Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 30 (27.7.1928)
- Date
- 1928-07-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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ggltg 2 iHiiiuiBEM^ DIE WAHRHEIT genossen das jüdische Volk aufsuchen, wenn sie es in Wahrheit kennen lernen wollen. Zum Handelsvolke sind die Juden erst durch den Druck und die Verfolgungen des Mittelalters geworden. Und wenn sie am Samstag ruhen, so tun sie es nicht, weil sie fürchten, ihn durch Arbeit zu „schänden". Der siebente Tag ist als Ruhetag, nach den Worten der Bibel, gesegnet und geheiligt worden. Die Ruhe ist den Juden eine Pflicht, ebenso wie die Arbeit, und der „jüdische Instinkt" hat schon vor Tausenden von Jahren gefühlt, daß die Ruhe ebenso ihre sittliche und hygienische Berechtigung hat wie die Arbeit. Nur durch Arbeit und Ruhe sind Zivilisation und Kultur zu ihrer heutigen Höhe gelangt. Und auf dieser Höhe werden sie nur dann bleiben können, wenn Frieden waltet, jede friedliche Arbeit geschützt wird und die Menschen und Völker sich bemühen werden, einander kennen zu lernen und zu verstehen. Das wird das beste Mittel sein, um Vorurteile, Haß, Verachtung und derlei „Teufelswerke" restlos aus der Welt zu schaffen. . _ Religion und Philosophie. Von Dr. L. Roth, Murska Sobota, S. H. S. Wenn man das Wort Religionsiphilosophie ausspricht, so sollte man bedenken, daß dieses zwei Begriffe darstellt, deren Gegensätzlichkeit das moderne Denken in aller Schärfe empfindet. Fast wäre man versucht, zu behaupten, daß dieser Gegensatz die neuzeitliche Philosophie beherrsche. Aus diesem Gegensatz füeßt der Strom der Grenzbegriffe, der das moderne Denken vornehmlich ausmacht. In der bewußten Einschränkung der Begriffe der Religion, in der Grenzbestimmung des religiösen Denkens vollzieht sich heute das Wirken der philosophischen Forschung. Natürlich scheint sie bei diesem Geschäfte nicht bloß negativ, sie begnügt sich nicht damit, den Geltungswert religiöser Vorstellungen und Begriffe einer Untersuchung zu unterwerfen und ihren Rechts- Aus der jüdischen Sagen- und Märchenwelt. Von Binjamin Segel. (Fortsetzung.) Das Vögele. War einmal ein sehr reicher Mann, der hatte keine Kinder. Aber er und sein Weib sehnten sich sehr nach einem Kinde. Da fuhr er zum Rebbe. Sagt der Rebbe, er werde einen Sohn bekommen, aber nur bis zum 13. Jahre werde, derselbe leben, dann müsse er sterben. Der Mann war damit zufrieden, dachte aber, ich verberge es vor meiner Frau. Er kommt nach Hause und erzählt: „Der Rebbe hat mir gewünscht (mich gesegnet), daß du, mein Weib, einen Sohn haben wirst". Nach Jahresfrist genas die Frau eines Knaben. Das Weib war sehr erfreut, der Mann aber blieb traurig. Fragt sie ihn: „Warum freust du dich nicht?" antwortet der Mann: „Man muß den Dingen ihren Lauf lassen." Das Kind wurde groß und es wuchs zu einem Gaön heran. Der Vater aber blieb traurig, denn er wußte, daß diese Herrlichkeit nicht von langer Dauer sein werde. Indessen dachte er, ich werde ihn in ein kinderreiches Haus hineinverheiraten, vielleicht bleibt er mir doch leben. Der Knabe wurde verlobt und bald kam der Hochzeitstag. Man machte zu demselben große Vorbereitungen, denn die Mutter wollte ihrem Sohne eine glänzende Hochzeit bereiten. Alles freute sich und waT voller Hoffnung, der Vater aHein blieb traurig. Es kam die Trauung; der Bräutigam stand anspruch einzuschränken. Sie verfährt erklärend, indem sie aufzuzeigen sucht, wie die Menschheit zu den religiösen Vorstellungen kommt Die Philosophie sucht die Denknotwendigkeit aufzuzeigen, aus welcher religiöse Begriffe entstehen. Uebernimmt die Philosophie die Aufgabe, diese Grundlagen zu erklären und ihnen eine Deutung zu geben, dann erst ist die Philosophie schöpferischer Gedanke. Der Vorgang des philosophischen Denkens in seinem antithetischen Erscheinen geht auf die Notwendigkeit des religiösen Weltbegreifens ein, um seine eigene Gedankenreihe dieser entgegenzuhalten. Philosophisch überwinden heißt Tatsachen erklären, der einen Erklärung eine andere gegenüberstellen. Wer nicht vermag, die Komponenten eines Gedankens in ihrer Notwendigkeit aufzuzeigen, um dieser eine andere entgegenzusetzen, treibt nicht Philosophie. Erhebt sich aber diese zu einer fruchtbaren Selbstschöpfung auf Grund der Erklärung der Tatbestände, dann ist sie selbst Religion. Denn Religion will nichts anderes, denn Bestimmung des Denkens zu schöpferischer Hingabe an Gedanken. Aber nicht nur im Zwecke ihres Daseins berühren sich Philosophie und Religion, nicht nur in unserem Denken erscheinen sie als zwei Planeten, die auf ungleichen Bahnen einem Ziele zueilen, sondern ihrer Genesis nach sind sie identisch. Der Gedanke ist selbstverständlich. Wenn zwei einem Ziele zueilen, wenn auch in fortwährendem Ringen gegeneinander, so müssen sie doch 'eines Ursprungs sein. Die Geschichte bestätigt dies. Dort wo der Mensch zum ersten Male über sich hinausgeht und seine Umgebung zu verstehen sucht, beginnt ein unendliches Sehnen nach Welterklärung. Diesem entspringt die Sage der Volkspoesie, in der die nächste Umgebung vergeistigt angesehen wird. Wald und Flur, der dunkle Hain, das Blau auf fernem Horizonte lassen Stimmungen in der Seele des Menschen zurück. Wie. traumverloren taumelt der Mensch an der Mannigfaltigkeit der Dinge vorbei. Der Zug der Wolken, ihre fortwährende Abtönung, ihr Farbenreiz beflügeln sein Ahnen. In ungebrochener Sinnlichkeit gibt er sich an die Dinge hin, mit gierigem Auge saugt er die Farbenpracht des Universums. Seltenere Naturerscheinungen, wie starke Gewitter, erwecken in seiner Brust das Gefühl der Furcht. Seine alltägliche, karge Erfahrung, die sich zu einem Weltbild verdichtet hat, erweitert sich mit den Katastrophen des Naturlebens. Der ewige Kampf der Elemente, das unaufhörliche Ringen und Vernichten, das sich vor seinem Auge vollzieht, legt Bresche in sein bescheidenes Weltbild. Er lernt fragen, schon unter dem Baldachin, und man ging, die Braut abzuholen. Und als man mit der Braut zur Chuppah (Baldachin) kam, war der Bräutigam verschwunden. Die Mutter beginnt zu weinen und zu schreien: „Wo ist mein Sohn, mein einziger, mein goldener!" Sie sagte: „Ich werde gehen von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf und von Wald zu Wald, bis ich meinen Sohn gefunden habe". Zuerst aber ging sie zum Rebbe. Wie sie zum Rebbe kam, da sagte dieser: „Du sollst gehen, wohin dich deine Augen tragen; du wirst kommen zu einem eisernen Berg, zu einem gläsernen Berg, und wenn du die beiden Berge überstiegen haben wirst, dann findest du deinen Sohn." Die Mutter ging und ging; da traf sie den eisernen Berg, den überstieg sie; dann traf sie den gläsernen Berg, sie will hinauf, kann aber nicht, denn der Berg ist schlüpfrig. Sie setzt sich hin auf einen Stein und beginnt bitterlich zu weinen. Da erbarmt sich Gott ihrer und schickt ihr einen Vogel, der trägt ein spitzes Beil in seinen Klauen. Sie ergreift das Beil, beginnt damit kleine Vertiefungen in den Glasberg zu hauen, die ihr als Stiegen dienen, und so kommt sie endlich auf die andere Seite des Berges. Dann geht sie weiter und geht und geht, bis sie endlich in der Nacht ein Licht schimmern sah. Sie ging weiter und bemerkte eine Hütte, aus welcher das Licht kam. In die Hütte trat sie, und aus Furcht vor Räubern, welche in derselben wohnen könnten, versteckte sie sich unter dem Bett. In der Nacht sah sie, wie ein Vogel geflogen kommt; an der Tür wirft er von sich die Federn, und setzt sich ein prächtiger Jüngling an den Tisch, um zu lernen. Die Mutter erkennt in diesem ihren Sohn. Denkt sich die Mutter, wenn er weggehen will trete ich auf ihn zu, und nehme ihn heim. Bis sie sich entschließt, ist der Jütngling wieder in einen Vogel verwandelt und schon davongeflogen. Die Mutter beschließt nun, die zweite Nacht abzuwarten. Der Vogel kam wieder, tat von sich die Federn, und machte sich ans Lernen. Da trat die Mutter leise an die Tür und schloß dieselbe. Nachdem er ge-