Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 29 (22.7.1928)
- Date
- 1928-07-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DL£ WAilkffEtf 'jiiiililiililimillilHIil'l1""»1"1"!1111"111111»".....in-miimniiH^^ 5eltä -/ vielleicht Zeit wird, sich auf die heilende und helfende Macht des Geistes wieder zu besinnen. Es ist allerdings nichts wichtiger, als daß man allmählich wieder anfängt, „Aufklärung" anders denn als Schimpfwort zu hören und die Stimme Lessings wieder ins Herz tönen zu lassen. Aber das wird nicht zu erreichen sein, wenn man die Segensmacht des Geistes an etwas so „Elementares" wie den Besitz eines Bodens, und wäre es auch der geschichtlich ehrwürdigste, knüpft Daß die Geister ihre Freiheitsmacht über alles Körpergebundene zurückgewinnen, darauf kommt es an. Aus Fremdheit und Feindschaft wird uns, das hat Siemer an einer Stelle seines Buches sehr schön erkannt, nur das Erstarken der geistigen Grundmacht befreien, der religiösen Kraft, die uns wieder vernehmen läßt, „den ewig menschlichen Chorus Mysthicus", die Stimme, die da verkündet, daß alles Vergängliche nur ein Gleichnis ist. WieJabotinsky in die zionistische Zukunft sieht. In der „Jüdischen Volksstimme" (Brünn) bespricht Jabotinsky die Stellung der Revisionisten in der zionistischen Organisation zwischen dem 15. und dem 16. Kongreß. Es heißt in dem Artikel unter anderem: Es gibt drei vorauszusehende Even-tualitäten: entweder gelingt es der Exekutive, die „Erweiterung" der Jewish Agency in ihrem Sinne durchzusetzen; oder die „Erweiterung" entfällt, es folgt eine Umwälzung und bei dem nächsten Kongreß siegen wir und schaffen eine revisionistische Exekutive der zionistischen Organisation; — oder, obwohl die „Erweiterung nicht gelingt, siegen wir doch nicht und die Leitung der zionistischen Organisation bleibt nicht-revisionistisch. Im ersten Falle — sehe ich persönlich nicht, was wir Revisionisten innerhalb einer solchen, der fifty-fifty Agency unterordneten, zionistischen Organisation weiter erhoffen könnten. Ich sage das in meinem eigenen Namen, als privater Publizist; es scheint mir aber, daß, wenn die zionistische Organisation das Recht verliert, den Willen der zionistisch denkenden Massen frei, ohne Veto seitens des Assimilantentums, zu behaupten, diese zionistische Organisation überhaupt nicht jener Ort sein wird, wo ein Zionist irgendwas zu tun hat. Im Gegenteil: es wind dann eine Lage entstehen, wo es oft die Pflicht eines Zionisten sein wird, die Handlungen oder Absichten so einer Agency nicht nur intern, sondern einfach nach außen zu bekämpfen, hemmen oder durchkreuzen. Sogar im besten Fall, wenn die halb-assimilatorische Agency nichts Unanständiges (!) tut, wird man die eigentliche zionistische Arbeit doch durch andere Kanäle ganz selbständig führen müssen. Im dritten Fall (den zweiten — den Sieg — will ich erst zuletzt behandeln) bleiben wir Revisionisten im Grunde in derselben Lage, wie jetzt. Auch jetzt ist ja die Jewish Agency in den Händen der Schekelzahler, und wir außerhalb der Leitung, verurteilt zur Opposition, Kritik und Fruchtlosigkeit, — in einer Lage, von der ich oben gesagt habe: „so kann es weiter nicht gehen". Auch dann (wenn also die „Erweiterung" durchfällt, der 16. Kongreß aber wählt uns nicht) wird es „weiter nicht so gehen können". Formell, bewußt oder unbewußt, werden wir uns sonderstellen müssen und unabhängig tätig werden. Wahrscheinlich wird es Reibungen mit der zionistischen Organisation schaffen, und wir werden es alle bedauern, ich auch; aber anders kann es ja nicht sein. Noch zwei Jahre Opposition — 1929—1931 — (und warum nicht 1931—1933 und weiter?) werden wir nicht aushalten. Es ist schon heute schwer genug, das Absurdum, das Contradictio in adjecto eines „abwartenden Aktivismus" zu ertragen. Trifft aber der zweite Fall, wählt der 16. Kongreß eine revisionistische Leitung, — dann wird sich für uns eine ungeheure Schwierigkeit ergeben. Um selbst unsere Gedanken durchzuführen, sind wir stark genug; um eine Exekutive zu bilden, auch; so weit bin ich sicher. Aber es wäre Blindheit, zu verkennen, daß wir in den einzelnen Landsmannschaften noch bei weitem nicht überall stark vertreten sind. Es ist viel leichter, den Kongreß zu „erobern", als gewisse Landsmannschaften: das erste ist ein „coup", das letztere ein langsamer Prozeß. Eine Welt-Exekutive muß sich aber in ihrer Tätigkeit auf Lokalorgane stützen. Ist die Exekutive revisionistisch, die IVihrf nin a Friedläafler t Beats* Iii nllilUIIIU1111111111111111111111111 Hl IlllUlwlllb Seltenslettlngasae2 Tel. 68-1-28 XI., Zentralfriedhof» neben dem 1. Tor, Tel.98-0-85 Lokalorgane aber vorlierzlianisch, oder gar antiherzlianisch, dann bleibt der ganze neue Kursus ohnmächtig. Bleibt nur ein Ausweg: die Exekutive stützt sich zwar auf lokale Kräfte, die ihr geistig nahestehen, diese „Kräfte" brauchen aber nicht immer mit den offiziellen Zentralstellen der Landsmannschaften identisch sein. (So was geschieht auch jetzt, zum Beispiel in Paris: da führt die jetzige Exekutive ihre Arbeit nicht durch die Föderation Si'oniste de France, sondern durch einen ihrer engeren Gesinnungsgenossen). Es ist nicht der bequemste Weg, aber unter gewissen Umständen der einzige. So weit der Artikel Jabotinskys. Aus dem letzten Absatz i;t hervor, daü dem Herrn Jabotinsky vor seiner Gottähnlichkeit bange zu werden beginnt. Es ist denkbar, — wenn auch nicht wahrscheinlich — daß er den Kongreß erobert. Denn bei der jetzigen Krise im Zionismus können Kongreßwahlen einen Sieg der Revisionisten bringen. Aber die Massen sind darum doch nicht — revisionistisch. Herr Jabotinsky fürchtet darum mit Recht diesen Zwiespalt und die von ihm am Schlüsse seines Artikel eröffnete Perspektive ist sehr bezeichnend. Diese fortwährenden Oppositionsgruppierungen, die sogar mit dem Gedanken der vollständigen Trennung kokettieren, — Jabotinsky ist in dieser Hinsicht ziemlich deutlich — sind der Ruin des Zionism u s. Eine Bewegung wie die zionistische verträgt eine derartige Zersplitterung nicht. Qlcrretv. Die deutschen Flieger wurden während ihres Aufenthaltes in Wien mit Ovationen überhäuft. Man würdigte vollauf den Heldenmut der Männer, die mit dem Einsatz ihres Lebens dem deutschen Namen Ehre und Ruhm brachten. In den überschäumenden Freudenbecher unserer heimischen Rassentheoretiker fiel jedoch ein Wermutstropfen: Herr von Hünefeld, der unter den Fliegern, wie allgemein konstatiert wurde, just am prononeiertesten den deutschen Typus repräsentierte, ist, wie er selbst mitteilte, der Sohn einer jüdischen Mutter. Und eine so schöne Gelegenheit über die Vordringlichkeit der Juden und der Judenstämmlinge zu schimpfen, limine unbenützt bleiben! Wie traurig..... * * * Unter den zahllosen Büchern, die in jüngster Zeit eine Lebensgeschichte Jesus' boten, macht namentlich das Werk des Dänen Dietlef Nielsen außerordentliches Aufsehen. Ein Kritiker rühmte vor einigen Tagen in der „Neuen Freien Presse'* dieser Arbeit nach, daß sie die wissenschaftliche Forschung der letzten Jahrzehnte zusammenfasse und durch neue ergänze. Eine dieser neuen Feststellungen, und zwar die sehr wesentliche, sei: nicht die Juden, sondern die Römer hätten Jesus gekreuzigt! „Nicht nur, daß er nach dem jüdischen Strafrecht nicht verurteilt werden konnte, nach jüdischem Brauch hätte er gesteinigt werden müssen; nur die Römer verhängten den Tod durch Kreuzigung." Bücher haben bekanntlich merkwürdige Schicksale, und Dietlef