaterunternehmen bayerischer Arbeiter» im Jahre 1920 in München gegründet, voll Begeisterimg und Hingabe zur Kunst, erhalten aus den vom Munde abgesparten Groschen. All die schützende Liebe konnte dieses einzig dastehende Theater vor dem realistischen Zug der Zeit nicht retten; ein Jahr nach der Gründung brach es finanziell zusammen. In dieser Gemeinschaft von Arbeit und Kunst war Oskar Maria Graf Dramaturg. Wie er in seinem Werk „Wir sind Gefangene" der Bayerischen Revolution ein Gedenkblatt und sich 'einen Namen von Ruf geschaffen hat, so setzt er in diesem Buch dieser allzufrüh verschwundenen Schauspielbühne ein Grabmal. Ungeschminkt, klar, präzise und offen wie das Empfinden und Handeln dieser wunderbaren Menschen, deren einer Graf war, ist seine Sprache, durchzogen von wahrem, tief in einer reinen Volksseele wohnendem Humor. Dr. Hans Kronengold. *......«..........»».»..»».».—B : Haben Sie schon 5 i einen Abonnenten g geworben! 5 Folgen auch Sie dem Beispiel der vielen Leser, denen wir £ 5 in kurzer Zeit eine stattliche Anzahl neuer Abonnenten ■ ■ verdanken. Auch in Ihrem Bekanntenkreis gibt essicherlich S 8 viele, die die ■ ■ Jüdische Wochenschrift g 1 „Die Wahrheit" j 2 gern beziehen würden. ■ ■ Wenn jeder Leser nur einen neuen Abonnenten wirbt. ■ ■ können wir das Blatt bedeutend ausgestalten und noch Jj 2 mehr bieten als bisher. ■ ■ Je größer der Abonnentenkreis, desto größer unsere ■ ■ Schlagkraft im Kampfe gegen den Antisemitismus! 5 j[ Wir senden unser Blatt kestenlos zur Probe an die ■ ■ Adressen, die Sie uns aufgeben! ■ Mit Tinte aasfallen I Ausschneiden und auf einer Postkarte an den Verlag der Wahrheit (Wien II., Heinestraße 13) senden. Nr. Name Adresse 1 2 3 (Ort und Datum) (Name und Adresse) Ii

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