Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 30 (27.7.1928)
- Date
- 1928-07-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT niiiiniiinuniniüiiinniu^ Seite 9 Ein Budapester Tagblatt konstatiert bei Besprechung des Eintrittes der Gömbös-Gruppe in die Regierungspartei, daß Ivan Hejjas seit seiner Wahl zum Abgeordneten nur ein einzigesmal den Sitzungssaal des Parlamentes betreten habe. Das war, als er zur Verifizierung seines Mandates im Hause erscheinen mußte. Hatte Hejjas vielleicht doch die Empfindung, daß es im ungarischen Abgeordnetenhaus Männer gibt, die trotz ihrer Immunität seine Nähe gescheut hätten? Ego. Die fünf Frankfurter. Von Dr. Kurt Zielenziger. Das Werk, das der Vater geschaffen, vollendeten die Söhne. Amschel, Salomon, Nathan, Carl und James wurden die Begründer der verschiedenen Dynastien des Hauses Rothschild, des größten Privatbankhauses aller Zeiten. Die Geldbeschaffung für die bedeutendsten Staaten Europas wird mehr und mehr ihr Werk. So steigen sie zu Wirtschafts f ü h r e r n auf. Der genialste der „fünf Frankfurter", Nathan, war fast schon 20 Jahre in England, als die große Welt auf ihn aufmerksam wurde. Durch den Besuch eines hochnäsigen Engländers veranlaßt, hatte er sich in drei Tagen entschlossen, 1798 nach England zu gehen. Aber nicht als armer Mann. Die 20.000 Pfund Sterling, die er mitnahm, sind ein Beweis für die Stärke der Finanzkraft des von Meyer Amschel begründeten Unternehmens. Nathan geht zunächst nach Manchester, schon 1804 nach London, wird 1806 englischer Staatsbürger. Durch seine erste Frau wird er der Schwager Moses Montefiores. Wir erwähnten schon, daß der Kurfürst von Hessen sich seiner bediente, um sein riesiges Vermögen, entstanden zum Teil aus dem Blutsold, den er für den Verkauf der Landeskinder an England erhalten hatte, in London sicher anzulegen. So verfügt Nathan stets über große Mittel. Es gelingt ihm durch Vermittlung seines jüngsten Bruders James, der in Paris, wie erwähnt, seit 1811 lebt, den Krieg Wellingtons in Spanien gegen Napoleon zu finanzieren. Immer mehr werden die Rothschilds dann die Geldmarschälle für den Krieg gegen den großen Korsen. Nathan Rothschild wird der Leiter der Subsidienzahlungen Englands an die Mächte des Festlandes. Noch bleibt er im Hintergrund. Aber seine Hilfe wird für H e r r i e s, den englischen Kommissar für die Geldversorgung der Truppen, unentbehrlich. Durch den Vertrag von Reichenbach erhält Preußen, durch den von Teplitz Oesterreich große Hilfsmittel aus England gegen Napoleon. Ueber 15 Millionen Pfund Sterling wurden von 1813 bis 1815 von Großbritannien bewilligt. Als nach der Schlacht von Leipzig die Bourbonen 1814 wieder in Paris einzogen, stellt Nathan Rothschild Ludwig XVIII. 200.000 Pfund Sterling zur Verfügung und ermöglicht ihm so die Thronbesteigung. Als Napoleon von Elba überraschend zurückgekehrt ist, muß England, das in ihm den schärfsten Feind seines aufsteigenden Imperialismus erblickt, neue Subsidien der Koalition zur Verfügung stellen. Salomon Rothschild überbringt die Hilfsmittel für Preußen und wird preußischer Kommerzienrat. Die Schlacht von Waterloo entscheidet Napoleons Geschick. Aber sie macht auch Nathan zu dem b erühmtesten Mann Londons. Es ist zwar eine Sage, daß er selbst dieser Schlacht beigewohnt habe. Aber für seinen Blick spricht die Tatsache, daß einer seiner Agenten den Ausgang des Ringens in Ostende abwartete und mit der Meldung über den Sieg bereits am 20. Juni in London war, während Wellingtons Abgesandter dort erst am 21. eintraf. Aber noch bleibt es für England bei der Subsidienzahiung an die Festlandstaaten. Auf diese Weise gelingt es Nathan endlich, seine Brüder in Oesterreich in den Sattel zu setzen, das sich ihnen gegenüber bis dahin sehr ablehnend verhalten hatte. Am 25. September 1816 werden die Brüder Amschel und Salomon, am 21. Oktober die Brüder Carl und James in den österreichischen Adelsstand erhoben. Nur Nathan ging leer aus. Der Schritt in die große Gesellschaft ist damit getan. Als ruhigere Verhältnisse in Europa eingekehrt sind, beginnen die Rothschilds mit ihren großen Emissionsgeschäften, zunächst mit einer Anleihe für Preußen. Nun wird das Anleihegeschäft ihre Hauptdomäne. Sie schaffen das Börsenpapier für eigene Rechnung und Gefahr zur öffentlichen Zirkulation. 1820 gehtSalomon nach Wien und bleibt dort. Im selben Jahre verhandelt der jüngste der Brüder, Carl, in Neapel über eine Anleihe und begründet dort den italienischen Zweig des Hauses. Stets finden wir die Rothschilds im Bunde mit den konservativen Mächten. Sie selbst gehören nun dank ihrer Macht und ihrem Einfluß zu den ersten Kreisen der Gesellschaft. Aber sie vergessen ihre Abstammung nie und kämpfen jahrelang um die Emanzipation der Juden, besonders um deren Gleichberechtigung in ihrer Heimatstadt Frankfurt, für die sie auch Oesterreichs Staatskanzler Metternich zu interessieren wissen. Der 29. September 1822, an dem alle fünf Brüder in den österreichischen- Freiherrnstand erhoben werden, bildet den äußeren Abschluß dieser glänzenden Laufbahn des Hauses Rothschild. Die Inschrift ihres Wappens: „Concordia, Integritas, Industria" (Eintracht, Lauterkeit, Fleiß) sind das Symbol der Familie. Gegen eine große Konkurrenz hatten sich die Rothschilds durchgesetzt. Als kaufmännische Genies hatten sie es verstanden, ihre Zeit zu erfassen, aber auch durch ihre Tätigkeit den Staaten, in denen sie wirkten, zu nützen. Sehr treffend urteilt der christliche Forscher Richard Ehrenberg über sie, wenn er sagt: „Die Rothschilds verdankten ihre Macht nur scheinbar ihrem Gelde. Es ist wirklich unerlaubt dumm, derartiges immer wieder zu sagen. Wie hatten sie denn ihr Geld verdient? Wie hatten sie die B a r i n g, die Kopes und die anderen konkurrierenden Finanzmächte überflügelt, die ihnen anfangsan Kapitalkraft weit überlegen waren? Doch offenbar durch die ungewöhnliche Begabung, welche besonders Nathan Rothschild für Börsengeschäfte größten Stils besaß, durch die Einigkeit der fünf Brüder, durch die Anwendung einer neuen Technik, durch hervorragend geschickte und energische Benutzung der Zeitverhältnisse." Die dritte Generation des Hauses Rothschild war aus anderem Holz. Sie war schon im Reichtum aufgewachsen, aber sie wurde der Hüter der großen Tradition. Nathans Sohn Lionel wird Mitglied des englischen Unterhauses, James Sohn A1 p h o n s hilft 1871 dem französischen Staat bei der Zahlung der Kriegsentschädigung an Deutschland. Auf seinem Schloß Ferneres finden die Verhandlungen mit Deutschland statt. Auch heute noch genießt das Londoner, Pariser und Wiener Haus größtes Ansehen, wenn auch mit dem Aufkommen der Aktienbanken sich inzwischen die Stellung der Rothschilds auf dem Geldmarkt der Welt stark verändert hat. Das deutsche Stammhaus ist seit 1901 nach dem Tode des letzten deutschen Trägers des großen Namens, des Barons Wilhelm von Rothschild, aufgelöst worden. In dem einflußreichen Berliner Bankhaus von Goldschmidt- Rothschild & Co., das aus der Umwandlung einer alten Berliner Firma entstanden ist und dem neben den Brüdern Ernst und Carl Wallach die Enkel des Barons Wilhelm, die Freiherren Albert und Erich von Goldschmidt- Rothschild, angehören, ist der alte Name wieder auferstanden. g KleiderkreditZahlbar &££alb eine8 ■ Sämtliche Herren- und Damenkleider 5 Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. 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