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Die Wahrheit · 1928-07-22 · Heft 29 (22.7.1928) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 29 (22.7.1928)
Date
1928-07-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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leite 10 «■ loniiouuoiQUuuiuii jiiiüiüiiiininuiiiiiiiiinuiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ Dflg WAHRHtilH IBcdidieUenvcmTage Moltke und die Juden. Man sollte meinen, daß ein Professor, selbst dann, wenn er völkisch ist, bei Schilderung geschichtlicher Tatsachen die Historie und nicht seine persönliche politische Ueberzeugung zugrundelegt. Anders Professor Dr. Siegismund aus Weimar, der vor kurzem in einem Artikel „Moltke über die Juden" in der Berliner „Kreuzzeitung" zu dem Ergebnis kam, daß der greise Feldmarschall „die Judenfrage im Grunde genommen genau so auffaßte wie die Völkischen". Nun ist es richtig daß Moltke als blutjunger Leutnant in seiner „Darstellung der inneren Verhältnisse und des gesellschaftlichen Zustandes in Polen" sich äußerst ungünstig zwar nicht über die deutschen, jedoch über die polnischen Juden ausgelassen hat. Aus diesem Buch zitiert nun der Kreuzzeitungsartikler. Was er aber verschweigt, ist die Tatsache, daß Moltke ausdrücklich in späteren Jahren von dieser einen Ansicht abrückte, ,4a er sie aus schon damals erschienenen größerer. Werken zusammengetragen habe, sich dieser Jugendarbeit nicht weiter erinnere und keinen Wert auf dieselbe lege." Als 1884 das Buch noch einmal in der Zeitschrift „Vom Fels zum Meer" veröffentlicht wurde, fehlten gerade jene für die Juden ungünstigen Stellen. Selbstverständlich stürzten sich die damaligen Antisemiten mit Wollust auf diese neue „jüdische Mache des jüdischen Professors Kürschner". Dieser, der damals die Zeitschrift „Vom Fels zum Meer" herausgab, nötigte die antisemitische Zeitung „Das Volk" in einer Mai- Nummer von 1891 folgendes festzustellen: 1. sei er weder Jude, noch „Judenstämmling"; 2. habe der General den Abdruck nur unter der Bedingung gestattet, daß jene Stellen wegbleiben. Da aber die Deutschvölkischen durchaus Moltke sich zum Vorbild nehmen wollen und auch wir glauben, daß die wahre Meinung dieses Mannes über die Juden dazu beitragen könnte, die Antisemiten eines Besseren zu belehren, sei ihnen noch einiges über den wahren Moltke mitgeteilt: Am 18. Dezember 1873 feierte man in Deutschland die 25jährige Wiederkehr der Wahl des Juden Simson zum Präsidenten der Frankfurter Nationalversammlung. Unter den Gratulanten befand sich auch Moltke; er schrieb unter anderem: „Was Sie vor 25 Jahren angestrebt, woran Sie ein Vierteljahrhundert festhalten, das sehen Sie heute verwirklicht. Mögen Sie noch lange des stolzen Bewußtseins sich erfreuen, vor vielen für die Größe des Vaterlandes gewirkt zu haben." Wie an der Wiener Universität. Die Anschläge, welche von der völkischen Studentenschaft durch ihre Anschläge in den verschiedenen Anschlagkasten in der Universität nicht nur gegen die Ehre des Judentums, sondern auch gegen die Würde und das Ansehen unserer Universität vollbracht werden, bilden sicherlich eines der traurigsten KapiteJ des kulturellen Niederganges unserer einst so berühmten Hochschule. Es bietet für uns daher nur einen sehr schwachen Trost, daß es an der Berliner Universität in dieser Hinsicht auch nicht besser steht. Unter dem Titel „Völkisches Rowdytum an der Berline<r Universität" berichtete hierüber kürzlich „Der S c h i 1 d", das Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, folgendes: Wie dringend notwendig die Reinigung der Oeffentlichkeit von dein politischen Rowdytum der Nationalsozialisten ist, wird durch das pöbelhafte Treiben dieser jungen Burschen an der Berliner Universität gekennzeichnet Manchmal bereits hatten diese „Kommilitonen" Studierende in unverschämtester Weise provoziert und lediglich dem Einschreiten einiger besonnener Studenten ist es zuzuschreiben, daß sich an größerem Umfange keine Zusammenstöße ereigneten. Am Tage des Verbotes der Berliner Gruppen der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei durch den Berliner Polizeipräsidenten prangte am Brett des nationalsozialistischen Studentenblindes folgender Anschlag: Nationalsozialisten!!! Deutsche Volksgenossen!!! Die jüdische Poiizeiddktatur hat dien Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbumd verboten. Die Angst vor der Abrechnung mit diesem Lumpengesindel durch die Nationalsozialistischen Sturmabteilungen hat das Verbot geboren. Kameraden! Jetzt giltsü! Haltet unserem lieben Dr. Goebbels auch in den Zeiten schwerster Not die unerschütterliche Treue, welche Ihr bisher bewiesen habt! Das riesige Anwachsen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei zeigt, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Rund 1000 Neuaufnahmen sind in der letzten Woche zu verzeichnen. Um diesen Siegeslauf zu hemmen, verbietet man uns. Nationalsozialistische Arbeiter der Stirn und der Faust!!! Deutsche Volksgenossen! Jetzt beginnt die Kleinarbeit! Zwecks Besprechung der Arbeitsmethoden Zusammenkunft Sonnabend um 6 Uhr im Erfrischungsräume der Universität. Wir lösen uns nicht auf!!! Gegen Terror hilft nur Gegenterror! Auf den Tag der Rache an diesen Parasiten und Ausbeutern des deutschen Volkes!!! Nieder mit der Judendiktatur! Für den nationalsozialistischen Freiheitsstaat! Warum verbot man uns? Weil deutsche Volksgenossen einen Pfaffen, der dauernd durch Zwischenrufe störte, hinausbeförderten. Es war der Duzfreund des Isidor Weiß. Tod der Reaktion und dem Marxismus. Heil unserem treuen Führer Adolf Hitler, dem deutschen Freiheitskämpfer und Führer aus der Not. Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund. Nationalsozialistische Arbeiterpartei. Der provozierende Ton dieses Aufrufes beweist, mit weichen Mittein man das Rowdytum der Straße auf die Hochschulen zu übertragen versucht. Es wird der Aufmerksamkeit und UaciisaniKeit aller Einsichtigen bedürfen, um diese Methoden im Keime zu ersticken. Schöne Aussichten. Ein neues Strafgesetz soll in Rumänien eingeführt werden und es arbeitet eine parlamentarische Spezialkommission schon seit langer Zeit an der Redigierung des Textes. In einer der letzten Sitzungen dieser Kommission wurde nun ein Artikel in Beratung gezogen, der tumultuöse Manifestationen zum Gegenstande hat. Dabei wurde der folgende Text angenommen: „Wenn gelegentlich eines Auflaufes ein Verbrechen oder ein Vergehen verübt wird und die Täter nicht eruiert werden können, dann werden alle Teilnehmer an dem Auflauf mit dem gesetzlichen Minimalstrafausmaß b es traft werden." Danach ergibt sich eine rosige Aussicht für die rumänischen Juden. Schon heute heißt es bei antisemitischen Ueberfällen und Ausschreitungen, daß die Juden sie provoziert, daß die Juden sie verübt haben. Wie wird es erst sein, wenn der oben zitierte Artikel unverändert ins Strafgesetzbuch kommt? Die antisemitischen Täter sind ja in den wenigsten Fällen eruiert, folglich werden die Juden zum Schaden bei den Ueberfällen auch noch die Strafe für ihre Angreifer abbüßen müssen — weil doch bei U e b e rfällen auf Juden, die Juden dabei sein müssen. Sind sie also dabei, dann werden sie so bestraft wie die Herren Angreifer. Ein neuer Terminus. Im Bukarester „Universul" findet sich die folgende Notiz: „Die Studenten Torna Vasescu und Petre Ursache von der theologischen Fakultät in Chisinau wurden verhaftet, weil sie auf der Reise nach Jassy im Eisenbahnzug mit jüdischen Reisenden stritten. Das ist nämlich der neue Terminus. Bisher hieß es bei Ueberfällen auf Juden, es sei zu „Zwischenfällen" gekommen. Heute nennt man solche Ueberfälle einfachen Streit. Es ist bloß verwunderlich, wie pflichteifrig die Polizei in diesem Falle war, da sie wegen sines harmlosen Streites die Studenten gleich verhaftete. ■ ■ 1 Herren- und Damenkleider! s : S nach Maß sowie fertig lagernd, nnr Qualitätsware, billigste Preise. 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