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Die Wahrheit · 1928-07-27 · Heft 30 (27.7.1928) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 30 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Aber die ägyptischen Priester kannten sicher den naturwissenschaftlichen Zusammenhang. Dieses Wissen gehörte zu den „Geheimnissen" des priesterlichen Wissens der Aegypter. E. H. Numerus clausus in Litauen. Einen Numerus clausus für Juden und nationale Minderheiten an der litauischen Staatsuniversität verlangt das offiziöse Organ „Ritas" und hat damit eine Propaganda vom Zaune gebrochen, der sich ein Teil der litauischen Presse ohne Vorbehalt angeschlossen hat. Wie ersichtlich, schreitet die Konsolidierung und Pazifizierung der russischen Randstaaten nicht gerade fort. Oder braucht so ziemlich eine jede Diktatur naturnotwendig ein innerpolitisches Ventil, einen Sündenbock?. Wie heißt es in „Nathan, dem Weisen?" Tut nichts der Jude wird verbrannt! Die zwölfte Berliner Gemeindesynagoge. Nach langwierigen Verhandlungen hat die Berliner Gemeinde nunmehr den Frieden Stempel käuflich erworben. Dieses Gotteshaus im Westen Berlins, im Herbst 1923 eingeweiht, füllte tatsächlich eine Lücke aus. Gegründet von Professor G o 1 d b e r g, war der Friedenstempel eine Privateinrichtung, auf die die Gemeinde einen Einfluß nicht ausüben konnte. Nach den Absichten der Gründer sollte die Synagoge den Mittelpunkt für neues jüdisches Gemeinschaftsleben bilden. Nicht nur Kultuszwecke sollten eine Förderung erfahren, sondern auch in ireichem Maße soziale und gesellschaftsjüdische Fragen. Die Synagoge erfreute sich bald eines sehr regen Besuches. Mit ihren etwa 1300 Plätzen vermochte sie einen großen Teil der in der Umgegend von Halensee wohnenden. Juden aufzunehmen. — Hierzu bemerkt das Hamburger „Israelitische Familienblatt": Es ist durchaus zu begrüßen, daß nunmehr die Berliner Gemeinde den Friedenstempel in ihren Besitz übernommen hat, nachdem sich herausgestellt hat, daß die bisherigen Besitzer zur Fortführung der Synagoge nicht mehr in der Lage waren. Als Gemeindesynagoge wird der Friedenstempel erst recht eine außerordentlich gute Frequenz aufweisen, wenn auch die mannigfachen Beratungen bei den Gemeindebehörden die Frage noch nicht geklärt haben, welcher Ritus — ob liberaler oder konservativer — in Zukunft in der Synagoge gelten soll. Mit dem Erwerb des Friedenstempels ist die Zahl der Berliner Gemeindesynagogen auf 12 gestiegen. Wir glauben, daß die Entwicklung damit ihren Abschluß noch nicht gefunden hat. Die Tendenz geht unverkennbar dahin, auch die Synagogen, die von Privatvereinen unterhalten werden, soweit sie sich hierzu eignen, in die Verwaltung der Gemeinde zu überführen. Unter den Privatsynagogen Berlins hat der Friedenstempel freilich eine besondere Stellung eingenommen, weil seine Erbauung der Initiative einer einzelnen Persönlichkeit zuzuschreiben war, die auch den maßgebenden Einfluß auf den Betrieb der Synagoge ausübte. Auch ein Anklagepunkt. In den letzten Tagen erregte in Rumänien ein Prozeß großes Aufsehen, der gegen den Journalisten Terzimann vor dem Kriegsgericht in Chisinau stattfand. Terzimann, der Redakteur des „Adevarul" und der „Dimineata" ist, stand deswegen unter Anklage, weil er subversiver Tätigkeit bezichtigt wurde. Nach durchgeführter Verhandlung wurde der Angeklagte zwar freigesprochen, aber interessant bleibt immerhin das Moment, daß unter den Anklagepunkten sich auch der befindet, daß Terziman seinen Blättern — Berichte über antisemitische Ausschreitungen der antisemitischen Studenten in Chisinau zukommen ließ. Jedenfalls ein interessanter Anklagepunkt, wenn man bedenkt, daß die Ausschreitungen tatsächlich stattgefunden haben. Lloyd George gegen Lord Melchett. In dem bisher von Lord M e 1 c h e 11 (Sir Alfred Mond) vertretenen Parlamentswahlkreis Carmarthen, in dem nun eine Nachwahl notwendig geworden ist, hielt vor kurzem Lloyd George eine_ große Wahlrede, in der er die Persönlichkeit des von den Liberalen zu den Konservativen übergetretenen Lord Melchett persönlich scharf angegriffen, dabei aber der jüdischen Rasse, der Melchett entstammt, seine große Achtung bezeugt hat. Trotz der Hoch Wertigkeit dieser Rasse, sagte Lloyd George, würde es heute weder im House of Commons noch im House of Lords einen Juden geben, würde nicht die Liberale Partei seinerzeit gegen die Konservativen, zu denen sich Melchett jetzt zählt, die Judenemanzipation erkämpft haben. Die Liberalen waren es, die für die Verleihung des Stimmrechtes an die Juden und auch die Wählbarkeit von Juden eingetreten waren. Russischer Numerus clausus. Die in Charkow erscheinende jüdische kommunistische Tageszeitung „Der Stern" führt eine Reihe Beispiele an, die beweisen sollen, wie stark der Antisemitismus auch unter der Studentenschaft verbreitet ist. Der kommunistische Studentenverband an dem Charkower Technologischen Institut, der mehr als 400 Mitglieder zählt, ist stark von Antisemitismus verseucht, innerhalb dieses Verbandes wird für die Einführung einer Prozentnorm für Juden an den Hochschulen Propaganda gemacht Das im Sowjetstaat verpönte Wort „Zschid" (herabsetzender Ausdruck für „Jude") wird von diesen kommunistischen Studenten oft gebraucht. Das Parteibureau des Instituts — schließt die jüdische Zeitung — unternimmt nichts, um diesen antisemitischen Stimmungen entgegenzuwirken. Rumänien zahlt Schadenersatz. Gemäß einer Ministerialverordnung hat die rumänische Finanzverwaltung den durch den Pogrom vom 10. Dezember 1927 geschädigten Kaufleuten von Groß- Wardein die Restsummen für die erlittenen Schäden ausgezahlt. Insgesamt erhielten die Kaufleute in Groß- Wardein und in Klausenburg 15 Millionen Lei als Schadenersatz. Für den Wiederaufbau der zerstörten Synagogen stellte die Regierung 8,800.000 Lei zur Verfügung. Gedächtnisfeier für gefallene Juden in Frankreich. Der Jahrestag der Schlacht von C a r e n c y, in der besonders viele Juden gefallen sind, wurde vom Verbände der ehemaligen jüdischen Kriegsfreiwilligen in Paris durch eine Massengedenkfeier begangen. Die Feier leitete General Weiler, ein Jude; Ansprachen hielten der Vertreter der Alliance Israelite, Deputierter Lambert, Henri T o r r e s und Rabbiner Eisenstadt. Sämtliche Redner gedachten der großen Tapferkeit der jüdischen Teilnehmer an diesen Kämpfen und forderten eine Erleichterung der Naturalisation für eingewanderte Juden.

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