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Die Wahrheit · 1928-07-27 · Heft 30 (27.7.1928) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 30 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT iniiiiiiiiiHiiiiuniiiimiiuuiiuiiiiiiiiiüiiiiiijiiiiiuiuiluilllllllllUlllHllIll Pariser Ghetto. Von Adolf Pfeffer, Paris. Am linken Seineufer, in der Nähe der Insel St.-Louis und der Cite, befindet sich das Quartier St.-Gervais. Dieses Quartier, das auch unter dem Namen St.-Paul bekannt ist, gehört zu den schönsten und ältesten der französischen Metropole. Stilvolle Häuser und Paläste erinnern den fremden Bummler an längst vergessene Zeiten, rufen in seinem Gedächtnis Bilder verschollener Historie hervor, von deren Reichtum hier jeder Stein, jede Mauer sprechen. Monumentale Treppen, alte Eingänge, edel gebaute Paläste sind die steingewordene Sprache des großen Jahrhunderts... Selbst die Straßenbenennungen haben in diesem Viertel das Aroma der vergangenen Jahrhunderte beibehalten. Sie heißen: Straße der weißen, der freien Bürger, des alten Tempels... ... rue de vieux Temple... Wir sind im Ghetto des alten Paris... * * * Gassen: Schmal, klein, von einem sonderbaren Geruch der Armut. Viele Butiken, kleine Geschäfte, in denen alles zu haben ist. Ausstellungen, Kinos, Kaffeehausterrassen. Kurz: Boulevards en miniature. Häuser: Grau und schmutzig, wie alle alten Häuser dieser Stadt. Sie drohen jeden Augenblick einzustürzen. Viele sind durch Balken gestützt. Menschen: Unruhig, nervös, obzwar sie hier nichts zu fürchten haben... Ist es die Erinnerung vergangener Verfolgungen, die sie ewig mit sich schleppen? Kinder: Blaß, mit großen, dunklen Augen... Ja, Kinder gibt es hier viel. In keinem anderen Pariser Quartier findet man so viel Kinder. Um zwölf Uhr mittags strömen sie aus den Schulgebäuden und füllen die sonst stillen Straßen mit ihrem heiteren Lärm. Es sind die Kinder jüdischer Emigranten, die aus allen Teilen der Welt, vornehmlich aber aus dem Osten, besonders aus Polen und Litauen, nach Paris übergesiedelt sind. Diese Kinder sprechen mit ihren Eltern jiddisch. Aber sie besuchen die französische Schule. Mit zwanzig Jahren müssen sie sich für die Staatsangehörigkeit entscheiden. Muß man es noch sagen, daß sie es vorziehen, französische Staatsangehörige zu sein? Sie sind gute französische Bürger, genießen jeden Schutz und jedes Recht, erfüllen aber auch jede Pflicht. Viele Bewohner dieses Quartiers kämpften während des Krieges tapfer für ihr neues Vaterland. Viele sind auf den Schlachtfeldern geblieben. Die zwanzig Schulen des Quartiers werden fast ausschließlich von jüdischen Kindern besucht. „Wieviel Franzosen haben Sie in Ihrer Klasse?" fragte ich einmal einen Lehrer. „Zwei." „Und auf wieviel Kinder?" „Auf neunundvierzig." Samstag werden die Schulen geschlossen. Sie wären sonst ohnehin leer... * $ * In den kleinen, schmalen Straßen des Quartiers vergißt man bald, daß man in Paris ist. Man glaubt, ILLLLUlLLLLHUULLLLLLLLIIIUf 11ULUIL111J111JLH111If11iUHÜltUtllHJIIlIJfUllIilllUlIII Zuckerkranke Wie Sie Ihren Zucker los und wieder arbeitsfähig werden, teile ich jedem Kranken unentgeltlich mit Fr. Low, Walldorf A 21 (Hessen) durch eine kleine litauische Stadt zu wandeln. Läden jüdischer Handwerker, jüdischer Schuster, Schneider, Tischler, Schlosser, jüdische Buchhandlungen, jüdische Ueberschriften, viele koschere Restaurants, deren gute Küche in Paris allgemein! bekannt ist. Fremde, durch das kulinare Talent der jüdischen Frauen verlockt, und Juden aus anderen Quartieren kommen abends nach St.-Paul, dinieren hier und gehen dann in das „Jiddische Theater". Die Leitung und das Ensemble dieser Bühne ist sichtbar bemüht, den Forderungen des modernen Theaters nachzukommen. Aber abseits, in den dunklen Gassen, herrscht Armut. In kleinen schlechten Wohnungen müssen meistens mehrere Familien hausen. Die Wohnungsnot ist hier sehr groß. In manchen Familien schlafen vier bis sechs Personen in einem Zimmer. Hängematten — oder etwas, was an diese entfernt erinnert — werden stockweise an die Wand geschlagen. Der Vater schläft in der ersten Etage, der Sohn im Mezzanin, die Mutter mit dem Neugeborenen im Parterre. Es wird Abend. Einer jener Pariser Abende, an denen der Himmel klar und sanft ist. Fern rauschen die Stimmen der Stadt. Aber auf den Trottoirs, wo sich sonst des Abends viele Menschen aufhalten, ist es jetzt still und leer. Durch die niedrigen Fensterscheiben kann man in das Innere der Wohnungen blicken. Kerzen werden dort in Leuchter gesteckt, auf weißbedeckte Tische gestellt und! feierlich angezündet. Denn es ist Freitag abends — im Quartier St.-Paul... _ Der Sozialismus der mosaischen Gesetzgebung. Von Dr. Sternberg (Emden) (Schluß.) Von der Züchtigung der Knechte durch den Herrn heißt es II. 21. 26—27: „Wenn jemand seinen Knecht oder seine Magd in das Auge schlägt und verdirbt es, der soll sie frei loslassen um das Auge. Desseibigengleichen, wenn er seinem Knecht oder seiner Magd einen Zahn ausschlägt, so soll er sie frei loslassen um den Zahn." Der Gesetzgeber will natürlich nicht bloß die ebengenannten Körperteile im Gegensatz zu anderen Körperteilen schützen, er will vielmehr einer rohen, den Körper schädigenden Behandlung dauernd den Riegel vorschieben. Wir müssen dabei bedenken, daß im Altertum körperliche Strafen ebenso natürlich und gewöhnlich waren, wie sie uns Kindern des 20. Jahrhunderts verpönt sind. Die dritte Art der Arbeitnehmer sind Leibeigene- oder Sklaven. Die Sklaverei war eine wesentliche Institution der Völker des Altertums. Wie sehr das der Fall war, sehen wir am besten bei den beiden größten Philosophen des Altertums, Plato und Aristoteles. Plato schrieb ein Werk vom „Staate", in dem er von seinem Standpunkte aus eine ideale Staatsverfassung, wir sagen heute einen „Zukunftsstaat", ausmalt. Selbst ein so großer Denker konnte in einem Phantasiegemälde vom Zukunftsstaate sich einen Staat ohne Sklaverei nicht

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