Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 30 (27.7.1928)
- Date
- 1928-07-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064248-3064277--16441-3089192- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Efeiö äC^wät'ig^^HBBBSS! leite 6 ffl« DIE denken. Aristoteles hält ebenfalls die Sklaverei für eine unbedingt notwendige Institution, „es sei denn", sagte er („Poüitik" I. 4), „daß die Steine von selbst zu den Bauleuten kämen und die Weberschiffchen von selbst gingen")-*) Bei den Römern war der Sklave einfach res sonans eine sprechende Sache, also kein Mensch, sondern eine Sache, wie eine Kuh oder ein Wagen. Der Römer hatte — und das ist sehr bezeichnend — vier verschiedene Bezeichnungen für Sklave: servus, familia, mancipium, verna, je nachdem er seine soziale Stellung, seine Stellung im Haushalte, seinen, Marktwert oder seine unfreie Geburt bezeichnen wollte. Dagegen gibt es im Hebräischen überhaupt kein Wort für Sklave, weil es eben im Sinne des Altertums in Israel keine Sklaverei gegeben hat Ebeth heißt Knecht, Ebeth abodath heißt Erzknecht. Das, was bei anderen Völkern Sklave war, war in Israel Ebeth abodim, das heißt ein Knecht auf Lebenszeit, der •im siebenten Jahre nicht frei ausgehen, sondern bei seinem Herrn bleiben wollte. Rechtlich und sozial stand er mit den Knechten, die im siebenten Jahre frei ausgingen, auf gleicher Stufe. Schlußbetrachtung. Wir leben im Zeitalter des Großkapi'talismus. Wird der Kommunismus, der sich jetzt mächtig regt, ihn ablösen? Wer vermag das zu sagen? Wenn wir aber die Lehren unserer Gesetzgebung maßgebend sein lassen wollen, dann sagen wir: „Niemals". So lange Menschen auf dieser Erde über wirtschaftliche Vorgänge nachgedacht haben, so lange ist auch die Idee des Kommunismus vorhanden gewesen, und große, edle Geister sind für ihn eingetreten, stellenweise mit ihrem Leben. Ein sicheres Zeichen dafür, daß irgend etwas Wahres im Kommunismus vorhanden sein muß. Unser Gesetzgeber bat dieses Wahre, den wahren Kern erkannt, indem er sagte: „Das Land ist mein, und ihr seid nur Gäste und Fremdlinge vor mir." Unser Gesetzgeber gibt das Land, den Grund und Boden der Allgemeinheit, aber den Kommunismus der Produktionsmittel, des Kapitals lehnt er ausdrücklich ab. Somit können wir sagen, daß für unsere Gesetzgebung die Devise lautet: Weder Kapitalismus, noch Kommunismus, sondern Sozialismus. Unser Gesetzgeber gibt dem Staate, was des Staates ist, und dem einzelnen, was des einzelnen ist Unser Gesetzgeber gibt dem einzelnen Staatsbürger nicht allein gleiche Rechte vor dem Gesetz, das bedingt nur formale Demokratie, Scheindemokratie, sondern auch gleiche Rechte vor dem Schöpfer der Erde. Damit wird aus der Scheindemokratie wahre Demokratie. „Die Geschichte aller menschlichen Gesellschaften ist die Geschichte von Klassenkämpfen.*' So lassen Marx und Engels das Kommunistische Manifest beginnen. Nur jdie Geschichte eines e i nzigen Volkes bildet eine Ausnahme. Dieses.Volk ist Israel. Keine Spur von Klassenkämpfen. Keine Spur von Junkertum, von Aristokratie, keine Spur von Kapitalherrschaft, von Plutokratie. Der verstorbene Theologe und Reichstagsabgeordnete Hitze, in sozialpolitischen Dingen für das Zentrum die anerkannte Autorität, sagt in seinem Buche „Die soziale Frage": „Palästina allein kannte keine herrschenden Stände. Das hebräische Volk repräsentierte das Prinzip der Gleichheit a_m frühesten und vollkommensten." Kann es sozialpolitisch ein ehrenderes Lob geben? Als Ziel der Geseitzgebung stellt der Gesetzgeber hin (III, 25, 19): „Das Volk soll genug zu essen haben und sicher im Lande w,ohnen." Dieses Ziel hat er erreicht, und darum konnte er voll gerechten Stolzes sagen (V, 4. 8): „Wo ist ein großes Volk, das Satzungen und Vorschriften hätte so gerecht wie dieses ganze Gesetz, das ich euch heute vorlege." Diese Worte haben auch heute noch ihre volle Gültigkeit. In dem brausenden Gewittersturm der französischen Revolution entstand die Devise: Freiheit, Gleichheit. Brüderlichkeit. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, wieviel Unrecht ist nicht in eurem Namen bereits erfolgt? Soviel Unrecht, daß diese Worte stellenweise einen ironischen Beiklang erhalten haben. Wieviel aber auch in eurem Namen gesündigt worden ist, in den Worten Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sind die höchsten Ziele ausgedrückt, nach denen eine vorwärtsstrer*ende Kulturmenschheit zu ringen hat. Ob sie diese Ziele je vollständig erreichen wird, wer vermag das zu sagen? Wenn wir aber fragen, welche Gesetzgebung diesem hohen Ziele bislang am nächsten gekommen ist, dann sprechen wir voll Stolz heute noch wie vor vier Jahrtausenden mit unserem Gesetzgeber: „Wo ist ein großes Volk, das Satzungen und Vorschriften hätte, so gerecht wie dieses ganze Gesetz." Dann sagen wir: Die Gesetzgebung, welche dem hohen Ideale der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit bislang am nächsten gekommen ist, es ist die mosaische Gesetzgebung. Eine andere Gesetzgebung, die sich darin nur im entferntesten mit ihr messen könnte, sie kann nicht genannt werden. 'V Heute kommen die Steine „von selbst" zu den Bauleuten, heute gehen die VVeberschiffchen „von selbst". Ist es da nicht natürlich, daß die Fragen aufgeworfen werden: Besteht heute Lohnsklaverei? Und wenn sie besteht, ist es notwendig, daß sie noch besteht, wo die Tausenden von eisernen Sklaven uns zu Diensten stehen? Schluß mit der Nordpolfexerei. Von Josef Kaplan, Fulda. Ich frage Sie: „Warum müssen wir ausgerechnet den Nordpol erforschen? Was geht uns überhaupt der Nordpol an? Haben wir vielleicht drüben etwas verloren?" Wenn ein ehrgeiziger italienischer General das Verlangen hat, unsterblich zu werden, dann entsteht plötzlich in der Welt eine Sehnsucht nach dem Nordpol, die ganze Menschheit schreit nach Nor 6pol, als könne sie ohne Nordpol nicht leben und die Presse der ganzen Welt holt ihre zentimetergroßen Bleibuchstaben hervor und druckt unermüdlich „Nordpol" und wieder „Nordpol" und abermals „Nordpol" und vor lauter Nordpol wird man selbst ein Nordpollack und schreit auch unermüdlich „Nordpol", und zwar so lange, bis man der Meinung ist: der Nordpol muß unbedingt erforscht werden, sonst geht die Welt unter. Haben wir wirklich nichts Wichtigeres zu tun, als den Nordpol zu erforschen? Warten nicht andere ungelöste Fragen und Probleme, die gelöst werden müssen — zum Wohle der Menschheit? Nordpolforschung! Große Spielerei großer Menschen! Ein paar gelang weilte Menschen beschließen eine „aufsehenerregende" Sache zu veranstalten, laden die ganze Welt ein, mitzumachen und die Welt macht mit und freut sich riesig, daß sie mit im Spiele ist und sieht nicht, wie lächerlich sie ist in dem Moment, als sie tatsächliche Kulturprobleme zurückstellt und ein Problem „Nordpol" schafft, das gar kein Problem ist, sondern ein Unfug, ein Unsinn mit einem angedichteten Zweck, der der Menschheit noch weniger nützen wird, als die Feststellung, welche Rasse von Menschen Plattfüße hat. JAC. MAYER Eltftsn«? naOaMeiluntf Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkengaSSe 24 Tel.R48-4-79 Für KuMiMbMMta und Varalnsfunktlonlre gegen Legitimation 10% Nschlaft