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Die Wahrheit · 1928-07-27 · Heft 30 (27.7.1928) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 30 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 50 Orosdien. ffloJmsmik Veröffenflidittfi4e& der „Umkm dettfsdi8sferr. Judex? „AmtlicheH Veriautbaruuigen der braeBÜsdhca Kultusgemeinde Wien" iiiiiiiiüiiniiiiiiiiiuiiiiiuijiijdiniiiiiiiiuuü Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße Nr. 13 XLIV. Jahrgang Wien, 27. Juli 1928 jffflS Oswald Spengler und die ßmenfrage. ephon 42-2-16 Nummer 30 Von Sanitätsrat Dr. Scher bei. In seinem Buche „Preußentum und Sozialismus" (C. fi. Beckscher Verlag, München) sagte Oswald Spengler in dem Kapitel über Marx: „Der Glaube an die Einheit des sozialistischen Zieles ist stärker als die Wirklichkeit und er haftet wie immer im Abendlande an einem Buche, an dessen absoluter Wahrheit zu zweifeln ein Verbrechen ist." Gemeint ist natürlich das theoretische Hauptwerk von Karl Marx „Das Kapital". Oswald Spengler, der Verfasser des weitverbreiteten Werkes „Der Untergang des Abendlandes", urteilt hier absprechend über den Glauben an ein Buch. Aber bald darauf zeigt er, daß dieser Glaube nicht weniger mächtig in ihm selber ist. Er schreibt nämlich: „Bei der Abfassung seines Manifestes unterstützte Marx sein jüdischer Instinkt, den er selbst in seiner Schrift über die Judenfrage gekennzeichnet hat. Der Fluch der körperlichen Arbeit am Anfang der Genesis, das Verbot, den Sonntag durch Arbeit zu schänden, das machte ihm das alttestamentliche Pathos des englischen Empfindens zugänglich. Und deshalb sein Haß gegen die, welche nicht zu arbeiten brauchen. Er hat dem Proletariat die Mißachtung der Arbeit eingeimpft." Oswald Spengler meint die Schrift von Karl Marx „Zur Judenfrage", die zuerst in den deutschfranzösischen Jahrbüchern Ruges erschienen und neuerdings von dem Verlage Ernst Rowohlt in Berlin wieder herausgegeben worden ist. Der Herausgeber Stefan Großmann spricht von Marx als „einem reifen Geist der Vergangenheit, dessen Ruf, an keine Zeitlichkeit gebunden, klärend und erlösend in unsere verwirrten Tage klingen soll". Und wie ist es in Wirklichkeit gewesen? Als Karl Marx, Enkel des Rabbiners Marx Lewi in Trier, sein Urteil über das Judentum und über die Berechtigung der Judenemanzipation niederschrieb, war er kaum 26 Jahre alt. Nur in geister Unreife und Unerfahrenheit konnte er das Geld für den Gott Israels, den Eigennutz für den weltlichen Grund und Kultus des Juden und seine Befreiung davon als die erste Bedingung der Emanzipation der Juden erklären. In scheinbar wissenschaftlichem Gewände findet sich in der Schrift das ganze Rüstzeug der heutigen antisemitischen Literatur und — welche Freude der Antisemiten — von einem Juden zusammengetragen. Wie ganz anders hat Gabriel R i e ß e r, der klassische Vorkämpfer der Judenemanzipation, diese Fragen behandelt! Es ist bedauerlich, daß Karl Marx späterhin, als geistiger Führer der Internationale und Begründer der deutschen Sozialdemokratie, nicht Zeit gefunden hat, sich noch einmal mit der Judenfrage zu beschäftigen. Vielleicht hätte er dann doch, in geistiger Reife, gefunden, daß das Judentum noch etwas anderes ist als Egoismus und Schacher, vielleicht hätte er, gleich seinem Mitarbeiter Heinrich Heine, in dessen späteren Lebensjahren, den Wert der weltgeschichtlichen jüdischen Idee und Mission erkannt, die sich nicht in Gelderwerb und Handel erschöpft. Und wenn er heutzutage lebte, wo Palästina zur rechtlich gesicherten Heimstätte der Juden unter dem Protektorat des von ihm vergötterten England geworden ist und der Zionismus seine nationalen Ideen der Verwirklichung nahe gerückt sieht, würde er nicht die Nationalität des Juden als „chimärisch", als die Nationalität des Kaufmannes, des Geldmenschen erklärt haben. Bedauerlich ist nur, daß hervorragende Geister, wie Oswald Spengler, im „Glauben an ein Buch und seine absolute Wahrheit" sich solche Anschauungen zu eigen machen und von „jüdischem Instinkt" sprechen, der mühelosen Gewinn sucht. Wie man es vom deutschen Volke gesagt hat, so kann man es auch vom jüdischen Volke sagen: Wer es richtig kennenlernen will, der muß es bei der Arbeit aufsuchen. Kein Fluch der körperlichen Arbeit am Anfang der Genesis war es, als es hieß: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen", nein, es war ein Segen. Denn nur im Schweiße des Angesichts ließ sich die harte Scholle des heiligen Landes bearbeiten, und was saure, mühevolle Arbeit zuwege gebracht hat, das zeigen die blühenden Ackerbaukolonien Palästinas, das zeigen die wachsenden modernen Städte und Industrien in diesem gelobten Lande, dessen Kulturschöpfungen und werktätige, technische Errungenschaften durch die geistige Arbeit der Universität in Jerusalem noch weiter gefördert werden sollen. Hier bei der Arbeit sollten Oswald Spengler und seine Gesinnungs-

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